Nach zwölf Jahren legt Bürgermeister Gerhard Kraft sein Amt in Weihenzell nieder. Seine potenziellen Nachfolger stehen fest. Wolfgang Ringel (CSU) und Volkan Mertkan (ULW) fühlen sich mehr als bereit. Doch auch im Gemeinderat wird es Veränderungen geben. Fünf alteingesessene Mitglieder stehen am 8. März nicht mehr zur Wahl.
Es kommt Bewegung in das Weihenzeller Gremium – anders, als bei der Wahl vor sechs Jahren. Damals bestätigte die Bevölkerung den Rathauschef nur in seinem Amt. Im Jahr 2014 wurde Gerhard Kraft erstmals gemeinsam von der CSU und der Freien Wählergemeinschaft Umland (FWU) nominiert.
Im Gemeinderat von Weihenzell gibt es drei Gruppierungen: die CSU mit aktuell fünf Sitzen, die Unabhängige Liste Weihenzell (ULW) mit ebenfalls fünf Sitzen und die Freie Wählergemeinschaft Umland mit vier Sitzen. Letztere hat als einzige keinen Bürgermeister-Kandidaten nominiert. Mit den alteingesessenen Kolleginnen und Kollegen, die den Gemeinderat verlassen, entstehen Wissenslücken, sagt Wolfgang Ringel, Bürgermeisterkandidat der CSU. Jedoch weiß er: „Davon lebt ja auch ein Gremium, von neuen Köpfen und von neuen Ideen.”
Neue Lösungsansätze will etwa Volkan Mertkan, Kandidat der ULW, mit einfließen lassen. Der 37-jährige Entwicklungsingenieur bringt Erfahrungen aus der Freien Wirtschaft mit. Er ist im Hauptort der Gemeinde Weihenzell aufgewachsen und lebt mit seiner Frau und zwei gemeinsamen Kindern dort. Auch in Vereinen ist seine Familie aktiv. Was in und um Weihenzell passiert, war dem 37-Jährigen schon immer wichtig, sagt er – denn es betrifft ihn selbst. „Hier in Weihenzell, das ist einfach meine Heimat.”
Seit 2019 ist Mertkan Mitglied bei der ULW. Seither nimmt er laut eigenen Aussagen die Strukturen in der Gemeinde bewusster wahr. „Es ist ein Nachteil und ein Vorteil, dass ich nicht im Gemeinderat bin” – 2020 fehlten ihm nur wenige Stimmen, um in das Gremium einzuziehen. In vielen Fällen könne der 37-Jährige nicht beurteilen, ob die Entscheidung des Gremiums gerechtfertigt war oder nicht, so Mertkan.
Wolfgang Ringel (CSU) hingegen wirkt schon seit sechs Jahren mit. Zuvor saß er Anfang der 2000er-Jahre ebenfalls sechs Jahre in Töpen – seinem früheren Wohnort im oberfränkischen Landkreis Hof – im Gemeinderat. Seit 2010 lebt der gelernte Landwirt mit seiner Familie in Weihenzell. Er arbeitet als Beamter am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ansbach. Im vergangenen Jahr wurde er zum CSU-Ortsvorsitzenden gewählt.
Für Ringel sei es schon immer „wichtig und richtig” gewesen, sich im Ort einzubringen, ob im Elternbeirat oder in den örtlichen Sportvereinen. Das sei der optimale Weg, sagt er, um zu wissen, wo der Schuh drückt.
Wenn es um die Belange der Bevölkerung geht, sind sich die beiden Kandidaten in vielerlei Hinsicht einig. Etwa darüber, dass die Feuerwehren mehr unterstützt oder Baulücken geschlossen werden sollen. Es gibt laut den Kandidaten vor allem im Hauptort etwa 20 Grundstücke, die leer stehen. Beispielsweise, weil die Eigentümer sie für ihre Kinder oder Enkel aufheben. Mittlerweile hat die Gemeinde die 3000-Einwohner-Marke geknackt. „Wir sind nach wie vor im Wachstum”, sagt Ringel. Deshalb werde mehr Wohnraum benötigt.
„Was uns ein großes Anliegen ist, ist eine seniorengerechte Wohnanlage”, ergänzt er. Damit wäre nicht nur den Seniorinnen und Senioren geholfen. Sondern es könnten auch Häuser im Ortsinneren für neue Bürgerinnen und Bürger frei werden. Mertkan ist der Ansicht: Es muss eine Lösung her, um Seniorinnen und Senioren das Leben in der Gemeinde zu vereinfachen. Bezüglich seiner Vorstellungen blieb er aber etwas vage. Als gutes Vorbild sprach er das Mehr-Generationen-Wohnprojekt in Langenfeld (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) an.
Alle Generationen sollen in der Gemeinde bedacht werden. Der Ausbau des Kindergartens und das neu gebaute Ärztehaus waren bereits Schritte in die richtige Richtung. Die Verkehrssicherheit im Hauptort ist ein Thema, das Mertkan und Ringel umtreibt. Die Schul- und Kindergartenwege sollen sicherer werden, finden sie.
Aktuell müssen einige Kinder täglich Hauptstraßen überqueren – ohne Zebrastreifen oder Ampel. Außerdem: „Die Entfernungen sind schon sehr weit”, sagt Mertkan. „Man ist schneller in den Nachbarort gelaufen, als in die Neubausiedlung.”
In den nächsten Wochen sind die Gruppierungen unterwegs, um sich der Bevölkerung vorzustellen. Einerseits wollen sie den Menschen erklären, wofür sie stehen, andererseits auch erfahren, was sich ihre Mitmenschen wünschen. Flyer für eine Umfrage der ULW sind bereits in den Briefkästen der Bürgerinnen und Bürger gelandet.