Das eine Orchester repräsentiert die Bundesrepublik Deutschland, das andere die Stadt Dinkelsbühl. Die Mitglieder beider Kapellen tragen Uniform. Und es gibt noch eine Gemeinsamkeit zwischen dem Heeresmusikkorps Veithöchheim und der Knabenkapelle: die Brüder Krauß.
Martin Krauß ist Mitglied des Heeresmusikkorps, Johannes Krauß leitet als Musikdirektor das Dinkelsbühler Traditionsensemble. Beide haben ihre musikalischen Wurzeln in der Knabenkapelle. Da war es ein naheliegender Schritt, dass die „Großen” aus Veitshöchheim jetzt für die „Kleinen” in Dinkelsbühl spielen. Am Montag, 15. Dezember, kommt das Heeresmusikkorps für ein gut einstündiges Benefiz-Adventskonzert in die St.-Pauls-Kirche.
Hauptfeldwebel Martin Krauß hat ein Musikstudium an der Robert-Schumann-Hochschule für Musik in Düsseldorf absolviert, das Voraussetzung für eine musikalische Laufbahn bei der Bundeswehr ist, wie er erzählt. Heute ist er beim Heeresmusikkorps Veitshöchheim als Klarinettist aktiv. Ob Großer Zapfenstreich, Kommandoübergabe, Gelöbnis oder Adventskonzert – das Orchester spielt Traditionsmärsche, klassische sinfonische Blasmusik, Filmmusik, Rock, Pop oder auch Swing und tritt in unterschiedlich großen Besetzungen auf.
Dabei kommen die Mitglieder des Orchesters ziemlich weit herum, erzählt Martin Krauß von seinem Alltag bei der Bundeswehr: Musikalisch unterwegs sei das Musikkorps vor allem in Franken, der Oberpfalz, Nordbaden, Südhessen und Thüringen. Aber Auftritte in Einsatzgebieten oder deutschen Botschaften sowie Konzerte bei internationalen Festivals hätten die Franken bereits auch nach Afghanistan, die USA, Kanada, Russland, Georgien und viele mitteleuropäische Länder geführt. Die Repräsentation der Bundesrepublik Deutschland im In- und Ausland und die Truppenbetreuung seien die wichtigsten Aufgaben des Musikkorps, berichtet Martin Krauß, der auch für dessen Jugendarbeit zuständig ist.
Bruder Johannes Krauß ist durch seine Arbeit für die Knabenkapelle ebenfalls für Jugendarbeit zuständig. Dafür braucht die Kapelle Geld, zum Beispiel für Leihinstrumente, aber auch für Reisen. Manche Familien haben zwei oder drei Söhne in der Knabenkapelle und das sei für manche finanziell durchaus eine Herausforderung, schildert der Musikdirektor. Deshalb freue er sich, dass sich das Heeresmusikkorps bereit erklärt habe, zugunsten der Knabenkapelle zu spielen.
Die wird am 15. Dezember nicht selbst in Aktion treten, aber für die Jungen, die als Zuhörer im Publikum sind, sei der Auftritt der musizierenden Soldatinnen und Soldaten sicherlich ein Erlebnis, ist sich Johannes Krauß sicher. Nicht nur musikalisch, sondern auch als Beispiel für den Beruf des Orchestermusikers.
Um als Orchestermusikerin oder Orchestermusiker bei der Bundeswehr eingesetzt werden zu können, steht nach der Grundausbildung des derzeit freiwilligen Wehrdiensts am Anfang die „Lehre” beim Ausbildungsmusikkorps der Bundeswehr, die in enger Zusammenarbeit mit der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf erfolgt, erklärt Martin Krauß. Der Frauenanteil im Heeresmusikbereich sei hoch, ergänzt er.
Beide Krauß-Brüder betonen einen positiven Nebeneffekt der Orchestermusik: das Funktionieren als Gruppe. Nicht nur, um ein musikalisch überzeugendes Ergebnis abzuliefern, sondern auch abseits der Auftritte. Die Mitglieder der Orchester seien viel unterwegs, müssten auf Reisen miteinander auskommen, auch wenn die zwischenmenschliche Chemie manchmal nicht so gut stimme, erklären die beiden. Man müsse sich aufeinander verlassen können. Das seien Fähigkeiten, die auch in viele andere Bereiche des Lebens ausstrahlten, sind die Profi-Musiker überzeugt.
Zum Benefiz-Adventskonzert am Montag kommt das Heeresmusikkorps Veitshöchheim unter Leitung von Major Wolfgang Dietrich mit 50 Personen nach Dinkelsbühl. Der Eintritt zur um 19 Uhr beginnenden Veranstaltung in der St.-Pauls-Kirche erfolgt auf Spendenbasis. Der Erlös geht an die Jugendarbeit der Knabenkapelle Dinkelsbühl.