„Hesselberger” und BN im Kreis Ansbach fragen sich: Wohin mit dem Streuobst 2025? | FLZ.de

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Veröffentlicht am 22.08.2025 18:00

„Hesselberger” und BN im Kreis Ansbach fragen sich: Wohin mit dem Streuobst 2025?

Der Herbst verspricht eine üppige Obsternte in Westmittelfranken. Allerdings gestaltet sich die Verwertung in diesem Jahr deutlich schwieriger als sonst. (Foto: Silvia Schäfer)
Der Herbst verspricht eine üppige Obsternte in Westmittelfranken. Allerdings gestaltet sich die Verwertung in diesem Jahr deutlich schwieriger als sonst. (Foto: Silvia Schäfer)
Der Herbst verspricht eine üppige Obsternte in Westmittelfranken. Allerdings gestaltet sich die Verwertung in diesem Jahr deutlich schwieriger als sonst. (Foto: Silvia Schäfer)

Von der Insolvenz des Unternehmens Hohenloher Fruchtsäfte in Schwäbisch Hall sind die BN-Kreisgruppe Ansbach und die regionale Initiative „Hesselberger” aus Wittelshofen betroffen. Ihnen bricht ein Obstverwerter weg, der zum Erhalt und zur Förderung der Streuobstbestände beigetragen hat.

Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz führt wegen der Insolvenz des Abnehmers in diesem Herbst keine Streuobst-Annahme durch. Betroffen sind alle Streuobst-Sammelstellen: in Gailroth (Gemeinde Schnelldorf), Unternbibert (Gemeinde Rügland) sowie im Steinbruch Bettenfeld bei Rothenburg. Jedes Jahr zur Erntezeit wurden die Sammlungen aus naturbelassenen Streuobstbeständen organisiert, um in Kooperation mit der Initiative „Grünspecht“ Saft daraus zu machen.

Das Aufpreismodell war ein Anreiz

Mit dem Grünspecht-Aufpreismodell des 1992 gegründeten gemeinnützigen Vereins „Förderkreis regionaler Streuobstbau Hohenlohe-Franken“ (FÖS) wurde den Besitzern von Obstbäumen eine Perspektive zur Vermarktung ihrer ungespritzten Äpfel und Birnen geboten. Den Streuobst-Pflegebeitrag von 4,60 Euro pro Doppelzentner bezahlte die Mosterei Hohenloher Fruchtsäfte aus Schwäbisch Hall, mit der der BN über viele Jahre zusammenarbeitete, zusätzlich zum Tagespreis für ungespritzte Äpfel und Birnen. 

Der Vorstand des BN hofft, die Streuobstsammlung nächstes Jahr wieder anbieten zu können, damit die Weiternutzung und Neuanlage von langlebigen Streuobstbeständen „interessant bleibt”. Da in diesem Jahr eine reiche Apfel- und Birnen-Ernte zu erwarten ist, lautet der Appell an die Obstbesitzer, die Streuobstwiesen nicht brach liegen zu lassen, sondern das gesammelte Obst zur Verwertung in die nächstgelegenen Mostereien zu bringen.

Auch „Hesselberger“ von der Firma Allfra („alles aus Franken“ Regionalmarkt Franken GmbH) ist von der Insolvenz betroffen. „Wir wussten schon länger von Schwierigkeiten der Mosterei”, sagt Norbert Metz, Mitgeschäftsführer, gegenüber der FLZ. Die Regionalmarkt GmbH wird seit 2011 von ihm und Jutta Grießer geführt.

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Angeschoben wurde die Gründung durch den Landschaftspflegeverband Mittelfranken, der ebenfalls Gesellschafter ist. Bei dem Zusammenschluss handelt es sich um Landwirte, Bürgermeister, Gastronomen, Obstwiesenbesitzer, Vertreter von Obst- und Gartenbauvereinen und selbstständige Unternehmer sowie öffentliche Einrichtungen aus der Region Hesselberg.

Der „Hesselberger” verdankt dem Betrieb aus Schwäbisch Hall viel

40 verschiedene Produkte aus regionaltypischem Streuobst hat „Hesselberger” im Portfolio: Säfte, Schorle, Saftlimonaden, Moste, Brände, Seccos, Apfel- und Birnencider und Honig. Für die klare Herkunft aus unbehandelten Streuobstwiesen rund um den Hesselberg zahlt die Allfra GmbH freiwillig höhere Preise.

Der frühere Geschäftsführer Folker Brand und der junge Kellermeister der Hohenloher Fruchtsäfte Daniel Rübmann hätten die Produktpalette „Hesselberger” mit aufgebaut. „Wir haben ihnen viel zu verdanken”, betont Norbert Metz. „Ohne die kooperative Zusammenarbeit hätten wir nicht so eine große Produktpalette anbieten können.” Für die Schorle-Herstellung wird neben einer besonderen Technik auch ein besonderes Füllverfahren benötigt, um die Kohlensäure in die Flasche zu bringen.

Nach Personalveränderungen bei den Hohenlohern lief es nach Ansicht von Norbert Metz „nicht mehr so rund” in der Zusammenarbeit.  Die Allfra hat in den vergangenen Wochen und Monaten viele Gespräche mit potenziellen neuen Partnern geführt. „Es ist nicht einfach, für die Mosterei Hohenloher einen gleichwertigen Ersatz zu finden, da die große Palette der unterschiedlichen Gebinde und Füllverfahren für jeden neuen Partner eine Herausforderung darstellt.“, so Metz. Aber die Allfra sucht nach Lösungen, die Streuobstsaftverarbeitung fortführen zu können.

Vergebliche Suche nach einem Investor

Rudolf Heller Senior gründete 1953 das Familienunternehmen Hohenloher Fruchtsäfte in Schwäbisch Hall. Das Geschäft lief so gut, dass in den 1970er Jahren eine neue Lagerhalle gebaut wurde. Seit vielen Jahren arbeitet Teresa Heller, eine Enkelin des Gründers, in der Mosterei. Sie musste nach dem Weggang des Geschäftsführers im April ein vorläufiges Insolvenzverfahren einleiten.

Weil sich aber auch im eigentlichen Insolvenzverfahren kein neuer Investor fand, verkündete Teresa Heller jetzt das Ende des Unternehmens. 24 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern muss gekündigt werden. Mit dem Aus endet eine über 70-jährige Firmengeschichte.

„Der Verlust einer solchen Mosterei ist tragisch”, sagt Norbert Metz. Streuobstbesitzer verlieren ihre Abgabemöglichkeit in kurzer Entfernung. Ob sie längere Anfahrten zur Obstverwertung in Kauf nehmen, werde sich zeigen. Norbert Metz, der auch Mitarbeiter des Landschaftspflegeverbandes Mittelfranken ist, befürchtet negative Auswirkungen auf die landschaftsprägenden Streuobstbestände in der Region, wenn wegen fehlender Abgabemöglichkeiten Äpfel und Birnen nicht gesammelt werden, sondern am Boden verfaulen.

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