Greifvogelauffangstation in Krautostheim: Dem „Palmenhorst” droht das Aus | FLZ.de

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Veröffentlicht am 20.02.2026 09:00

Greifvogelauffangstation in Krautostheim: Dem „Palmenhorst” droht das Aus

Maria Auer mit dem sibirischen Uhu Sirius und Danilo Batz mit der Steppenadler-Dame Kami. (Foto: Mirko Fryska)
Maria Auer mit dem sibirischen Uhu Sirius und Danilo Batz mit der Steppenadler-Dame Kami. (Foto: Mirko Fryska)
Maria Auer mit dem sibirischen Uhu Sirius und Danilo Batz mit der Steppenadler-Dame Kami. (Foto: Mirko Fryska)

Hier ein Turmfalke, dort ein Waldkauz und eine echte Seltenheit: ein Baumfalke. Sie alle haben eines gemeinsam: Ohne den ehrenamtlichen Einsatz von Maria Auer aus Krautostheim würden sie alle nicht mehr leben. Die Tierfreundin päppelt verletzte Greifvögel auf. Nun droht ihrer Auffangstation „Palmenhorst” jedoch das finanzielle Aus.

Wann hat ein Tier ein Anrecht auf Rettung? Wie stark darf der Mensch in die Natur eingreifen? Alles Fragen, mit denen Maria Auer von ihren Kritikern immer wieder konfrontiert wird. Und sie versteht diese Gedanken, hat sich aber eine klare ethische Marschrichtung vorgegeben: Wenn es noch Hoffnung gibt, das Leben zu retten, dann probiert sie es. Ein Tier einzuschläfern, nur weil es eine tierärztliche Versorgung braucht? „Wenn ich diese kleine Seele vor mir sehe, kann ich einfach nicht anders – ich muss dem Vogel helfen.”

Unterstützung bekommt sie dabei von ihrem Sohn Danilo Batz. Sie betreiben zusammen auch eine Falknerei mit prächtigen Greifvögeln. Steppenadler-Dame Kami ist eine stolze Kreatur und der sibirische Uhu Sirius verbreitet Harry-Potter-Gefühle. Sie alle stammen aus schwierigen Verhältnissen und dürfen dank der Palmenhorst-Hilfe jetzt ihr Leben wieder voll genießen. Ein weiter Weg.

„Momentan kämpfen wir um 38 Seelen”

In den Volieren dahinter und in einem umfunktionierten Container warten die aktuellen Sorgenkinder. „Momentan kämpfen wir um 38 Seelen”, sagt Maria Auer. Weitere Pfleglinge sind in den Außenstellen im anderen Sugenheimer Ortsteil Ullstadt und die Rabenartigen in Markt Erlbachs Teilort Buchen untergebracht. Dem Baumfalken, den Maria Auer und Danilo Batz gesichert haben, hat beispielsweise ein Windrad beide Flügel gebrochen. „Natürlich habe ich ihn operieren lassen.” Schon bald, so die Hoffnung, kann er wieder hinaus in die Freiheit fliegen.

Ilmenau in Thüringen, Neumarkt in der Oberpfalz, selbst im Harz haben die beiden schon verletzte Tiere gerettet. Wenn es schwierig wird, springt der Junior ein: „Ich bin derjenige, der immer in irgendwelche Löcher reinsteigt.” Solche Rettungsaktionen sind eine Mischung aus Sporteinheit, Kreativität und Feingefühl. Nicht immer ganz ungefährlich.

Mit jedem Neuankömmling füllen sich die Volieren und Notfallboxen mehr. Einst hatte die Krautostheimerin einen großen mediterranen Garten, mittlerweile prägen die Vögel das Bild. „Gemüsebeete brauche ich nicht mehr anzulegen.” Nach und nach bauen Auer und Batz das Anwesen um, 2025 hat das Duo einen ausrangierten Container umgestaltet und darin Platz für die schwersten Fälle geschaffen. Ein Baucontainer war es, über 30 Jahre lang im Einsatz. „Es ist keine Wand mehr, wie sie war”, sagt Danilo Batz. Die gelben Nikotinflecken sind ausgemerzt, mit viel Schweiß, Blut und Tränen wurde daraus eine Auffangstation mit Büro und Öl-Ofen.

Schwere Zeiten, klamme Kassen

Zum Weinen zumute ist es Maria Auer derzeit häufiger. Nicht nur, weil die kleinen und großen Pfleglinge sehr viel Zeit, Futter und Aufmerksamkeit brauchen. Sondern auch, weil der Familie allmählich das Geld ausgeht. Maria Auer ist gelernte Krankenschwester. Seit ihrem Schlaganfall hat sie ihre Berufung in der Vogelrettung gefunden – eine tiefe Verbindung zu diesen faszinierenden Geschöpfen hatte sie schon immer und einer ihrer Schützlinge begleitete sie sogar auf der Reha. Da hat sie sich eines geschworen: „Wenn ich wieder normal laufen und meinen Arm heben kann, dann eröffne ich eine Greifvogelauffangstation.” Im Oktober 2023 war es so weit.

Rund 600 Vögel hat sie seitdem gerettet. Eine Zahl, auf die sie selbst stolz ist. Maria Auer und Danilo Batz sind mit ihrer Auffangstation sogar vom Amt anerkannt. Das Problem: „Wir bekommen trotzdem keine Fördergelder.” Der „Palmenhorst” finanziert sich ausschließlich über Spenden. Und die haben zuletzt nicht einmal annähernd die laufenden Kosten gedeckt.

Je nach Belegung braucht Auer im Monat zwischen 800 und 2000 Euro für Futter – denn nur auf billige Mastküken setzt sie nicht. Schließlich sollen die Greifvögel danach wieder in der Natur ausgewildert werden, entsprechend brauchen sie Nahrung, die sie später selbst fangen können. Schwarze Mäuse zum Beispiel. Kilopreis: 28 Euro. Hinzu kommen die medizinischen Kosten, so eine Vogel-OP schlägt gut und gerne mit 800 bis 1000 Euro zu Buche – „nur die OP, da sind die Medikamente noch gar nicht dabei”.

Die Ersparnisse sind aufgebraucht

Was nicht über Spenden auf dem Konto landete, hat Maria Auer privat finanziert. „Aber meine Ersparnisse sind jetzt auch aufgebraucht.” Ihr Privatauto hat sie schon geopfert, jetzt geht es endgültig ans Eingemachte. Aber ihre Passion aufgeben? Das kommt für die Krautostheimerin nicht infrage. Sie will weitermachen – komme, was wolle. Die Auffangstation wird schließlich gebraucht, das belegen die eindrucksvollen Zahlen. Nein, eigentlich mag sie es so gar nicht, betteln zu müssen. „Aber ich sehe keinen anderen Ausweg mehr.”

Denn: Die Rechnungen stapeln sich. „Ich stehe vor einem Berg aus 2400 Euro offenen Tierarztkosten und 3000 Euro ungedeckten Futterkosten. Und das Schlimmste: Die Hochsaison steht unmittelbar bevor. Täglich kommen neue Notfälle, und ich habe schlaflose Nächte.” Abweisen und „Nein” sagen, das fällt ihr schwer. Schließlich ist jeder Fall ein Lebewesen. „Ich will nicht sagen müssen: Ich spiele jetzt Gott – du darfst weiterleben und du nicht. Ein hilfsbedürftiges Tier ist ein hilfsbedürftiges Tier.”

„Wo sollen sie sich denn hinwenden?”

Und auch den Anruferinnen und Anrufern macht sie keinen Vorwurf, im Gegenteil: „Wo sollen sich die Leute am Wochenende denn hinwenden? Die Tierarztpraxen sind geschlossen und sie kennen sich nicht aus.” Da ist die Greifvogelauffangstation „Palmenhorst” häufig die letzte Option. Aber ob dieser Hilfeschrei die Zukunft retten kann? Maria Auer sieht gerade nur einen Engpass, weil die Märkte, auf denen die Falknerei stets vertreten ist und die Geld in die Kasse spülen, wegfallen. Im Sommer fließen erfahrungsgemäß mehr Gelder. Also nur noch diesen vermaledeiten Winter überleben. Ihr Ehrenamt soll weitergehen – für die Rettung der Greifvögel.

Wer Maria Auer und Danilo Batz mit ihrer Greifvogelauffangstation Palmen unterstützen will:
VR-Bank Uffenheim
Greifvogelschutz Palmenhorst e.V.
IBAN: DE27760695590002678853
Spendenquittungen können ausgestellt werden.

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