Reiner Hufnagel (FWG) will Bürgermeister in Obernzenn bleiben, Johannes Weiß (CSU) will Bürgermeister werden. Eine Podiumsdiskussion hätte eine Entscheidungshilfe für die Wählerinnen und Wähler sein können, glaubt die Liste Land. Hufnagel hat die Einladung jedoch abgelehnt – weil ein prominenter CSU-Politiker beteiligt ist.
Den nennt Hufnagel zwar nicht namentlich. Es ist aber äußerst wahrscheinlich, dass er sich auf Altlandrat Helmut Weiß bezieht.
Zunächst erhielt die Liste Land Hufnagels Absage, mit der Begründung, der Veranstalter sei nicht neutral. Auf Nachfrage teilte der Bürgermeister unserer Redaktion mit, ihm sei die ganze Angelegenheit „etwas merkwürdig“ erschienen: „Offiziell wurde ich von Listenführerin Manuela Geißendörfer im Namen der Liste Land eingeladen und hatte den Eindruck, dass die ganze Idee von ihr stammt.“ Dann habe sich aber herausgestellt, dass ein „Parteifunktionär der CSU das Ganze maßgeblich organisiert“ habe. Wie er sich erinnert, sei dieser CSU-Funktionär im Wahlkampf 2020 dadurch aufgefallen, dass er eine FWG-Wahlversammlung in Urphertshofen „gewaltig aufgemischt“ habe.
Davon abgesehen habe Hufnagel selbst noch zehn eigene Vorstellungsrunden geplant, bei denen sich auch die Kandidatinnen und Kandidaten für den Gemeinderat präsentieren könnten. „Irgendwann habe ich dann ein Zeitproblem.“
Manuela Geißendörfer bestätigt, dass Altlandrat Weiß die Veranstaltung mitinitiiert hat. Dieser habe auch die Moderatorin eingeladen. In Urphertshofen war Geißendörfer vor sechs Jahren nicht dabei. Ein Besucher der Veranstaltung erinnert sich jedoch noch, von „gewaltig aufgemischt“ möchte dieser aber nicht sprechen. Helmut Weiß, damals noch Landrat, habe sich aber tatsächlich mehrfach entschieden zu Wort gemeldet.
Die Liste Land und die Christsozialen stehen sich traditionell nahe und unterstützen auch in diesem Wahlkampf den CSU-Kandidaten Johannes Weiß. Trotzdem habe man sich große Mühe gegeben, bei der geplanten Podiumsdiskussion gleiche Bedingungen für beide Kandidaten zu gewährleisten, teilt Geißendörfer mit. Durch den Abend führen sollte die Geschäftsführerin des Bundes der Selbstständigen, Andrea Rübenach.
Diese hatte bereits vor zwölf Jahren eine Podiumsdiskussion in Obernzenn moderiert, zu welcher seinerzeit der Gewerbeverein eingeladen hatte. Die kompetente und neutrale Gesprächsführung Rübenachs habe einen positiven Eindruck hinterlassen, so Geißendörfer. Daher sei die Wahl erneut auf sie gefallen.
„Öffentliche Podiumsdiskussionen gehören aus unserer Sicht zu den zentralen Elementen eines fairen und transparenten demokratischen Wettbewerbs, insbesondere im Vorfeld einer Bürgermeisterwahl.“ Die Einladung sei daher im Interesse der Öffentlichkeit und des demokratischen Dialogs erfolgt. „Viele Bürgerinnen und Bürger hätten sich eine öffentliche Podiumsdiskussion ausdrücklich gewünscht“, teilt Geißendörfer mit. Als Ort habe man daher die Zenngrundhalle ausgewählt. Die Absage bedauere man ausdrücklich.
Wie der CSU-Kandidat Johannes Weiß informiert, habe er die Einladung der Liste Land ebenfalls erhalten und sofort zugesagt. Dass die Veranstaltung nicht zustande komme, bedauere er sehr. „Ich hätte sehr gern teilgenommen, schließlich ist dies eine gute Gelegenheit für beide Kandidaten, die Unterschiede ihrer jeweiligen Positionen herauszuarbeiten.“ Er persönlich sei ein Verfechter der Strategie, den Bürgerinnen und Bürgern im Wahlkampf möglichst viele Informationsangebote zu machen. Das gehöre seiner Ansicht nach zur Demokratie dazu. „Ich kann mir vorstellen, dass die Podiumsdiskussion großen Zuspruch aus der Bevölkerung erfahren hätte. Viele hätten sich sicher gefreut, die Bewerber im direkten Vergleich zu erleben.“
Die Bedenken Hufnagels bezüglich der Neutralität des Diskussionsformats unter der Leitung von Andrea Rübenach teile er nicht. „Soweit ich weiß, moderiert Frau Rübenach überall in der Region ähnliche Veranstaltungen, gilt als unparteiisch, neutral und sehr professionell.“
Ob doch noch ein „Kräftemessen“ der Kandidaten vor großem Publikum stattfinden wird, ist aktuell unklar. Hufnagel hat mitgeteilt, wegen einer „eventuellen Podiumsdiskussion mit einem anderen Veranstalter noch Gespräche zu führen“. Allerdings ist der Annahmeschluss des letzten noch vor der Wahl erscheinenden Mitteilungsblatts am 2. Februar verstrichen. Es müsste also deutlich aufwändiger per Flugblatt und Plakat eingeladen werden.
Zu einem moderierten Aufeinandertreffen kommt es zwar voraussichtlich noch – allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit, in einer Einrichtung des Sozialträgers „Diakoneo”. Dies verrät Johannes Weiß. Dabei wollen sich die Kandidaten den Bewohnerinnen und Bewohnern vorstellen. Offiziell bekanntgegeben wird der Termin nicht, externe Besucherinnen und Besucher seien nicht vorgesehen.