Schon lange gibt es Kritik an Linienbussen, die fast leer durch den Landkreis Ansbach fahren, während der öffentliche Nahverkehr mit einem Millionendefizit den Haushalt des Landkreises belastet.
Damit soll jetzt Schluss sein, empfahl der ÖPNV-Ausschuss des Kreistags dem Kreisausschuss, der am Montag voraussichtlich darüber beschließen wird. In der Sache waren sich alle Fraktionen einig. Die Freien Wähler (FW) halten den Moment kurz vor Ende der laufenden Wahlperiode allerdings für einen Beschluss mit so weitreichenden Folgen für ungeeignet. Sie beantragten daher im ÖPNV-Ausschuss, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen und erst von den Gremien des neuen Kreistags beschließen zu lassen.
Die übrigen Ausschussmitglieder, einschließlich Landrat Dr. Jürgen Ludwig, wollten darauf jedoch nicht warten und lehnten den FW-Antrag daher ab. Im Vorfeld war die Verwaltung beauftragt worden, nach kurzfristig wirksamen Einsparungsmöglichkeiten beim öffentlichen Nahverkehr zu suchen.
Auf der Grundlage einer Fahrgastzählung im Oktober letzten Jahres wurden 174 Fahrten identifiziert, die im Schnitt von weniger als zwei Fahrgästen genutzt werden. Das entspricht etwa 15 Prozent des Gesamtangebots. Sie sollen, wenn der Kreisausschuss zustimmt, noch in diesem Jahr wegfallen. „Wenn es nachweislich Angebote der öffentlichen Hand gibt, die niemand wahrnimmt, ist es notwendig, darüber nachzudenken, diese Angebote einzustellen”, begründete Ludwig die Sparmaßnahme.
Besonders betroffen sind Fahrten am Wochenende sowie regional im Raum Heilsbronn Nord und Hesselberg-Dinkelsbühl. Die Linien dort waren in der aktuellen Form erst 2024 in Betrieb gegangen und sind nach den Worten des zuständigen Sachgebietsleiters Ulrich Hausner „weniger etabliert”.
Allerdings hat die Sache einen Haken: Im Rahmen der Reaktivierung der Hesselbergbahn von Gunzenhausen bis Wassertrüdingen hat sich der Landkreis gegenüber dem Land Bayern vertraglich verpflichtet, ein umfangreiches Busangebot bereitzustellen. Kürzungen sind daher nur im Einvernehmen mit dem Freistaat möglich. Die Staatsregierung musste aber im Ausschuss auch Kritik dafür einstecken, dass die ÖPNV-Mittel des Landes seit Jahren nicht erhöht wurden.
Insgesamt, so Hausner, liege das Einsparpotenzial bei etwa 765.000 Euro jährlich. Nicht betroffen ist der Schülerverkehr, weil dieser eine Pflichtaufgabe des Landkreises ist.
Komplett folgte die Ausschussmehrheit dem Beschlussvorschlag der Verwaltung nicht. So wird es keinen Automatismus bei künftigen Streichungen geben. Wenn bei Fahrgastzählungen, die nun regelmäßig stattfinden sollen, festgestellt wird, dass eine Linie kaum genutzt wird, muss der Kreisausschuss die Reduzierung beschließen.
Außerdem legen die Kreisräte Wert darauf, dass es nicht nur ein Streichkonzert gibt, sondern auch innovative Angebote wie Bürgerbusse oder Bedarfsangebote vorangetrieben werden. Dagegen werde man sich nicht sperren, betonte Sachgebietsleiter Hausner. Die jetzigen Kürzungen seien „ein Schritt, aber nicht die Lösung”.