81 Jahre ist es nun her, dass große Teile Rothenburgs bei einem Luftangriff durch amerikanische Bomber zerstört wurden. Es hat Tradition, dass jedes Jahr am 31. März auf dem Friedhof daran erinnert und der Opfer gedacht wird.
Bürgermeister Kurt Förster legte in Vertretung für Oberbürgermeister Dr. Markus Naser den Kranz am Ehrenmal für die Kriegsopfer nieder. „Es war ein sehr schlimmer Tag”, sagte er, „für die Stadt und für die Menschen.” Gemeinsam legten die Menschen – unter ihnen einige Mitglieder des Stadtrates, aber auch einige, die dieses schlimme Ereignis noch miterlebt haben – eine Schweigeminute ein.
Der Zweite Weltkrieg neigte sich bereits dem Ende zu, als am 31. März 1945 – es war der Karsamstag – neun Tonnen Brand- und Phosphorbomben über Rothenburg abgeworfen wurden. 39 Menschen starben, darunter neun Kinder. Einige Tage zuvor, am 16. März, war Würzburg heftig bombardiert und die historische Altstadt zu großen Teilen zerstört worden.
In Rothenburg heulten am 31. März um 10.30 Uhr die Sirenen. Eine Staffel von 16 Flugzeugen kam aus Richtung Würzburg. Nach kaum einer halben Stunde lag die ganze Stadt in dichten Rauch gehüllt. Feuerwehren aus Rothenburg und dem Umland versuchen zu löschen – bis zum 2. April dauerte der Einsatz. So ist es im Buch „Rothenburg ob der Tauber – Schicksal einer deutschen Landschaft“ beschrieben.
Persönliche Erlebnisse von Zeitzeugen sind auch im Dokumentarfilm „Ein Tag, der zur Nacht wurde – Rothenburg in Flammen“ – der Dokumentarfilmgruppe der Oskar-von-Miller-Realschule festgehalten. „Die ganze Straße war sofort dunkle Nacht“, so eine Zeitzeugin; alle seien in Richtung Burggarten gerannt. Der Burggarten galt als sicher.
Die Folgen für die Überlebenden seien verheerend gewesen, denn Hunderte Wohnungen waren zerstört, auch die Strom-, Gas- und Wasserversorgung. Die Stadt befand sich im durchgehenden Ausnahmezustand. 741 Familien, mehr als tausend Menschen, wurden obdachlos und fanden Unterschlupf bei Verwandten und Bekannten oder in benachbarten Dörfern. Rund 45 Prozent der historischen Altstadt wurden bei dem Angriff zerstört: 306 Wohnhäuser, sechs öffentliche Gebäude, neun Türme und fast 1000 Meter der alten Stadtmauer. Der Renaissanceteil des Rathauses war ausgebrannt.
Der erfolgreiche Wiederaufbau in den Nachkriegsjahren gilt als die bedeutendste Leistung in Rothenburgs jüngerer Geschichte. Dabei sollte eigentlich – so ist es Logbuchaufzeichnungen der US-Luftstaffel zu entnehmen – gar nicht Rothenburg bombardiert werden.
Ursprüngliches Ziel war demnach das oberfränkische Ebrach, wo die Deutschen ein größeres Öllager eingerichtet hatten. Dichter Nebel vereitelte den Angriff. Zum Alternativziel wurde Rothenburg. Lange dauerte es danach nicht mehr bis zum Kriegsende: Am 17. April 1945 marschierten die Amerikaner ein, ohne auf Widerstand zu treffen.
Danach ging es an den Wiederaufbau. Was zerstört war, sei alten Straßenverläufen und Kubaturen gemäß neu entstanden, von einigen Ausnahmen abgesehen ohne historistische Zusätze und Verzierungen. Diese Leistung wird als der „Rothenburger Weg” des Wiederaufbaus bezeichnet, er ist in einer Dauerausstellung im RothenburgMuseum nachgezeichnet.