Bislang ließ das Reglement über die Pflicht zur Begrünung von Hallendächern im Gewerbegebiet Claffheim Ausnahmen zu. Diese Schlupflöcher werden nun aber geschlossen. Im Bauausschuss stimmten die Stadträte mehrheitlich einem Einwand der Abwasserentsorgung Ansbach (awean) zu.
Maßnahmen zur Dachbegrünung sind zweifellos sinnvoll. Sie mildern extreme Temperaturen ab und verbessern die Leistung von Photovoltaik-Anlagen. Eine Vegetation mit Sedum, Kräutern, Gräsern oder Moosen kühlt das Bauwerk im Sommer, mildert Kälte im Winter und speichert schädliches Kohlendioxid. Vor allem aber absorbiert so ein grünes Dach Regenwasser und hält bei starken Niederschlägen den Abfluss des Wassers zurück – und genau um den Schutz vor Überflutungen geht es der awean.
Doch der aktuelle Bebauungsplan für das Gewerbegebiet in Claffheim, der erst im Mai 2022 vom Stadtrat abgesegnet worden war, sah Alternativen zur Dachbegrünung „in begründeten Einzelfällen“ vor. Wer seine Gewerbe-Immobilie nicht zu 80 Prozent mit einer mindestens zehn Zentimeter dicken durchwurzelbaren Substratschicht versehen wollte, musste für Ausgleich sorgen: Zur Kompensation der Klimaschutzmaßnahmen sollten naturnah gestaltete Versickerungs- oder Rückhalteteiche angelegt werden.
Diese Möglichkeit hält die awean speziell für das Gewerbegebiet in Claffheim aber für nicht sinnvoll. Dort wurde in einem Gutachten „eindeutig festgestellt“, dass der Untergrund vorwiegend aus Ton besteht. Und der dichtet so gut ab, dass Wasser, „wie im ganzen Stadtgebiet von Ansbach, kaum oder nur unter äußerst erschwerten Bedingungen“ in tiefere Erdschichten gelangen kann. Das führt den Bau von Versickerungs- oder Rückhalteteichen ad absurdum.
In Claffheim, wo das Gewerbegebiet zwischen der B13 und der A6 angesiedelt ist, sind weite Teile der Fläche bereits bebaut. Rückwirkend müssen die neuen Vorgaben nicht umgesetzt werden. Allerdings könnten „dort, wo sich jetzt Parkplätze und Ausstellungsflächen befinden, künftig auch Hallen gebaut werden“, gab Stadtentwicklerin Andrea Heinlein zu bedenken.
Mit 9:7 Stimmen votierten die Stadträte für den Vorschlag der Verwaltung und die modifizierte Gründach-Anordnung. Der angepasste Bebauungsplan geht nun erneut in die öffentliche Auslegung. Oberbürgermeister Thomas Deffner (CSU) sah die Zustimmung auch als Zeichen dafür, die Ziele einer Schwamm-Stadt weiter ernsthaft verfolgen zu können. Nach diesem Konzept soll möglichst viel Regenwasser vor Ort zurückgehalten werden, der Rest kann zumindest zeitlich verzögert abfließen.