Das Geld steht zur Verfügung, ab September geht es weiter am künftigen Schöpfwerk neben der Altmühl in Stegbruck. Damit widersprach Projektleiterin Anna Reichl vom Wasserwirtschaftsamt bei einer Baustellenbegehung in Herriedens Ortsteil jetzt ausdrücklich anders lautenden Gerüchten, weil die Arbeiten seit Ende Juli ruhen.
Zuvor hatte Reichl den etwa 20 Interessierten – unter ihnen einige Stadtratsmitglieder – die Funktionsweise des künftigen Schöpfwerks erklärt, das sie als Herzstück des Hochwasserschutzes bezeichnete. Demnach soll bei hohen Pegelständen der Altmühl und Starkregenereignissen eine unterirdische Pumpenkammer die Fluten aufnehmen, die von einem Deich um Stegbruck herum geleitet werden beziehungsweise direkt aus dem Dorf kommen.
Dazu erzählte die Projektleiterin, dass die Arbeiter zur Gründung des Schöpfwerks 72 Betonpfähle mit einer Länge von jeweils neun Metern in Bohrlöchern gegossen und die Zwischenräume mit Beton verfüllt haben. In dem Bauwerk, das in seinem Inneren 6,6 mal 5,5 Meter in Länge und Breite misst sowie 4,5 Meter tief ist, werden Pumpen mit einer maximalen Schöpfleistung von bis zu 900 Litern pro Sekunde installiert.
Sie sollen das Wasser dann durch ein Betonrohr mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern in die Altmühl befördern. Indes werden Rückschlagklappen verhindern, dass Wasser aus dem Fluss in der Gegenrichtung in die Pumpenkammer gelangt.
Über der Pumpenkammer ist – leicht versetzt – ein Haus mit einer Lärchenholz-Fassade geplant. Darin sollen die elektronische Steuerungstechnik sowie ein Notstromaggregat für den Fall der Fälle Platz finden. Daran angebaut wird ein Schuppen als Lager für eine mobile Pumpe sowie weitere Ausrüstungsteile. Die Fläche vor den Gebäuden wird für Fahrzeuge zugänglich und zugleich ansprechend mit Grünflächen gestaltet. Eine bestehende Hecke neben dem Areal bleibt erhalten.
Das System sei für die Fluten eines angenommenen 100-jährlichen Hochwassers plus 15 Prozent angesichts der Klimaentwicklung ausgelegt, sagte die Projektleiterin. Es funktioniere vollautomatisch, könne aber auch per Hand bedient werden. Ein Totalausfall sei höchst unwahrscheinlich. Sollte dieser dennoch eintreten, kämen das Notstromaggregat und die mobile Pumpe zum Einsatz.
Der Bau des Schöpfwerks kostet laut Reichl rund eine Million Euro. Dazu kommen etwa 200.000 Euro für die technische Ausstattung. Die Gesamtinvestition für den Hochwasserschutz bei Stegbruck bezifferte die Projektleiterin mit drei Millionen Euro zuzüglich 600.000 Euro für die Planung. Die Arbeiten sollten bis Jahresende oder Anfang des kommenden Jahres abgeschlossen sein.
Mit Blick auf den Stillstand auf der Baustelle in den zurückliegenden Wochen berichtete dritter Bürgermeister Johann Heller von zahlreichen Anrufen im Rathaus: Besorgte Bürger vermuteten angebliche Engpässe bei der Finanzierung als Ursache dafür, dass die Arbeiten an der Pumpanlage, die ein wesentlicher Bestandteil des Hochwasserschutzes in Stegbruck ist, ruhen.
Die Gründe sind nach Aussage von Projektleiterin Reichl jedoch andere: Die bei der beauftragten Firma Verantwortlichen seien frei bei der Auswahl der Pumpen. Weil sie sich für ein anderes Modell als das zunächst ins Auge gefasste entschieden hätten, sei hinsichtlich der Wasserbautechnik eine gewisse Anpassung der Pläne nötig geworden. Es gebe aber keinen „monatelangen Verzug“.
Davon abgesehen hätten die Arbeiter der beauftragten Firma noch einige für später geplante Aufgaben vorgezogen, damit es mit dem Hochwasserschutz in Stegbruck dennoch vorangeht. Allerdings sei dies nur in einem gewissen Umfang möglich gewesen. Dazu komme die momentane Urlaubszeit.
Befragt nach dem Zeitplan für den Hochwasserschutz bei Leutenbuch, der auf die Arbeiten in Stegbruck folgen soll, sprach Reichl von einem Anfang der Planungen. Bis diese umgesetzt würden, dauere es aber. Einen Baubeginn schon im kommenden Jahr schloss sie aus.
Weil die Altmühl zwischen Neunstetten und Velden immer weiter zuwachse und das Wasser deshalb verlangsamt abfließe, appellierte Herriedens dritter Bürgermeister Johann Heller beim Baustellengespräch in Stegbruck, das Gewässer zu entlanden. Weil das im gesamten Stadtgebiet aber nicht in einem Zug möglich sei, bat er darum, zumindest abschnittsweise entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Darauf erwiderte Anna Reichl vom Wasserwirtschaftsamt Ansbach, für Eingriffe dieser Art stehe nur „ein begrenzter Topf“ zur Verfügung. Davon abgesehen seien „Entlandungsmaßnahmen nicht mehr so einfach wie früher“: Unter anderem müsse das Aushubmaterial komplett beprobt werden.