Grüne Dächer werden in Ansbach Pflicht für Industrie-Hallen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 15.02.2023 14:50

Grüne Dächer werden in Ansbach Pflicht für Industrie-Hallen

Flachdächer, wie hier auf dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ansbach, müssen in Gewerbegebieten künftig zwingend zu 80 Prozent begrünt werden. (Foto: Tizian Gerbing)
Flachdächer, wie hier auf dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ansbach, müssen in Gewerbegebieten künftig zwingend zu 80 Prozent begrünt werden. (Foto: Tizian Gerbing)
Flachdächer, wie hier auf dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Ansbach, müssen in Gewerbegebieten künftig zwingend zu 80 Prozent begrünt werden. (Foto: Tizian Gerbing)

Bislang ließ das Reglement über die Pflicht zur Begrünung von Hallendächern im Gewerbegebiet Claffheim Ausnahmen zu. Diese Schlupflöcher werden nun aber geschlossen. Im Bauausschuss stimmten die Stadträte mehrheitlich einem Einwand der Abwasserentsorgung Ansbach (awean) zu.

Maßnahmen zur Dachbegrünung sind zweifellos sinnvoll. Sie mildern extreme Temperaturen ab und verbessern die Leistung von Photovoltaik-Anlagen. Eine Vegetation mit Sedum, Kräutern, Gräsern oder Moosen kühlt das Bauwerk im Sommer, mildert Kälte im Winter und speichert schädliches Kohlendioxid. Vor allem aber absorbiert so ein grünes Dach Regenwasser und hält bei starken Niederschlägen den Abfluss des Wassers zurück – und genau um den Schutz vor Überflutungen geht es der awean.

Bebauungsplan wird modifiziert

Doch der aktuelle Bebauungsplan für das Gewerbegebiet in Claffheim, der erst im Mai 2022 vom Stadtrat abgesegnet worden war, sah Alternativen zur Dachbegrünung „in begründeten Einzelfällen“ vor. Wer seine Gewerbe-Immobilie nicht zu 80 Prozent mit einer mindestens zehn Zentimeter dicken durchwurzelbaren Substratschicht versehen wollte, musste für Ausgleich sorgen: Zur Kompensation der Klimaschutzmaßnahmen sollten naturnah gestaltete Versickerungs- oder Rückhalteteiche angelegt werden.

Diese Möglichkeit hält die awean speziell für das Gewerbegebiet in Claffheim aber für nicht sinnvoll. Dort wurde in einem Gutachten „eindeutig festgestellt“, dass der Untergrund vorwiegend aus Ton besteht. Und der dichtet so gut ab, dass Wasser, „wie im ganzen Stadtgebiet von Ansbach, kaum oder nur unter äußerst erschwerten Bedingungen“ in tiefere Erdschichten gelangen kann. Das führt den Bau von Versickerungs- oder Rückhalteteichen ad absurdum.

Bau-Potenzial in Claffheim

In Claffheim, wo das Gewerbegebiet zwischen der B13 und der A6 angesiedelt ist, sind weite Teile der Fläche bereits bebaut. Rückwirkend müssen die neuen Vorgaben nicht umgesetzt werden. Allerdings könnten „dort, wo sich jetzt Parkplätze und Ausstellungsflächen befinden, künftig auch Hallen gebaut werden“, gab Stadtentwicklerin Andrea Heinlein zu bedenken.

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Mit 9:7 Stimmen votierten die Stadträte für den Vorschlag der Verwaltung und die modifizierte Gründach-Anordnung. Der angepasste Bebauungsplan geht nun erneut in die öffentliche Auslegung. Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) sah die Zustimmung auch als Zeichen dafür, die Ziele einer Schwamm-Stadt weiter ernsthaft verfolgen zu können. Nach diesem Konzept soll möglichst viel Regenwasser vor Ort zurückgehalten werden, der Rest kann zumindest zeitlich verzögert abfließen.


Florian Pöhlmann
Florian Pöhlmann
Nach der journalistischen Grundausbildung beim Fernsehen rief 1999 die große weite Welt des Sports, die ich in Nürnberg in nahezu allen Facetten kennenlernen und in verantwortlicher Position gestalten durfte. Erst der verlockende Ruf aus Ansbach und die Aussicht, im fortgeschrittenen Alter Neues zu wagen, sorgten ab 2021 für einen Neustart in der Lokalredaktion.
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