Klimakonzept für Neustadt/Aisch findet viel Lob im Stadtrat | FLZ.de

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Veröffentlicht am 25.11.2025 07:00

Klimakonzept für Neustadt/Aisch findet viel Lob im Stadtrat

Überraschend positiv sehen die im Vorfeld des Neustädter Klimaschutzkonzeptes Befragten solche PV-Freiflächenanlagen. Windräder haben wesentlich geringere Sympathiewerte.  (Foto: René Chlopotowski)
Überraschend positiv sehen die im Vorfeld des Neustädter Klimaschutzkonzeptes Befragten solche PV-Freiflächenanlagen. Windräder haben wesentlich geringere Sympathiewerte. (Foto: René Chlopotowski)
Überraschend positiv sehen die im Vorfeld des Neustädter Klimaschutzkonzeptes Befragten solche PV-Freiflächenanlagen. Windräder haben wesentlich geringere Sympathiewerte. (Foto: René Chlopotowski)

Stolz auf der einen, Ärger auf der anderen Seite: Bürgermeister Klaus Meier äußerte sich in der Stadtratssitzung zunächst hochzufrieden, dass das kommunale Klimaschutzkonzept für Neustadt bereits vorliegt, kritisierte aber auch, dass die Förderung für die Stelle des städtischen Klimaschutzmanagers nicht verlängert wird.

Dieser heißt in Neustadt Florian Witzler und wurde von Meier in den höchsten Tönen gelobt. „Alle Achtung, großes Komplment”, sagte der Bürgermeister, um dann auch seinem Ärger Luft zu machen: Dass die Stelle nun nicht mehr gefördert werde, sei unverständlich und unsinnig. „Im Endeffekt werden wir bestraft, weil wir uns für den Klimaschutz engagieren”, formulierte es Meier etwas überspitzt und erklärte, er habe die Abgeordneten des Landkreises bereits informiert und um Unterstützung gebeten.

Unabhängig davon, ob Florian Witzlers Gehalt zukünftig vielleicht doch wieder von der Bundeseinrichtung „Zukunft-.Umwelt-Gesellschaft” (ZUG) gefördert wird, ob die Stadt ihn alleine bezahlen wird (und kann?), oder ob er sich anderweitig orientieren muss, wird sein 196 Seiten umfassendes Werk im Gedächtnis bleiben. Im Schnelldurchlauf präsentierte Witzler den Ratsmitgliedern nicht nur die Grundlagen und Methodik seiner Arbeit, sondern gab auch spannende Handlungsempfehlungen.

Bevölkerung früh beteiligt

Untersucht worden seien die städtische Energiesituation und die Treibhausgasbilanz, die Energiepotenziale, mögliche Maßnahmen und deren Umsetzung. Die Bevölkerung habe man mit gezielten Abfragen schon in der Anfangsphase mit ins Boot geholt und hochinteressante Antworten erhalten. So spreche sich eine überaus deutliche Mehrheit der Befragten gegen weitere Windräder aus, stehe aber zusätzlichen Freiflächen-PV-Anlagen sehr positiv gegenüber.

Ein eindeutiges Votum sei auch bei der Frage nach dem ÖPNV herausgekommen: 198 von 377 Befragten sahen großen Optimierungsbedarf, 97 Personen machten keine Angaben und nur der kleinste Teil (82) waren zufrieden mit Bus und Bahn.

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Jede Menge spannender Zahlen hatte Witzler auch im weiteren Verlauf vorzuweisen. So sei der Neustädter Energieverbrauch für einen jährlichen Ausstoß von rund 108.000 Tonnen Treibhausgasen verantwortlich. Für den einzelnen Stadtbewohner bedeute dies, dass er für Strom, Wärme und Treibstoff im Schnitt 360 Euro pro Monat aufwendet.

Strom als sauberste Energie der Zukunft

Deutlich wurde in Witzlers Arbeit unter anderem auch, dass es maximaler Anstrengungen bedarf, um die für 2045 angepeilte Klimaneutralität zu schaffen. Eine massive Reduktion des Treibhausgasausstoßes sei dafür notwendig, bei gleichzeitiger Reduzierung des Energieverbrauchs und einer Verdoppelung der Stromproduktion. Grund: Mehr E-Autos und mehr Wärmepumpen seien vorhersehbar – Strom sei die dominierende (und sauberste) Energie der Zukunft.

20 Handlungsempfehlungen hatte Witzler an das Ende seiner Präsentation gestellt – aufgeteilt in vier Blöcke. Demnach sollte die Stadt unter anderem eine klimaneutrale Verwaltung anstreben, die Beschäftigten entsprechend schulen, mehr PV auf den eigenen Dächern installieren (was anschließend auch Günther Leidenberger seitens der Grünen als Sofortmaßnahme anmahnte) und ein Umweltleitbild entwickeln. Der Stadtrat sollte Wärmenetze massiv fördern, Energiespeicher-Lösungen anstreben und den kommunalen Wärmeplan umsetzen.

Darüber hinaus gehe es um die Nutzung künstlicher Intelligenz, um Energiepotenziale bei der Einsparung und in der Produktion zu nutzen, es gelte Kooperationen zwischen Stadt und Gewerbe zu schaffen, das Radwegenetz müsse ausgebaut und der öffentliche Personennahverkehr gefördert werden. Auch Hitzeschutzmaßnahmen seien zu überlegen und bei all dem müsse man immer die Bürgerschaft mit ins Boot holen und tunlichst beteiligen. Auch vor mutmaßlich unpopulären Maßnahmen schreckte Witzler nicht zurück: Seine Empfehlung, die „Automeile” beim Frühlings- und Herbstfest „umzugestalten” dürfte nicht jedem gefallen.

Energiekosten von jährlich 60 Millionen senken

Seitens der Grünen lobte David Muck das „super Konzept”. Neben dem ökologischen Nutzen seien auch die wirtschaftlichen Fakten interessant, denn Energiekosten von jährlich 60 Millionen Euro in der Stadt seien eine bemerkenswerte Marke. „Wir müssen schauen, dass wir da schnell runter kommen”, mahnte Muck eine rasche Umsetzung des Konzeptes an. Die Stadt sei diesbezüglich als „Vorreiter” in der Pflicht.

Für ein leises, erfreutes Raunen im Gremium hatte der umtriebige Klimaschutzmanager schon zu Beginn seiner Präsentation gesorgt. Indem er und Jana Kraus, die Erstellerin der kommunalen Wärmeplanung, gut zusammengearbeitet und Daten ausgetauscht hätten, habe er vom gewährten Budget (35.500 Euro) für die Datenanalyse noch 18.000 Euro übrig. „Die haben wir nicht gebraucht.”


Patrick Lauer
Patrick Lauer
Redakteur
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