Zwei Fußballmannschaften, die in den letzten Sekunden verzweifelt versuchen, ein Eigentor zu schießen, damit hätten zwei Teams aus Mittelfranken sehr berühmt werden können. Diese kuriose Situation ergab sich in der Relegation zur Bezirksliga.
„Das ist für mich das i-Tüpfelchen auf der ganzen Geschichte“, sagt Thore Beck, Abteilungsleiter des FC Dombühl, „das ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten“.
Der Kreisliga-Vizemeister war in der Bezirksliga-Relegation an Türkspor Nürnberg gescheitert und schon um dieses Spiel hatte es erheblichen Ärger wegen der Ansetzung gegeben.
Die ganze Bezirksliga-Relegation mit einem komplizierten, selbst für langjährige Funktionäre nur schwer zu verstehenden Modus hatte von Anfang an unter keinem guten Stern gestanden. Das letzte Spiel nun war die Krönung.
„Man fragt sich, welche Leute an der Spitze da am Werk sind. Da werden einfach Sachen beschlossen, fernab jeder Realität, die keiner der beteiligten Vereine gut findet“, so Beck. Er hätte kein Problem damit gehabt, in so einer Situation kurz vor Schluss ein Eigentor zu schießen. Es hätte aber schon sehr gut getimt sein müssen. Denn vom Anstoß weg hätte der Gegner mit einem Eigentor zum Ausgleich wieder den Vorteil auf seine Seite ziehen können. Kurios.
Die große FIFA selbst ist ja nicht zimperlich und hebelt schon mal den Wettbewerbsgedanken aus, etwa um aus finanziellen Gründen den Verein des kultisch verehrten Messi auch ohne sportliche Qualifikation zur Klub-WM zu schaffen. Aber selbst wenn dereinst die Länder-WM mit 92 Mannschaften drei Monate lang auf vier Kontinenten ausgespielt wird, kann man sich doch einigermaßen sicher sein, dass der Sieger immer besser dasteht als der Verlierer.
Dank Bezirksspieleiter Felix Böck gilt dieses Prinzip in Mittelfranken nicht mehr unumschränkt.
Teil zwei der Bezirksligarelegation sah den Gruppenmodus mit drei Mannschaften vor, aus denen zwei Aufsteiger ermittelt wurden. Im abschließenden Spiel zwischen Türkspor und der DJK Göggelsbuch wurde der zweite Aufsteiger nach dem SV Tennenlohe gesucht.
Göggelsbuch musste mit zwei Toren Unterschied gewinnen, um aufzusteigen, den Türken hätte ein Sieg genügt. Nach 90 Minuten stand es 1:1 und damit begannen die Probleme. Selbst bei einer 1:2-Niederlage wären die Türken über das Torverhältnis aufgestiegen.
Also: Schnell ein Eigentor schießen und darauf hoffen, dass der Gegner nicht auf die gleiche Idee kommt? Weil die Relegationsbestimmungen diesmal ein Unentschieden ausschlossen, ging es in die Verlängerung. Göggelsbuch gelangen noch zwei Tore zum 3:1-Sieg.
Der Gruppenmodus in der Relegation hatte schon in der Regionalliga nicht funktioniert, insofern verwunderte es die Beobachter, dass er nun im Bezirk wieder ausgepackt wurde.
„Der Dreiermodus ist immer schwierig. Aber wie das jetzt gelaufen ist, ist äußerst unglücklich“, findet Thomas Raßbach, der Vorsitzendes des Kreises Nürnberg/Frankenhöhe, der ein weiteres Mal deutliche Kritik am Vorgehen der Bezirksfunktionäre übt.
„Der diesjährige Relegationsmodus ist – mit allem gebotenen Respekt – ein sportlicher und organisatorischer Offenbarungseid“, heißt es in einem Statement von Türkspor.
Die misslungene Relegation ist Thema bei einer Tagung der Funktionäre am Abend. Möglicherweise versucht man die Gemüter zu beruhigen, indem man Türkspor per Beschluss auch noch aufsteigen lässt.