Im neuen Solarpark Flachslanden wird sogar Wildtieren Einlass gewährt. Bei der Einweihung lobte der bayerische Energieminister Hubert Aiwanger das Projekt als gelungenen Beitrag zum Klima- und Artenschutz.
Die Freiflächen-Photovoltaikanlage (PV-Anlage) wurde an zwei Standorten - bei Rangenmühle und Kettenhöfstetten - realisiert. Wie beim Bürgerwindpark Birkenfels zeichnet wieder das Planungsbüro Naturenergie Zeilinger verantwortlich. Geschäftsführerin Katrin Held blickte auf die Entwicklung zurück. „Oft gehören solche Projekte anonymen Investoren, die Wertschöpfung fließt irgendwohin. Vor Ort ist man Zuschauer, und der Naturschutz spielt meist eine Nebenrolle”, stellte sie fest. „Genau das wollten wir in Flachslanden nicht.”
Ursprünglich hatten auch in der Marktgemeinde Investoren Interesse gezeigt, eine Freiflächen-PV-Anlage zu errichten, erinnerte Flachslandens Bürgermeister Hans Henninger bei der Einweihungsfeier. Der Gemeinderat entschied dann, lieber selbst ein Projekt zu verwirklichen, das der Gemeinde und damit den Bürgern zugutekommt. Man wollte, dass die Wertschöpfung in der Region bleibt.
Der Solarpark wird von der Neuen Energie Markt Flachslanden betrieben, er kostete rund 14,7 Millionen Euro. Finanziell beteiligt sind auch 155 Familien und Einzelpersonen aus der Region mit rund 1,5 Millionen Euro. Die Bürger profitieren von den jährlichen Ausschüttungen.
Die Anlage, die Anfang Februar den Betrieb aufnahm, hat laut Katrin Held eine Gesamtleistung von 24 Megawatt und kann rund 7.000 Haushalte versorgen. Sie breitet sich auf einer Fläche von 22 Hektar aus, verbaut wurden knapp 60.000 Module. „Es ist der größte Solarpark im Landkreis Ansbach, und das will etwas heißen, weil der Landkreis Ansbach der größte Landkreis in Bayern ist”, verkündete Bürgermeister Henninger stolz. Durch den grünen Strom werden jährlich etwa 16.200 Tonnen CO₂ eingespart.
Sein besonderer Dank galt den Gemeinderäten Uli Meßlinger und Hubert Bodächtel. Ersterer entwickelte das Artenschutzkonzept und organisierte eine Pflanzaktion der Bürger im Umfeld der Anlage, letzterer begleitete als Leiter der Hegegemeinschaft Flachslanden fachlich das Wild-Durchschlupf-Konzept. Dieses wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Jagdverband entwickelt. Ehrenamtlich kümmerten sich die Jäger um eine sinnvolle Platzierung von Durchlässen.
Die Hegegemeinschaft will im Rahmen einer wissenschaftlichen Studie über fünf Jahre verschiedene Aspekte untersuchen, wie Hubert Bodächtel erzählte. Wann schlüpft welches Wild durch? Wie wirkt sich eine Schafbeweidung aus? Ehrenamtlich übernehmen Mitglieder das Monitoring über Wildkameras. Für einige Kameras werden noch Sponsoren gesucht.
Sehr froh sind die Flachslandener, dass sie für die Solaranlage noch einen Einspeisepunkt bekommen haben. Eine 14 Kilometer lange Leitungstrasse wurde zum Umspannwerk nach Buch bei Trautskirchen gelegt. Diesen Strom nehmen in den ersten beiden Jahren die Stadtwerke Würzburg ab. „Was wir brauchen, sind Netzausbau und Speicher”, betonte Henninger an Energieminister Hubert Aiwanger gewandt. „Unser Strom ist zu wertvoll zum Abdrehen.”
Dem stimmte auch Aiwanger zu. Was das Wildschutzkonzept betrifft, so ist er nicht nur Befürworter, sondern Ideengeber. Im Gespräch mit großen Versicherungsgesellschaften habe er erreicht, dass in den Zäunen um die PV-Anlagen Durchlässe für Tiere bis Rehgröße installiert werden dürfen, erklärte der Minister. „Es ist eine große Chance, dass solche Flächen zum Artenschutz beitragen.” Um zu verhindern, dass Wildtiere durch Schwachstellen im Zaun schlüpfen und dann nicht mehr herausfinden, müsse man ihnen gezielt den Durchgang ermöglichen.
Die Unterkante des Zauns befindet sich etwa 15 Zentimeter über dem Boden, um Feldhase, Rebhuhn und anderen Bodenbrütern Einlass zu gewähren. Außerdem wurden spezielle Durchlässe für größere Wildtiere angebracht. Es handelt sich um Gitter, die in den Zaun integriert wurden und Tieren bis zur Größe eines Rehs ermöglichen, auf das Gelände zu gelangen. So wird verhindert, dass ihr Lebensraum durch die PV-Anlage eingeschränkt wird. Im Gegenteil: Da Menschen keinen Zutritt haben, entstand eine Wildruhezone, in der die Tiere unbehelligt äsen können. Die Revierpächter hoffen, dass deshalb der Verbiss im Wald nicht zunimmt.
Durchschlüpfen können die Rehe an insgesamt zwölf Stellen. Größere Tiere wie Wildschweine können nicht passieren, das ist so gewollt. Weil die Anlage aber auch von Schafen beweidet wird, sind die Durchlässe mit verschließbaren Gitterklappen ausgerüstet, sodass die Lämmer nicht ausbüxen können. Hans Henninger testete den Wilddurchlass gleich selbst: Immerhin ein Stück kam er hinein, dann blieb er hängen. Der Begeisterung tat das keinen Abbruch.