Konzert, Roadtrip, Trekking: Was Spezialveranstalter bieten | FLZ.de

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Veröffentlicht am 08.10.2026 14:28

Konzert, Roadtrip, Trekking: Was Spezialveranstalter bieten

Bolivien ist kein Ziel, dass die breite Masse deutscher Urlauber lockt - aber im Portfolio von Hauser Exkursionen. (Foto: Manuel Meyer/dpa-tmn)
Bolivien ist kein Ziel, dass die breite Masse deutscher Urlauber lockt - aber im Portfolio von Hauser Exkursionen. (Foto: Manuel Meyer/dpa-tmn)
Bolivien ist kein Ziel, dass die breite Masse deutscher Urlauber lockt - aber im Portfolio von Hauser Exkursionen. (Foto: Manuel Meyer/dpa-tmn)

Jürgen Mamczek besetzt eine Nische. Der Berliner gründete vor zwei Jahren die Firma Music Travel Hideaways und verkauft Reisen zu Konzerten und Festivals - mit Erfolg, wie er sagt. „Dabei hilft mir sicher meine Liebe zur Musik, aber auch meine Erfahrung im Geschäft“, so Mamczek. Seit mehr als 30 Jahren arbeitet er in der Touristik.

Eine Konzertkarte kaufen und ein Hotelzimmer in der Stadt buchen. Das klingt nicht nach komplizierter Reiseplanung und nach einer Aufgabe für Profis. Doch wenn man Mamczek zuhört, wird klar, warum er in seiner Nische besteht. Die Kunden, die zu ihm kommen, wollen auch die Expertise: Von welchem gehobenen Hotel ist das Konzerthaus am besten zu erreichen? Von welchem Platz hat man den besten Hörgenuss?

„Den größten Teil der Ziele, die ich anbiete, habe ich selbst bereist“, sagt Mamczek. Und wenn Konzerte einmal ausverkauft sind, hilft ihm sein persönliches Netzwerk, dass er für Kunden oft doch noch Tickets auftreiben kann, erzählt er.

Spezialanbieter setzen auf klare Zielgruppen

Verglichen mit breit aufgestellten, großen Marken wie Tui oder Dertour haben sich Anbieter wie Music Travel Hideaways in einer kleinen Nische eingerichtet. Sie haben ein spezielles Portfolio und befördern keine Massen an Reisenden. Stattdessen geht es um zugeschnittene Angebote für eine klare Zielgruppe: meist im mittleren bis gehobenen Alter und tendenziell mit etwas mehr Reisebudget ausgestattet.

„Viele unserer Kunden haben keine Lust, ewig im Internet zu recherchieren und wissen ganz klar die Expertise von Mensch zu Mensch zu schätzen“, sagt Timo Kohlenberg. Er ist Geschäftsführer von America Unlimited. Der Veranstalter verkauft Reisen in die USA und nach Kanada. Beide Länder sind unter anderem beliebte Ziele für Roadtrips. 

Dabei sind viele Detailfragen zu klären, von Hotels, über Mietwagen bis hin zu Ausflügen, die sich lohnen. Ungefähr 3.500 bis 4.000 Reisen verkauft America Unlimited im Jahr. Wobei die Angebote auf der Website des Veranstalters nur ein Vorschlag sind: Laut Kohlenberg werden mehr als 90 Prozent der Reisen auf Wunsch der Reisenden abgeändert - etwa durch zusätzliche Tage oder ergänzt um bestimmte Stationen. „Überspitzt könnte man sagen, keine Reise wird so gebucht, wie sie bei uns steht.“

Dass die Reisen wegen der individuelleren Zusammenstellung automatisch teurer seien als bei einer Buchung anderswo, dem widerspricht Kohlenberg. America Unlimited kaufe bei denselben Agenturen und Leistungspartnern ein wie große Anbieter und kalkuliere teilweise mit geringeren Margen.

Aktivreisen mit begrenzter Gruppengröße

Eine andere Nische besetzt Hauser Exkursionen. Lodge-Trekking in Nepal, Erkundungen im bolivianischen Amazonas, Touren zum Kilimandscharo: Der 1973 gründete Anbieter ist spezialisiert auf organisierten Aktivurlaub mit einem sehr ausgewählten Angebot: 2027 umfasst das 350 Wander-, Trekking- und Radreisen in mehr als 80 Ländern.

Das Konzept sind Gruppenreisen mit maximal zwölf Teilnehmern und einer deutschsprachigen Reiseleitung. Es gibt Reisen für Einsteiger und Anspruchsvolle, um das logistische Drumherum wird sich gekümmert - vom Gepäcktransport bis hin zu möglicherweise notwendigen lokalen Genehmigungen für Wanderungen.

Während der Sommerbadeurlaub in Spanien meist bedenkenlos machbar ist, stellen sich bei Trips nach Bolivien oder Nepal andere Fragen. „Unsere Reiseberaterinnen und Reiseberater waren oft selbst in den Zielgebieten, kennen die Reiseleiter und das Team vor Ort persönlich“, sagt Jeanette Buller von Hauser Exkursionen. „Sie wissen, wie sich eine Unterkunft in den Bergen oder in der Wüste anfühlt.“

Künstliche Intelligenz erreicht noch Grenzen

Doch planen sich die Menschen ihre Trips heute nicht immer häufiger selbst durch? Gerade durch Künstliche Intelligenz, einfach nutzbar durch KI-Chatbots, die einen auf die komplexesten Fragen strukturierte Antworten liefern.

Im Groben kann die KI schon vieles, aber im Detail der Reiseplanung stößt sie an Grenzen, zumindest wenn es nach Jürgen Mamczek, Timo Kohlenberg und Jeanette Buller geht. „Eine KI kann nicht einschätzen, ob ein Kunde mit leichten Knieproblemen den ausgewählten Trek bewältigen kann, wie die täglichen Höhenmeter im Detail verkraftet werden oder wie sich die Akklimatisierung beispielsweise auf 4.000 Metern Höhe anfühlt“, gibt Buller ein Beispiel.

Timo Kohlenberg sagt: „Je komplexer die Reise, desto eher führt der Weg zum Veranstalter.“ 

Dabei kommt auch der Aspekt der Absicherung ins Spiel: Bucht man ein Paket aus mindestens zwei verschiedenen Reiseleistungen, ist es eine Pauschalreise. Klappt dann etwas nicht wie geplant, muss der Veranstalter weiterhelfen. Zum Beispiel, wenn ein Flug annulliert wird, ein Ausflug ausfällt oder es Mängel im Hotel gibt. Zudem besteht über den Sicherungsschein hier eine finanzielle Absicherung des Reisenden, falls der Veranstalter pleitegeht.

Den Service-Vorteil der Pauschalreise nennt auch Jürgen Mamczek. Pauschal heißt bei ihm und den anderen Veranstaltern aber nicht: von der Stange. „Es ist individuell abgestimmt.“

© dpa-infocom, dpa:261008-930-809370/1


Von dpa
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