Immer weiter: Gehfußball ist ein Spiel für jedes Alter | FLZ.de

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Veröffentlicht am 02.12.2025 14:59

Immer weiter: Gehfußball ist ein Spiel für jedes Alter

Sieht gemächlich aus, kann aber durchaus anstrengend sein: Gehfußball. Beim TV Markt Weiltingen geht man schon in die zweite Wintersaison. (Foto: Bastian Lauer)
Sieht gemächlich aus, kann aber durchaus anstrengend sein: Gehfußball. Beim TV Markt Weiltingen geht man schon in die zweite Wintersaison. (Foto: Bastian Lauer)
Sieht gemächlich aus, kann aber durchaus anstrengend sein: Gehfußball. Beim TV Markt Weiltingen geht man schon in die zweite Wintersaison. (Foto: Bastian Lauer)

Viele Burschen, die das erste Mal gegen einen Fußball treten, kommen davon nie mehr los. Wenn sie älter werden, quält es sie, dass sie nicht mehr so laufen und Zweikämpfe führen können wie zu besten Zeiten. Es gibt Abhilfe: Gehfußball. Der TV Markt Weiltingen bietet das an. Zeit für einen Feldversuch des FLZ-Sportredakteurs.

Donnerstagabend. Ganz im Süden des Landkreises Ansbach ist in der Halle des TV Markt Weiltingen einiges los. Draußen ist es winterlich kalt. Drinnen unterm vereinseigenen Hallendach schwitzen Frauen beim Training im Gymnastikraum. Nebendran im Fußballkäfig mit Kunstrasenplatz, Rundumbande und Netz läuft das Aufwärmen.

So mancher Schritt der Herren – fast alle über 50 Jahre alt – wirkt unrund. Die alten Knie halt. Aber der Ball läuft und alle grinsen. Die Vorfreude ist greifbar. Ein Stündchen kicken. Ohne Druck sowieso, aber vor allem ohne Bedenken, dass gleich irgendeiner über die Kunstfasern grätscht.

So kam es zum Besuch in Weiltingen

Gehfußball ist eine Variante des weltweit beliebten Spiels, die sich langsam, aber stetig verbreitet. In Deutschland gehen die Fußballer vor allem in den größeren Städten. Beim Dorfverein TV Markt Weiltingen haben die Alt-Herren-Kicker aber auch Gefallen daran gefunden. Sportvorstand Dieter Schuster hat per Mail einfach mal einen Flyer an die FLZ-Sportredaktion geschickt, um auf das Angebot aufmerksam zu machen. Da die Kollegen zwar alle schon davon gehört hatten, aber keinen Verein in Westmittelfranken kannten, der tatsächlich Gehfußball spielt, war klar: Da schauen wir mal vorbei.

Denn das ist einer der Grundsätze im ziemlich überschaubaren Regelwerk: leichter Körperkontakt ja, aber Zweikämpfe – verboten. Ansonsten gilt: Gehfußball ist ein Flachpassspiel, fliegt der Ball über Hüfthöhe, gibt es Freistoß. Torhüter gibt es nicht, ein abgesteckter Torraum ist Tabuzone. Und das Wichtigste ist natürlich, dass niemand laufen darf.

„Walking Football” wurde 2011 in England erfunden

Entwickelt wurde das Spiel 2011 in England. Wo sonst. Beim „Walking Football” geht es darum, Spielern über 50 eine Möglichkeit zu bieten, ihrer Leidenschaft trotz der Spuren, die der Fußball häufig an den Körpern hinterlassen hat, nachzugehen. Prinzipiell kann aber jeder mitspielen, Mann, Frau, egal welches Alter. Denn im Endeffekt ist jeder gleich schnell auf dem Feld unterwegs. Wichtig sind technische Fertigkeiten.

Gespielt wird normal fünf gegen fünf. Die Tore sollten zwei bis drei Meter breit sein, das Feld etwa 40 mal 20 Meter groß. Zufällig hat das Feld in der Weiltinger Halle ziemlich genau diese Maße.

Der Trainingsgast, der seit 35 Jahren Fußball spielt, seit zehn Jahren bei den Alten Herren, schaut sich das erst einmal von draußen an. Bevor er das erste Mal in den Käfig geht, gibt ihm Dieter Schuster, Vorstand Sport beim TV Markt Weiltingen, noch mit auf den Weg: „Du wirst sofort merken, dass du die ganze Zeit laufen willst. Aber da wird natürlich sofort unterbrochen.”

Was ist schnelles Gehen und was ist Laufen?

Es sind noch zwei andere, etwas jüngere Fußballer dabei, vielleicht Mitte 30 bis Anfang 40, die ihre ersten Gehversuche machen. Am Ball läuft alles rund. Die Pässe sind scharf und zielgenau. Aber sonst weiß man erstmal kaum, wie man einen Fuß vor den anderen setzen soll. Bald hallt es durch die Halle: „Was ist eigentlich schnelles Gehen?” Und wo fängt Laufen an? Das ist besonders witzig, wenn das Kommando kommt: „Los, wir schieben vorne voll drauf!”

Die Weiltinger suchen den FLZ-Redakteur regelrecht, ständig spielen sie ihm den Ball zu. Er soll zeigen, was er kann. Ein Tor erzielt er auch gleich, aber nach sieben Minuten brennen die Waden. Diese Belastung sind die Fußballerbeine nicht gewohnt. Auswechseln. Zum Glück sind diesmal 15 Leute da und der nächste kann gleich aufs Feld rennen – gehen.

Ständig in Bewegung bleiben

Gehfußball ist ein ungewohnter Mix aus Körperbeherrschung und Kopfsache. Der Fußballer muss ständig bremsen. Sein Instinkt sagt: dem Gegenspieler hinterher. Doch im Hinterkopf sitzt der Engländer, der sich diese Regeln ausgedacht hat, und hält ihn am Trikot fest.

Man muss sich darauf einlassen und man muss verstehen, dass man ständig in Bewegung sein muss, weiß Schuster. Recht hat er. Der Ball ist bekanntlich der schnellste Spieler und hat auch die meiste Ausdauer. Da beim Gehfußball alle im relativ langsamen Tempo und nahezu gleich schnell unterwegs sind, gilt das noch viel mehr. Lässt man zwei Schritte aus, hat man schon verloren. Für clevere Gegenspieler reicht das, um sich genügend Raum zu schaffen für ein platziertes Zuspiel. Und ist der Gegner weg, ist er nicht mehr einzuholen.

Irgendwann melden sich die alten Leiden

Hat man das verinnerlicht, ist man irgendwann froh um ein Päuschen. Das sehen auch die Kollegen bei der nächsten Auswechslung. „Und? Ist anstrengend, oder?” Ja. Vor allem wird verständlich, dass die Weiltinger nicht viel länger als eine Stunde spielen wollen. Das bringt einige schon an die Grenzen, es melden sich natürlich auch die alten Leiden irgendwann. Knie, Sprunggelenke, Rücken.

Insgesamt ist Gehfußball eine ziemlich spaßige Beschäftigung. Vielleicht liegt es auch an der gut gelaunten, lockeren Weiltinger Truppe. Auf jeden Fall vergeht die Zeit wie im Flug und das Gelächter ist groß. Wenn wieder einer aus fünf Metern nur den Torpfosten trifft. Oder wenn einer sinnloserweise seinen Mitspieler am Flügel steil schickt und dann zwei einst sicher sehr laufstarke Fußballer im Gänsemarsch dem Ball Richtung Bande hinterherwatscheln.

„Für uns ist Gehfußball das beste, was wir mal probieren konnten”, sagt Dieter Schuster. Eine Alt-Herren-Mannschaft, die nach normalen Regeln spielt, ging schon ein paar Jahre nicht mehr im Verein zusammen. Aber die Leute mit ihren Wehwehchen sind noch da. Und: einmal Fußballer, immer Fußballer.

Beste Bedingungen in der neuen Halle

Gehfußball fand schnell Anklang und nun geht der TVW schon in den zweiten Winter. Die 2023 fertigstellte Halle sei geradezu perfekt dafür geeignet, findet der Sportvorstand. Das sogar prämierte Hallenprojekt wurde natürlich gerade von den Älteren im Verein federführend mit umgesetzt. „Da ist es doch ganz sinnvoll, dass wir die Halle nun auch nutzen”, scherzt Schuster.

Von Oktober bis April trainieren die Weiltinger jeden Donnerstag um 19.30 Uhr in ihrer Halle. Das Training ist fast immer gut besucht. Als nächsten Schritt würde er gerne mal einen freundschaftlichen Vergleich mit einem anderen Verein organisieren. „Mich würde mal interessieren, wo wir stehen, wie gut wir sind.” Ganz nach dem Credo im Gehfußball – immer mit der Ruhe – hat er deshalb auch dankend die Einladung zur Bayerischen Meisterschaft abgelehnt, die schon ins Haus flatterte. „Da sieht man mal, wie wenig Vereine Gehfußball betreiben. Eigentlich schade”, findet Schuster. Er hofft, dass es schnell mehr werden.

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