Kult-Kneipe Café Prinzregent in Ansbach schließt: „Es war unser Baby” | FLZ.de

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Veröffentlicht am 26.02.2025 18:22

Kult-Kneipe Café Prinzregent in Ansbach schließt: „Es war unser Baby”

Nur noch für kurze Zeit: Maria Kaiser und Andreas Schneider stehen hinter dem Tresen. (Foto: Jörg Lederer)
Nur noch für kurze Zeit: Maria Kaiser und Andreas Schneider stehen hinter dem Tresen. (Foto: Jörg Lederer)
Nur noch für kurze Zeit: Maria Kaiser und Andreas Schneider stehen hinter dem Tresen. (Foto: Jörg Lederer)

Das Café Prinzregent in Ansbach ist seit Generationen eine Institution. Noch kümmern sich Pächterin Maria Kaiser (50) und ihr Verlobter Andreas Schneider (51) um ihre Gäste. Doch am Donnerstag ist für sie Schluss. Das kultige Wirtepaar öffnet das Prinz zum letzten Mal, bleibt Ansbach und der Region aber erhalten.

Im achten Jahr stehen die beiden hinter dem Tresen. Erst lief die Kneipe ein Jahr auf ihn, und dann übernahm sie. Warum hören sie jetzt auf? „Gefallene Umsätze, die Gäste kommen nicht mehr“, schildert Andreas Schneider knapp.

Bis Oktober hätten sie den fehlenden Umsatz durch Veranstaltungen ausgeglichen, sagen die beiden. Andreas Schneider nennt die Stichworte Live-Musik, DJs, Tanz und Bühne. Diese untersagte das Ordnungsamt laut seinen Worten. „Wir haben nur eine Gaststättenkonzession“, räumt er ein. Aber: „Die Veranstaltungen haben das Prinzregent eigentlich am Schluss dann getragen.“

Wo bleiben die Studierenden?

Der normale Barbetrieb habe nicht mehr gereicht, um die Kneipe zu halten. Die Stammgäste seien älter geworden – „Häuschen bauen, Familie gründen“ –, und Studierende kämen aus einem unerfindlichen Grund nicht mehr hierher, obwohl das Prinzregent immer Studentenlokal Nummer eins gewesen sei.

Akademischer Nachwuchs lässt sich nur vereinzelt blicken, „aber nicht mehr so wie vor und kurz nach Corona“. Der 51-Jährige glaubt, Studierende hätten sich irgendwann ans WG-Dasein gewöhnt. Die Leute, die wochenends noch weggehen, wollen sich seiner Ansicht nach entertainen, also unterhalten lassen – mit Tanzfläche und Live-Musik.

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Da es keinen Club mehr in Ansbach gebe, kämen die Menschen auch nicht mehr zum „Vorglühen“ in die Bars. „Sie fahren direkt nach Nürnberg“, denn „die Zuganbindung ist mittlerweile so gut“. Und Ansbach stirbt aus, wie er fürchtet.

Wie sind Maria Kaiser und Andreas Schneider kurz vor dem Ende gestimmt? „Gemischt“, findet Andreas Schneider, und seine Verlobte stimmt ihm zu. „Es war unser Baby, und wir haben wirklich Herzblut reingesteckt“, stellt er fest. „Wir sagen immer: mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, fügt Maria Kaiser hinzu. Die traditionsreiche Kneipe sei wie ein Zuhause für sie und ihren Partner.

Der Heavy-Metal-Club hatte seinen Stammtisch in der Bar

„Bisher sind bei den Gästen mehr Tränen geflossen als bei uns“, führt er trocken aus. Seiner Verlobten und ihm werde der Abschied wohl erst so richtig bewusst, wenn der Donnerstag vorbei sei. Die zwei sind in einem Heavy-Metal-Club, der hier auch seinen Stammtisch hatte.

Vieles von ihrer Arbeit, die sie nebenbei leisteten, war nach außen gar nicht sichtbar, wie Andreas Schneider meint. „Wir kaufen selber ein, wir putzen, wir restaurieren, wir reparieren hier alles selber.“ Überdies möchten die Kinder natürlich auch ein wenig Zeit haben.

Maria Kaiser und Andreas Schneider, der auch als Koch im Prinzregent Bekanntheit erlangte, wollen im Ansbacher Raum nach wie vor Veranstaltungen anbieten. „Wir haben am 30. April im Speckdrumm einen Rave, und am 5. Juli sind wir in Lichtenau: Da machen wir ein Metal-Open-Air mit acht Bands“, informiert der 51-Jährige.

Bei den Antiquitäten setzt das Paar aufs Online-Geschäft

Bis vor Kurzem betrieben die beiden als zweites Standbein anderthalb Jahre lang ein Antiquitätengeschäft in der Innenstadt, das „sich dann auch nicht mehr gerechnet hat“, wie er berichtet. „Ansbach ist sehr schwierig, was das angeht“, meint Maria Kaiser.

„Wir werden uns jetzt hauptsächlich aufs Online-Geschäft konzentrieren, was die Antiquitäten betrifft“, blickt ihr Partner voraus. Im März veranstaltet das Paar noch die Aktion „Kauft das Prinz leer“, damit sich Fans des Cafés Prinzregent ein Stück des Inventars als Souvenir sichern können.

Das Besondere am Prinz ist für Andreas Schneider das Herzblut. „Wir sind mit unseren Gästen sehr persönlich umgegangen“, sagt Maria Kaiser, „wir haben den Leuten das Bier nicht einfach hingestellt und haben uns dann umgedreht.“ Das Ziel sei gewesen, für die Gäste ein zweites Wohnzimmer zu schaffen, hebt Andreas Schneider hervor. Und seine Partnerin findet: „Das haben wir auch geschafft.“

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