Stelzenläufer mit grünschimmernden Flügeln, Planeten in Neonfarben, bunte Palmen im Fuchsgarten, grüne Cocktails allerorten, Lady Craven im Museum, „Starlight Express“ unter freiem Himmel und der Weltgeist, der die Wand von St. Gumbertus durchdrang: Die Grüne Nacht in Ansbach lockte mit einem vielfältigen Angebot.
Dass in Ansbach bei jedem Wetter gefeiert wird, zeigte sich schon beim teils verregneten Altstadtfest. Nun trotzten die Bürgerinnen und Bürger und zahlreiche Gäste von auswärts den recht herbstlichen Temperaturen am Samstagabend. Rund 10.000 Menschen seien in der Stadt unterwegs gewesen, schätzt Kulturreferentin Nadja Wilhelm.
Mit Winterjacken saßen und standen sie plaudernd beisammen oder scharten sich um die Attraktionen – um die Gaukler, Zauberkünstler und Akrobaten. Besonders groß war der Andrang bei der Playback-Musicalshow am Kaspar-Hauser-Platz, wo neben dem Rollschuhläufer aus „Starlight Express“ auch das Phantom der Oper, ein Vampir, der grüne Tabaluga und weitere Musicalfiguren zu entdecken waren, dargestellt von der Weidenbacher Truppe egf-Entertainment.
Auch an anderen Engstellen in der Altstadt und rund um die Buden mit Speis und Trank ging’s manchmal kaum mehr voran – und die warmen Innenräume waren ohnehin rappelvoll. Im Markgrafenmuseum, durch das die gut gelaunte Lady Craven in Stoffpuschen huschte, drängten sich die Besucher kuschelig dicht zusammen und lauschten der Engländerin alias Claudia Kucharski vom Theater Kopfüber, die allerlei Exponate vorstellte.
In der nächtlichen Fürstengruft wurde es ebenfalls eng. „Ist das gruselig hier“, murmelte ein Mädchen angesichts der in grünes Licht getauchten Särge. Dennoch standen die Besucher Schlange, um den in Grün besonders schaurigen barocken Totenkopf am Fuß des zentralen Sarkophages zu fotografieren.
Gestaunt ohne wohliges Gruseln wurde im Kunsthaus, in dem von Schülerinnen und Schülern gebastelte Planeten, Schwarze Löcher und Sternspiralen im Dunkeln eindrucksvoll leuchteten. Die Organisatoren hatten die bizarren Himmelskörper mit ihren Mini-Vulkanen oder Federbüscheln in eine knallbunte Lichtinszenierung eingebunden, die kleine und große Besucher gleichermaßen faszinierte.
Hier klang das Simon-Marius-Jubiläumsjahr ebenso an wie bei Aktionen rund ums Sonnensystem in der Reitbahn. Oder im Stadthaus, wo „Nachtschwärmer und Sternengucker“ eingeladen waren, mit den „Typonauten“ des Vereins WortKunst originelle Weltall-Collagen mit Texten von Mr. Spock und Co. zu gestalten.
Draußen am Johann-Sebastian-Bach-Platz ertönte derweil alle Viertelstunde sphärische Musik zu der eigens für die Südfassade der Gumbertuskirche konzipierten 3D-Videoprojektion „Spiritus Mundi“. Luca Dünkel, Student an der Hochschule Ansbach und Schöpfer des Videos, ließ die Kirchenwand optisch aufbrechen, eine Bibliothek als Sammlung des Wissens sichtbar werden, die Elemente Feuer und Wasser wirken. Und schließlich den Weltgeist erscheinen, der als universelle Energie alles durchdringt und alles mit allem verbindet. Das Projekt, für das es viel Beifall gab, hat eine durchaus spirituelle Note.
Womit sich ein Kreis schloss zum Konzert „Misa Tango“ mit der Ansbacher Kantorei, dem Ansbacher Kammerorchester und Solistinnen in der Gumbertuskirche, das die Grüne Nacht eröffnet hatte. Etliche Zuhörer in dem vollen Gotteshaus waren grün gekleidet oder zumindest mit einem grünen Accessoire ausgestattet.
Der barocke Kirchenraum schimmerte in zartem Grün, während drüben in St. Johannis kräftiges Grün das prächtige Netzgewölbe betonte und alle Blicke nach oben lenkte. Der Fuchsgarten war dagegen knallbunt erleuchtet. Die pinken Agaven und lilafarbenen und blauen Palmen, zwischen denen Mitglieder des Heimatvereins in historischen Gewändern flanierten, wurden aus allen Winkeln fotografiert.
Im Theater gleich nebenan war das Foyer gut gefüllt. Hier lauschten die Besucher Texten, die in irgendeiner Weise mit Grün zu tun haben, vorgetragen vom Ensemble und dem Intendanten. Zu Livemusik wurde am Karl-Burkhardt-Platz getanzt oder mitgewippt. Wer es ruhiger mochte, zog sich zum Beispiel in den schön ausgeleuchteten, mit Lüstern geschmückten Eichinger-Hof in der Neustadt zurück.
Eine Grüne Nacht wird es in Zukunft nicht mehr in genau dieser Form in Ansbach geben. Allerdings soll eine „Nacht der Kultur“ mit Illuminationen weiterhin im Zwei-Jahres-Turnus angeboten werden – voraussichtlich im Zusammenhang mit den Rokoko-Festspielen, versicherte Nadja Wilhelm. Eine solche Nacht mit Musik, Theater und bildender Kunst sei „ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal und eine wunderbare Hommage an die Kultur“, betonte die Kulturreferentin.
„Die Menschenmengen am Samstag an all den Veranstaltungsorten, an denen verschiedene kulturelle Genres und Sparten zu erleben waren, haben das Interesse der Leute gezeigt.“ Es seien auch sehr viele Jugendliche unterwegs gewesen, die mit einer solchen Veranstaltung somit auch angesprochen würden, so Wilhelm.