In Bezug auf die Energiewende entwickelt sich die Stadt Heilsbronn immer mehr zu einem bedeutenden Standort. Sind heute schon auf 152 Hektar PV-Freiflächenanlagen installiert, so sollen in den kommenden zwei Jahren eine 30 Hektar große Agri-PV-Anlage sowie vier große Windräder hinzukommen.
In seiner jüngsten Sitzung stellte der Stadtrat die Weichen. Die vier Windräder plant ein Unternehmen aus Meißen (Sachsen) auf der Anhöhe zwischen den Stadtteilen Bürglein, Bonnhof und Gottmannsdorf. Die Fläche ist im Regionalplan seit etwa zwei Jahrzehnten ein Vorranggebiet für die Nutzung der Windkraft. Bisher hatte Widerstand aus der Bevölkerung den Bau von Windrädern verhindert. Die vier jetzt projektierten Anlagen sollen eine Kapazität von 27,2 Megawatt Leistung haben, jedes der Windräder eine Gesamthöhe von 238,30 Metern.
Derzeit läuft das Verfahren, das die Auswirkungen der Windkraftanlagen auf Mensch und Natur abschätzen soll. Die erforderlichen Gutachten liegen nach den Angaben von Fachbereichsleiter Tobias Christ in „63 Anlagen zum Antrag“ vor. Mit einer Genehmigung werden dann auch Auflagen festgelegt. Der Stadtrat hat einstimmig sein Einvernehmen zu den Plänen gegeben.
Vorgesehen ist, die Anlagen ab dem Herbst 2027 zu bauen. Zuvor muss unter anderem geklärt werden, zu welchen Bedingungen der Strom verkauft und ins Netz eingespeist werden kann. Stellvertretende Bürgermeisterin Gabi Schaaf forderte in diesem Zusammenhang, die entsprechende Ausschreibungen auf Süddeutschland zu beschränken, weil hier der Strom nicht so günstig erzeugt werden könne wie in Norddeutschland.
Der Bau der Windräder wird erhebliche Auswirkungen haben. Mit 5000 Lkw-Fahrten wird gerechnet, Feld- und Waldwege müssen ausgebaut oder für eine Zufahrt neu angelegt werden. Für den Transport der über 80 Meter langen Rotorblätter muss von der Bundesstraße eine neue provisorische Abfahrt angelegt werden.
Weniger Aufwand während der Bauzeit wird die Agri-PV-Anlage verlangen. Die Firma Feldwerke aus München plant die Anlage nördlich des Stadtteils Neuhöflein auf Flächen von fünf Eigentümern. Wegen ihrer Größe ist vor dem ersten Spatenstich ein Genehmigungsverfahren mittels eines Bebauungsplans notwendig. Dem Aufstellungsbeschluss stimmte der Stadtrat mit großer Mehrheit zu.
Wie Marco Mielenz, Geschäftsführer der Feldwerke GmbH berichtete, werden auf den Feldern die PV-Module auf schmalen Grünstreifen so montiert, dass zwischen ihnen auf zwölf Meter breiten Streifen normaler Ackerbau betrieben werden kann. „85 Prozent der Fläche bleiben für die Landwirtschaft“, sagte er. Die Stromausbeute betrage 70 Prozent einer normalen Freiflächenanlage. Deswegen stoße das „Vorzeigeprojekt für erneuerbare Energien“ vielfach auf „hohe Aufgeschlossenheit“. Laut Mielenz wird die Anlage um einen Stromspeicher ergänzt, um den Sonnenstrom nach Sonnenuntergang ins Netz einzuspeisen. Auch eine Direktvermarktung der erzeugten Energie werde geprüft. Im Herbst 2027 soll nach seinen Vorstellungen die Installation der Agri-PV-Anlage erfolgen.
„Heilsbronn leistet sehr viel für die Energiewende“, stellte Wolfgang Prager (FW) fest. In gewisser Weise nehme man eine Vorreiterrolle ein. Bürgermeister Dr. Jürgen Pfeiffer sagte, im Stadtgebiet werde mehr Strom erzeugt als verbraucht. Wie eine Nachfrage der FLZ bei den Stadtwerken ergab, lag der Stromverbrauch aller Haushalte und der Gewerbebetriebe im Jahr 2024 bei 42,8 Millionen Kilowattstunden (kWh). Regenerativ erzeugt wurden 49,5 Millionen kWh, davon 5,5 Millionen kWh durch Biogasanlagen und 5156 kWh durch Wasserkraft. Den Rest steuerten PV-Anlagen auf Feldern und Hausdächern bei. Wenn der geplante Windpark und die Agri-PV-Anlage in Betrieb sein werden, wird sich die Stromerzeugung in Heilsbronn mindestens verdoppeln.