Das Frühjahr mit der Amphibienwanderung ist schon ein paar Tage her. Jetzt liegen die Statistiken für die 25 Übergänge im Landkreis vor. Für die Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz (BN) Karin Eigenthaler ist die Lage „beängstigend”, aber noch nicht hoffnungslos.
Knapp 15.000 Amphibien wurden in diesem Jahr insgesamt gezählt – ähnlich wie in den Vorjahren. Zwei neue Übergänge – einer bei Freihaslach (Burghaslach) und einer bei Oberroßbach (Dietersheim) – haben sich bewährt, sagt Eigenthaler. Dort waren früher überfahrene Tiere gemeldet worden. Entsprechend wurden testweise Zäune aufgestellt, „dort hatten wir gute Zahlen”. Für das Aufstellen sind die Untere Naturschutzbehörde und der Landschaftspflegeverband zuständig, der BN hilft dann bei der Suche nach Freiwilligen.
Karin Eigenthaler hat für sich eine Bilanz zur Amphibienwanderung gezogen. Ihre Feststellung: „Es gibt fast nur noch Erdkröten und Molche – und kaum mehr Frösche.” Womöglich zieht der Grasfrosch schon früher los, als die Zäune stehen. Oder der Bestand schrumpft tatsächlich: „Seine Laichballen sind in den Weihern generell schlecht vertreten.”
Die Ursachen hierfür seien vielfältig. Einen Hauptgrund sieht die BN-Vorsitzende im Klimawandel. Dadurch verschiebe sich die Wanderung Jahr für Jahr nach vorne. Ab Ende Januar müsse man mit dem Start rechnen, sobald nachts acht Grad und warmer Regen herrschen. Wenn dann aber noch einmal Frost kommt, überlebt nicht jedes Tier. Auch die starke Trockenheit macht den Amphibien zu schaffen: „Deren Haut sollte immer feucht sein.” Der Morgentau reiche dafür nicht aus. „Die Hüpferlinge gehen deshalb schnell kaputt.” Hüpferlinge werden die kleinen Frösche und Kröten genannt, die das Kaulquappen-Stadium schon hinter sich gebracht haben.
2000 bis 5000 Laichballen sondert ein Krötenweibchen ab – allerdings nur, wenn es körperlich in einem guten Zustand ist. Genau hier beginnt das erste Problem: Viele erwachsene Tiere finden nicht mehr genügend Nahrung. Oft ist schon im Frühjahr die Wiese rund um die Weiher verbrannt, Insekten sind rar. Bisher ist Eigenthaler davon ausgegangen, dass ein Krötenweibchen alle zwei Jahre laicht. Mittlerweile ist klar: Wegen der schwierigen Umweltbedingungen legt so manches Muttertier nur noch ein- bis zweimal im Leben Laich ab. „Und sie werden 20 Jahre alt.”
Weniger Nachwuchs, weniger Nahrung und der Klimawandel: „All das trifft auch die erwachsenen Tiere und ist eine Negativspirale.” Vor Jahren hatte Eigenthaler an jenem Übergang, den sie betreut, noch 1000 Frösche gezählt. „Jetzt keinen mehr”. Was also tun? Die BN-Vertreterin wirbt für Blühwiesen in Weihernähe, um Insekten anzuziehen. Ihre Kollegin Sigrid Baurmann hat auch gute Erfahrungen mit Streuobst-Bestand in Wassernähe gemacht. Fallobst zieht Fliegen an.
Die letzten Bestandskartierungen stammen aus den 1980er Jahren, 2006 wurde noch einmal „dezent nachkartiert”. Doch verlässliche Infos über die Populationen der Amphibien lägen nicht vor. „Seit den 80er Jahren hat sich vieles verändert.” Eigenthaler spricht von „diffusen Belastungen”, auch durch Pestizide. Eine verlässliche Datengrundlage wäre enorm wichtig.
Wohin führt also der Weg der Amphibien? „Keine Ahnung”, sagt die Vorsitzende ehrlich. Auf Dauer mache es aber wenig Sinn, Arten zu erhalten, die an die neuen Klimabedingungen nicht angepasst sind. Die Gewinner sind Molche, die jedoch nur an einzelnen Übergängen vorkommen. Die Amphibienlage ist aus Eigenthalers Sicht ernst, aber nicht hoffnungslos. „Ich finde es aber beängstigend, dass der Grasfrosch so komplett verschwunden ist – und wir nur zuschauen können.”