In Wilhermsdorf sind Denkmalschutz und Sonnenstrom kein Widerspruch | FLZ.de

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Veröffentlicht am 03.09.2025 12:50

In Wilhermsdorf sind Denkmalschutz und Sonnenstrom kein Widerspruch

Jürgen Strauß vor dem rötlichen Brauhausdach mit PV-Anlagen. (Foto: Heinz Wraneschitz)
Jürgen Strauß vor dem rötlichen Brauhausdach mit PV-Anlagen. (Foto: Heinz Wraneschitz)
Jürgen Strauß vor dem rötlichen Brauhausdach mit PV-Anlagen. (Foto: Heinz Wraneschitz)

Dass unter dem ehemaligen Brauhaus Wilhermsdorf verwirrende Gänge existieren, darüber ist bereits ausführlich berichtet worden. Doch auch das Innenleben des denkmalgeschützten Gebäudekomplexes an der Ansbacher Straße hat es in sich. Vor allem, weil der Besitzer ein interessantes Energiekonzept umgesetzt hat.

1992 hat die Windsheimer Bürgerbräu die Bierherstellung an der 1669 gegründeten Ortsbrauerei beendet. Inzwischen trainieren sich im Fitnessstudio in der einstigen Abfüllerei Menschen Muskeln an und Pfunde ab; im Gebäude des 1998 entstandenen Landgasthofes wurden zuletzt 14 Wohnungen errichtet. Dessen Gaststätte hat aber weiter ihre einstige Funktion: Seit einigen Monaten gibt es dort „Deutsch-amerikanische Küche: frisch, regional, schmackhaft“, so die Werbung.

Bürgerbräu-Besitzer Jürgen Strauß hat aber nicht nur das Grundkonzept des einstigen Wilhermsdorfer Brauhauses auf den Kopf gestellt, sondern auch die Energieversorgung auf völlig neue Füße. Dass Strauß auf Nachhaltigkeit setzt, stellt er schon länger in Bad Windsheim unter Beweis: Das dortige Brauhaus-Areal wird über eine Energiezentrale mit Strom und Wärme versorgt; Blockheizkraftwerk, Photovoltaik und Wärmepumpen arbeiten dort seit 2014 effektiv zusammen, wie er berichtet.

Komplexes System im verwinkelten Altbau

In Wilhermsdorf wurde Strauß` energetische Handschrift erstmals deutlich sichtbar, als vor einigen Jahren eine Photovoltaik-Anlage (PV) auf das Dach des Fitnessstudios gesetzt wurde. Dieses spät errichtete Bauwerk steht aber auch nicht unter Denkmalschutz.

Anders als das Hauptgebäude. Wie schwierig es war, dort die notwendigen neuen Leitungen für Strom, Wärme, Kommunikation unterzubekommen, vor allem aber Wärmespeicher, Verteilungen und andere Technik, sieht man erst, wer mit Jürgen Strauß eine Wanderung durch den verwinkelten Altbau unternimmt.

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PV-Module mussten der Dachfarbe angepasst werden

Die kaum hörbare Wärmepumpe steht dagegen hinterm Haus und fällt nur auf, wenn man bewusst hinsieht. Deutlich sichtbar dagegen ist das, was auf dem Süddach liegt – die Solarmodule nämlich. Wobei: so deutlich auch wieder nicht. Denn hier hat der Denkmalschutz eine klare Vorgabe gemacht: Die Stromerzeugung muss an die Dachfarbe angepasst werden, also rötlich sein.

Die für die Kommune tätige Sanierungsberaterin Brigitte Sesselmann sieht das Ergebnis bis heute „sehr kritisch. Doch die Denkmalbehörde in München ist eingeknickt“, sagte sie uns vor einigen Wochen und ergänzte: „Ich kann bei anderen jetzt nicht mehr sagen, das geht nicht: Jetzt haben wir einen Präzedenzfall.“

Sorgsamer Umgang mit ortsbildprägendem Gebäude

Bürgermeister Uwe Emmert (CSU) dagegen findet „es gut, dass es nach längeren Verhandlungen einen Kompromiss gibt, der sowohl die Gestaltung des Denkmals als auch die Nutzung von erneuerbaren Energien bei einem Gebäude mit so hohem Eigenstrombedarf berücksichtigt. Mein Dank gilt allen Beteiligten, besonders dem Besitzer, beim sorgsamen Umgang mit diesem ortsbildprägenden Gebäude.“

Natürlich ist auch Jürgen Strauß froh, dass die Installation möglich war – trotz der erheblich höheren Kosten für die roten Module. Und nach viel Zeitbedarf: Seit 2022 sei er damit beschäftigt gewesen, die Denkmalschutzbehörden vom damals gesetzlich fixierten Vorrang für erneuerbare Energien zu überzeugen.

Puffer, Wärmepumpe und Blockheizkraftwerk

Aber inzwischen wirke alles zusammen. Gut 100.000 kWh Strom seien für die Wohnungen und das (Gast-)Gewerbe notwendig. Schon in diesem Sommer wurde der Bedarf tagsüber aus der PV-Anlage gedeckt, Überschüsse teilweise in einem Speicher für die Nächte gepuffert. Notwendige Wärme hat die Wärmepumpe mit Solarstrom erzeugt. Und im Winter werde das – wie er zugibt mit Erdgas betriebene – Blockheizkraftwerk möglichst den notwendigen Restbedarf an Strom und Wärme decken. Eventuell müsse noch Ökostrom zugekauft werden. „Bis jetzt aber war das BHKW seit dem Umbau nicht in Betrieb“, betont Strauß noch Anfang September.

Kürzlich wurde in Wilhermsdorf eine weitere PV-Anlage recht gut an ein Gebäude angepasst, von dem man meinen könnte, es stehe ebenfalls unter Denkmalschutz: Das Dach des alten Bahnhofs – von der Staatsstraße aus deutlich sichtbar. Doch für dieses inzwischen als Eisdiele genutzte Bauwerk – wohl aus dem Jahr 1895 – „sind dem BLfD bisher keine entsprechenden Informationen zugegangen, weshalb eine denkmalfachliche Prüfung bislang nicht erfolgt ist“, heißt es dazu auf Nachfrage von der Oberen Denkmalschutzbehörde aus München.


Von HEINZ WRANESCHITZ
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