Ganz klar, in den Monaten mit „R“ sieht der Westmittelfranke den Karpfen am liebsten auf dem Teller. Doch dass die Fische nicht nur zum Essen schön sind, ist im Alten Schloss in Neustadt im Landkreis Neustadt-Aisch/Bad Windsheim zu sehen. Teil 2 der FLZ-Karpfenserie dreht sich um das Museum, das sich den Fischen widmet.
Immer den Flossen nach – wer dieser Vorgabe von Museumsleiter Jochen Ringer folgt, findet sich schnell zurecht in den Räumen des Karpfenmuseums. Von der Decke hängende Karpfen weisen den Besucherinnen und Besuchern den Weg durch die zehn Räume.
Wer aus Neustadt kommt, weiß, dass hier seit inzwischen 16 Jahren den Karpfen gehuldigt wird. Leute von außerhalb mögen die Angelegenheit etwas skurril finden. So war es zumindest vor fast 20 Jahren, als Carola Kabelitz, Vorsitzende vom Geschichts- und Heimatverein Neustadt/Aisch gemeinsam mit Dr. Wolfgang Mück und Heinz Kühlwein die Idee für das Karpfenmuseum entwickelte. Die Leute haben gelacht und nicht daran geglaubt.
Davon ließen sich die Initiatoren jedoch nicht abschrecken. „Wir wollten den sanften Tourismus in der Region fördern“, denkt Kabelitz zurück. Mitten im Karpfengebiet lebend, schien es den Museumsgründern einfach naheliegend, die Karpfen in den Mittelpunkt zu stellen.
Über 7000 bewirtschaftete Weiher gibt es im Aischgrund, der im Dreieck der Städte Neustadt, Nürnberg und Bamberg liegt. Ein Teil davon ist auf Fotos in der Schau im Museum im Alten Schloss zu sehen. Die Himmelsweiher, Weiherhaufen und -ketten, die nahe bei Ortschaften mit würdigen Namen wie „Gottesgab“ liegen, sind das Zuhause der „Aischgründer Spielkarpfen“. Mit großer Akribie im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts gezüchtet, sind sie seit 2012 sogar als geschützte geografische Angabe (g. g. A.) bei der EU eingetragen.
Warum sollte man diesen besonderen Tieren bitte kein Museum widmen? Ausstellungsgegenstände und Ideen gab es – bedingt durch die unmittelbare Nähe zum Karpfengebiet – von Beginn an. So hat ein Teichwirt seinen alten Entgräter fürs Museum zur Verfügung gestellt, ein Antiquitätenhändler lieferte Geschirr und Fischbesteck. Die Partnergemeinde Hluboka aus Tschechien schickte Stickereien verziert mit Karpfenschuppen. „Wir hatten von Anfang an sehr viel Hilfe“, sagt Carola Kabelitz.
Heute beleuchten verschiedene Räume das Leben und Wirken der Karpfen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Im Bereich „Teichwirtschaft im Jahreskreislauf“ etwa erfahren die Besucher, dass die Teichwirte jetzt im Herbst ordentlich zu tun haben. In der Region überwiegend im Nebenerwerb tätig, sind sie mit dem Abfischen und der Vermarktung der „Ernte“ ausgelastet. Auch welche Rolle dabei der Weihermönch spielt, und wie sich die Gerätschaften zur Teichpflege von heute und damals unterscheiden, erfährt man.
Ein weiteres Zimmer beschäftigt sich mit Karpfenweihern als Lebensraum nicht nur für Fische, sondern auch für Amphibien, Insekten und Fressfeinde. Auch Karpfen in der Kunst spielen eine Rolle. Die Geschichten rund um das hochrückige und schuppenarme Tier interessieren inzwischen viele. Waren es in den Anfangsjahren immer mal wieder eine Handvoll, die am Wochenende vorbeischauten, kamen zuletzt bis zu 6000 Besucherinnen und Besucher im Jahr.
Dass die Karpfen, ihre Geschichte im Aischgrund und ihr Leben darüber hinaus ein Museum benötigen, davon sind die Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins Neustadt/Aisch überzeugt. Auf ihre Initiative hin wurde das Karpfenmuseum gegründet. 2008 wurde es eröffnet, im Jahr 2011 nochmals um weitere Räume erweitert. Die Mitarbeitenden des Vereins unterstützten das Museum bis heute, unter anderem mit Führungen durch die Ausstellung und an Weihern.