Ob in die Jugendherberge aufs Land oder ins Hostel nach Barcelona: Klassenfahrten sind für viele Kinder und Jugendliche ein Highlight der Schulzeit. Finanziell ist das für Eltern nicht immer leicht zu stemmen - doch es gibt Mittel und Wege, damit kein Kind daheim bleiben muss. Fragen und Antworten zu Trends, Fördermöglichkeiten und Spartipps.
Bei den älteren Jahrgängen in große Städte, die Kultur und Abwechslung bieten. Am beliebtesten sei Berlin, sagt Carsten Herold, Vorsitzender des Bundesverbands führender Schulfahrtenveranstalter. Auch Hamburg wird gern angesteuert, ebenso Prag oder Amsterdam oder London. Bei den jüngeren Jahrgängen sind es oft eher näher gelegene Ziele, die auch ländlicher sein dürfen – hier stehen etwa Naturerlebnisse oft im Vordergrund.
Die Stadt an der Costa Brava steht quasi synonym für feiernde Jugendliche und Abifahrten. Im Klassenfahrtenbereich spiele sie aber keine Rolle, sagt Herold. „Die Lehrenden wollen nicht in den Partyurlaub.“ Statt nach Lloret de Mar geht es im Nordosten Spaniens eher nach Barcelona. „Da kann dann Architektur, Kultur und Sprache abgebildet werden und man kann trotzdem das, was bei einer Klassenfahrt auch sehr wichtig ist, reinbringen: Spaß und Erholung.“
Ja. Bevorzugt wird vor den Herbstferien, also im September und Oktober, und vor den Sommerferien, also zwischen Mai und Juli, gereist, so Herold. Zwischen November und April dagegen kann gespart werden – in der Nebensaison sind laut dem Verband viele Klassenfahrten-Pauschalpakete erheblich günstiger.
Ein Preisbeispiel des Verbandes: Eine 5-Tage-Klassenfahrt nach Berlin, Motto „Im Zentrum der Politik“, kostet pro Person im Juli 379 Euro, im Februar 257 Euro – macht eine Ersparnis von 122 Euro (rund 32 Prozent weniger).
Gerade Städteziele sind zu jeder Jahreszeit eine Reise wert. Bei der Hostelkette a&o beobachtet man hier einen Wandel: Klassenfahrten fänden das ganze Jahr über statt. Zwar gebe es weiter Hochsaisonzeiten, doch die Häuser in Städten wie Berlin, München oder Wien seien selbst in der früheren Nebensaison voll, schreibt Marketingchef Phillip Winter auf der Plattform LinkedIn.
Klassenfahrten finden nach Carsten Herolds Worten bevorzugt in der Woche statt – ein Grund dafür sei, dass Lehrkräfte ihre freien Wochenendtage nicht immer gern für Dienstreisen hergeben. Aber: Flüge in Städte wie Barcelona oder London sind Montag und Freitag oft vergleichsweise teuer, weil dann auch viele Geschäftsreisende auf diesen Routen unterwegs sind.
Dann kann es sich lohnen, doch andere Tage in den Blick zu nehmen und beispielsweise von Sonntag bis Donnerstag zu reisen.
Wie für Reisen generell sind auch die Preise für Klassenfahrten gestiegen. „Für viele Eltern stellt das eine finanzielle Herausforderung dar“, sagt Herold.
Doch kein Kind soll in der Schule bleiben müssen, wenn die restliche Klasse auf große Fahrt geht. Eltern mit geringem Einkommen können deshalb Zuschüsse oder die komplette Kostenübernahme beantragen, und zwar in jedem Bundesland – das ist Teil der Bildungs- und Teilhabeleistungen.
Informationen dazu gibt es beispielsweise beim Bundessozialministerium. Die Lehrkräfte kennen sich aber auch oft gut damit aus. Eltern sollten sich nicht scheuen, direkt in der Schule nachzufragen.
Oft gibt es noch mehr Unterstützungsmöglichkeiten - auch für Familien, die keinen Förderanspruch, aber dennoch Probleme damit haben, die Klassenfahrt finanziell zu stemmen.
„Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Schulen über Fördervereine möglich machen wollen, dass alle Kinder mitreisen können“, sagt Herold. „Auch wir Reiseveranstalter bieten Freiplätze an für diejenigen, die es sich nicht leisten können, aber keine Förderungen bekommen, weil sie über den Bemessungsgrenzen liegen.“
Knapp eine Million Schülerinnen und Schüler reisen nach Angaben des Schulfahrtenverbandes jährlich mit einem der neun Mitgliedsunternehmen. Veranstalterreisen haben den Vorteil, dass die Anbieter Anreise, Unterkunft und oft auch das Programm vor Ort eintüten – und dafür gerade stehen, wenn etwas schiefgeht.
Zum Beispiel bei Streiks an Flughäfen, die die Rückreise verhindern: Dann kümmern sie sich um Ersatzflüge und Hotelzimmer, falls eine Zusatzübernachtung nötig wird.
Nach der Coronapandemie sei die Nachfrage bei den Veranstaltern stark gestiegen, weil viele Eltern nach der Absage von geplanten Fahrten auf bereits gezahlten Reisekosten sitzen geblieben seien, berichtet Herold. Auch wenn die Bundesländer teils die Stornokosten für pandemiebedingt abgesagte Fahrten übernommen haben. Reiseveranstalter indes haften dann in der Regel und zahlen das Geld zurück.
Viele Klassenfahrten werden weiterhin individuell von den Lehrkräften organisiert – sie buchen die Unterkunft einzeln, die Hin- und Rückfahrt ebenfalls. Gerade bei Reisen in die nähere Umgebung mit ein, zwei Übernachtungen - insbesondere in der Grundschule - wird das laut Herolds Worten oft gemacht. Bei einer kurzen Anreise mit Zug und Bus sind Probleme oft auch einfacher zu lösen als bei längeren Fernbus- oder Flugreisen.
Bei individuellen Buchungen liegt das Risiko bei den Buchenden. Ist die Anreise etwa aus irgendeinem Grund nicht möglich, könnte die Gruppe dennoch auf den Kosten für die Unterkunft sitzen bleiben. Denn mit der ist ja ein eigener Vertrag geschlossen worden und mit der Anreise hat sie nichts am Hut - entsprechend kann sie auf das Geld oder hohe Stornierungskosten pochen. Bei einer Pauschalreise müsste hier der Veranstalter in die Bresche springen.
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