Noch hofft die Verwaltung, dass die Stadt für die Sanierung des Klosterchors und des Hauses Husarengasse 1 eine höhere Förderung bekommt. Das ist durchaus möglich, informierte Bürgermeister Jürgen Heckel seine Räte in der jüngsten Sitzung, aber in Gefahr. Hat die Verwaltung bei dem 5,4-Millionen-Euro-Projekt einen wichtigen Förderhinweis zu lange ignoriert?
Bereits in der Stadtratssitzung Ende Februar hätte dem Bauantrag für die Sanierung zugestimmt werden sollen. Georg Gerhäuser (CSU) hatte seinerzeit aber den Antrag gestellt, die Abstimmung zu vertagen. Es sei das größte Projekt der nächsten Jahre für die Stadt, da wolle er nicht einfach abstimmen, ohne vorher noch einmal einen neuen Stand des Architekten gehört zu haben. Heckel hatte betont, dass der Stand vom September 2023 immer noch aktuell sei. Trotzdem wurde vertagt und der Architekt eingeladen.
Was er „Neues erzählen“ sollte, wusste Architekt Hermann Keim dann in der März-Sitzung auch nicht so genau. Er stütze sich auf eine abgespeckte Variante des Septembervortrags: Er stellte noch einmal den Planungsstand vor und ging auf die mangelhafte Statik ein, für deren Wiederherstellung ein Teil des angrenzenden Hauses (Husarengasse 1) abgerissen werden muss.
Das war der Ansatzpunkt von Georg Gerhäuser und Horst Allraun (CSU), nochmals zu überlegen, wo man denn Kosten einsparen könnte. Mit Blick auf die Etat-Verabschiedung in der kommenden Stadtratssitzung sei es nötig, Geld einzusparen. „Die Landesgartenschau kommt, wir müssen halt schauen, ob wir uns das leisten können.“ Gerhäusers Vorschlag, nur ein Stockwerk zu nutzen und so die hohen Kosten für den Brandschutz zu reduzieren, funktioniert laut Keim nicht, da der Brandschutz gewährleistet sein müsse. „Wir können nicht einfach behaupten, es gibt nur ein Obergeschoss.“
„Alles rechts vom Treppenhaus könnte man meiner Meinung nach schieben“, betonte Allraun. Die Husarengasse 1 vorerst im Rohbau stehen zu lassen und später auszubauen, wenn wieder Geld vorhanden sei, war die nächste Überlegung von Gerhäuser – und die kam vor allem bei Stadträtin Sabine Detsch (SPD), die auch Vorsitzende des Fördervereins Klosterchor ist und seit über zehn Jahren für die Sanierung kämpft, nicht gut an.
Sie warnte gar, dass Fördergelder dadurch verloren gehen könnten – seien die „Fördergeber“ doch von der Sache an sich überzeugt gewesen, dass im angrenzenden Haus vielen Ehrenamtlichen und Vereinen ein Platz zum Wirken geboten wird und auch wieder werde. Um die Fördergelder zu bekommen, „muss eine öffentliche Nutzung dargestellt sein“, betonte auch Kämmerin Melanie Greifenstein.
Matthias Oberth (SPD) fragte, ohne Fachmann zu sein, in Richtung Gerhäuser, Chef eines Bauunternehmens ist, ob ein „Rumgebastel“ im Nachhinein nicht erheblich teurer komme. Wolfgang Eckardt (FWG) erklärte, dass die Maßnahme für Bad Windsheim eine ganz wichtige sei und man eine gute Förderung erhalte – und betonte, dass es ohnehin etliche Verschiebungen in den Haushalt 2025 gebe und es „um jeden Cent geht“. Sein Vorschlag: Man könne vorerst auf die Sanierung des Klostergartens verzichten. Die Arbeiten sollen aktuell ohnehin noch nicht ausgeführt werden, betonte Heckel.
Dr. Stefan Eckardt wollte zwecks der Statik wissen, ob denn auch die Möglichkeit geprüft worden sei, die beiden Keller unterhalb des Klosters zu verfüllen, anstatt das Gebäude mit Pfeilern zu stützen, und ob dies nicht günstiger sei. „Zu 100 Prozent“ könne er nicht sagen, dass dies durchgerechnet wurde, so Keim. „Ich gehe aber davon aus.“
Die Idee der Translozierung warf Gerhard Koslowski in den Raum. Im Freilandmuseum werde auch so gearbeitet. Man könne die Husarengasse 1 abbauen, zwischenlagern, für einen stabilen Untergrund sorgen und das Haus wieder aufbauen.
Wohl um eine weitere Diskussion zu unterbinden, warf Heckel die Möglichkeit in den Raum, dass man über die Städtebauförderung statt der bislang in Aussicht gestellten 60 Prozent sogar 80 Prozent Förderung bekommen könnte. Diese habe Tobias Steinbauer von der Regierung von Mittelfranken bei einer Begehung in Aussicht gestellt. Dazu benötige man aber eine Erhaltungssatzung.
Laut Stadtbaumeister Ludwig Knoblach müsse eine solche Satzung für die Neugestaltung der Baugestaltungsverordnung ohnehin aufgesetzt werden. Bis zum Sommer, so Knoblach, könne diese fertig sein. Zögerlich bezüglich der höheren Fördersumme verhielt sich Greifenstein. Es müsse erst mit der Regierung abgestimmt werden, ob das Projekt nicht schon zu weit fortgeschritten sei – wenngleich es eine massive Entlastung für die Stadt bedeuten könnte.
Insgesamt soll die Sanierung etwa 5,4 Millionen Euro kosten. Die Stadt ist über zwei Ecken an der Finanzierung beteiligt. Da das Kloster der Hospitalstiftung gehört, diese aufgrund nur geringer Einnahmen und trotz hoher Zuschüsse ihren Anteil aber nicht stemmen kann, müsse die Stadt hier für rund 500.000 Euro, ohne Klostergarten, aufkommen. Daran sei nicht zu rütteln. Über die Städtebauförderung seien bei 60 Prozent Zuschuss, 40 Prozent von der Stadt zu tragen. Dies wären rund 800.000 Euro. Könne man den Eigenanteil mit der Erhaltungssatzung auf 20 Prozent senken, halbiere sich dieser Betrag. Bedenken müsse man, egal bei welcher Förderung, dass die Stadt in Vorkasse gehen und Darlehen aufnehmen müsse, um das Projekt vorzufinanzieren, bis Zuschüsse fließen, so Greifenstein. Die Zinsbelastung kommt also noch dazu.
Der Stadtrat gab der Verwaltung mit auf den Weg, sich um den Erlass der Erhaltungssatzung zu kümmern. Ob die für Sommer angekündigte Fertigstellung noch reicht, um für die Sanierung von Kloster und Husarengasse 1 die 80-prozentige Förderung zu erhalten, ist dabei fraglich.
Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt Tobias Steinbauer, dass er der Stadt beratend zur Seite stehe. In diesem Rahmen habe er frühzeitig auf die mögliche bessere Förderung durch eine Erhaltungssatzung hingewiesen, „mindestens ein bis zwei Jahre“ liege das besagte Gespräch bei einer Begehung der Husarengasse 1 nun schon zurück.
Nun aber kommt die Stadt wohl zu spät: „Das Ganze ist (mit 60 Prozent Förderung) bewilligt und als Vorgang eingetütet. Momentan wüsste ich nicht, wie wir das lösen könnten, ohne ein verwaltungstechnisches Kuddelmuddel auszulösen“, sagt Steinbauer. Eventuell gebe es aber noch eine Möglichkeit, die er abklären müsse, viel Hoffnung macht er aber nicht.
Stadtbaumeister Ludwig Knoblach sagt indes, dass das Bauamt seit etwa einem Jahr an der Erhaltungssatzung arbeite. Es sei sehr komplex, eine solche zu erstellen, auch wolle man dabei keine Fehler machen. Angesprochen auf die Dringlichkeit, die Satzung zu erstellen, und warum dies nicht forciert worden war, erklärt Knoblach gegenüber unserer Redaktion: Man habe auch andere Projekte zu stemmen. Stichwort Arbeitsökonomie.
Er sieht dennoch eine Chance, die deutlich höhere Förderung zu erhalten, wenn er gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege, mit dem er derzeit in „Detailschärfe plant“, der Regierung die Satzung vorlegt: „Ich würde nicht sagen, dass die Tür schon ganz geschlossen ist.“