Frankens mysteriöser FinTech-Milliardär: Die undurchsichtige Welt um Black Banx | FLZ.de

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Veröffentlicht am 17.01.2026 06:00, aktualisiert am 17.01.2026 16:49

Frankens mysteriöser FinTech-Milliardär: Die undurchsichtige Welt um Black Banx

Im Dezember durchsuchten bewaffnete Spezialkräfte ein Wohnhaus in Neustadt. Ermittler durchleuchten die Geschäfte von Michael Gastauer. (Foto: Christa Frühwald)
Im Dezember durchsuchten bewaffnete Spezialkräfte ein Wohnhaus in Neustadt. Ermittler durchleuchten die Geschäfte von Michael Gastauer. (Foto: Christa Frühwald)
Im Dezember durchsuchten bewaffnete Spezialkräfte ein Wohnhaus in Neustadt. Ermittler durchleuchten die Geschäfte von Michael Gastauer. (Foto: Christa Frühwald)

Er führt nach eigenen Aussagen eine der erfolgreichsten Firmen der Finanzbranche: Michael Gastauer aus Neustadt/Aisch. Black Banx ist ein Internet-Finanzbusiness, das weltweit aktiv ist und angeblich Milliarden erwirtschaftet. Doch jetzt laufen Ermittlungen. Was steckt hinter dem Geschäftsmodell des Unternehmers aus dem Aischgrund? Ein Rechercheteam der FLZ und des Bayerischen Rundfunks hat der Frage über Monate nachgespürt.

Der Ausgangsort der Geschichte ist ein Wohnhaus am Rande von Neustadt: Hohe Zäune und Hecken umgeben das Anwesen, Kameras haben die Freiflächen im Blick. Über den Garten wacht eine große Pferdeskulptur. Am 22. Oktober 2025 ist es vorbei mit der Kleinstadtidylle. Zahlreiche Kräfte des Bundeskriminalamts durchsuchen das Anwesen.

Erst ein Knall, dann metallische Schläge

Sie ermitteln wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Zahlungsdiensteaufsichtsgesetz und der Geldwäsche. Im Dezember kommen die Polizisten noch einmal überraschend vorbei, verschaffen sich mit Gewalt Zutritt zum Haus. “Ich war noch im Bett und hab einen Knall gehört. Ich hab mich bisschen gewundert und dann diese metallischen Schläge”, erzählt ein Nachbar. Mögliche Personen im Haus werden aufgefordert, mit erhobenen Händen ins Freie zu treten, so schildern es Anwohner.

Bei den Vorgängen steht ein Mann im Fokus: Michael Gastauer. Der in Neustadt aufgewachsene 51-Jährige hat mehrere Firmen gegründet, die ihn reich gemacht haben sollen. Sehr, sehr reich.

„Der Selfmade-Milliardär Michael Gastauer hat das Potenzial, der reichste Mensch des Landes zu werden“, titelt etwa 2024 ein Branchenportal und stellt ihn in eine Reihe mit anderen deutschen Top-Unternehmern.

Auf Instagram zeigt er Insignien des Wohlstands

Der 51-Jährige präsentiert sich generell im Internet als erfolgreicher Geschäftsmann. Auf Instagram postete er Insignien des Wohlstands: Fotos von Kreditkarten, Privatjets und einer Yacht. „Das Leben ist ein Spiel. Geld ist das Mittel, um den Punktestand zu messen”, steht als Sinnspruch auf Englisch in einem Beitrag. In einem anderen Post gratulierte er sich selbst zum Geburtstag: “Happy Birthday to the Greatest Man in Universe!!”, heißt es da. Zwei Millionen Accounts folgen Gastauer auf Instagram.

Bis Ende 2022 – seitdem herrscht auf dem Profil Funkstille – postete er mehrere Magazin-Cover, auf denen er unter anderem als FinTech-Mogul gefeiert wird. Auf den Porträtfotos zeigt er sich mit eindringlichem Blick und streng zurückgegelten Haaren.

Anfragen bei diesen Magazinen zeigen: Zumindest teilweise floss dafür Geld.

Gezahlt fürs Foto auf dem Zeitschriften-Cover

So bildete 2019 „Wealth & Finance” Gastauer auf der Titelseite ab. Zitat Gastauer dazu auf Instagram: „amazing cover”. Von FLZ und BR gefragt, wie es dazu kam, erklärt eine Vertreterin des Magazins: Er habe dafür gezahlt. Als man von Problemen rund um sein Unternehmen erfahren habe, sei der Beitrag entfernt und das Geld zurückerstattet worden. Eine solche Maßnahme habe „Wealth & Finance” zum ersten Mal ergreifen müssen.

Um es klarzustellen: Geld für PR-Artikel zu zahlen, ist nicht verboten. Und auch nicht, komplette Preisverleihungen zu inszenieren.

Es ist 2018 und Michael Gastauer erhält eine Auszeichnung: den “Global Banker Award”. Fotos aus der Veranstaltungslocation teilt er stolz auf Instagram, versieht sie etwa mit der Ortsmarke “New York City”. Der “Oscar für Banker”, wie Gastauer dazu schreibt, ist ein besonderer Preis: Die Trophäe hat ihm sein eigenes Finanzunternehmen WB21 verliehen, das jetzt Black Banx heißt. Nach Informationen von FLZ und BR fand das Event im Kur- und Kongresscenter in Bad Windsheim statt.

Polizisten haben in einem Neustädter Wohngebiet ein Haus durchsucht. (Symbolbild: Bernd Weißbrod/dpa)
Polizisten haben in einem Neustädter Wohngebiet ein Haus durchsucht. (Symbolbild: Bernd Weißbrod/dpa)

Razzia wegen Geldwäsche-Verdacht: Polizei durchsucht Wohnhaus in Neustadt

In dem Anwesen war ein aus Neustadt stammender und früher auch hier ansässiger Geschäftsmann gemeldet. Nun ermittelt das BKA.

FLZ und BR haben Michael Gastauer und seinem Unternehmen zahlreiche Fragen zu diesem und anderen Themen geschickt und ihn auf verschiedenen Kanälen kontaktiert. Von ihm persönlich kam keine Antwort, dafür aber von Black Banx und einer Anwaltskanzlei.

Auf die Anfrage antwortet das Unternehmen, dass es sich sowohl bei den Platzierungen in Magazinen als auch bei der Verleihung des “Global Banker Awards” um gängige Branchenpraxis handle. Die Ortsangaben auf Social Media seien zudem nicht als “offizielle oder faktische Angabe” der Veranstaltungsstätte zu verstehen. In Deutschland halte sich Gastauer nur sporadisch und im Zusammenhang mit familiären Angelegenheiten auf.

Black Banx spricht von Milliardengewinnen

Black Banx: Das soll eine Art Finanzdienstleister sein, mit dem Kunden Zahlungen senden und akzeptieren und ihr Vermögen in mehreren Währungen verwalten können. Außerdem soll es besonders einfach sein, ein Konto zu eröffnen – ohne Grenzen und Einschränkungen. Die Geschäftsadresse liegt auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik.

Black Banx sei höchst erfolgreich: Nach eigenen Angaben hat die Firma in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 einen Gewinn vor Steuern von rund 4,7 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Unabhängig überprüfen lassen sich die Zahlen aber nicht.

In einer Liga mit PayPal oder Revolut?

Dr. Matthias Muck, Professor für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Banking an der Universität Bamberg, ordnet das ein: “Das sind alles Angaben, die das Unternehmen selbst gemacht hat, also Eigenauskünfte.” Wenn man die kommunizierten Daten wie Umsatz, Gewinne und Anzahl der Kunden als Maßstab nehme, “dann spielen die in einer Liga mit den ganz großen Zahlungsdienstleistern wie PayPal oder Revolut”.

Von Black Banx heißt es: Vergleiche mit traditionellen Banken wie der Deutschen Bank oder anderen Instituten seien nicht angebracht. Das Unternehmen verweist auf “grundlegend unterschiedliche Geschäftsmodelle, Rechnungslegungsgrundlagen und Berichtsumfänge”.

Geschäftszahlen bleiben aber nicht die einzige Auffälligkeit. Obwohl Black Banx weltweit 92 Millionen Nutzer haben soll, verzeichnete die Webseite des Unternehmens laut dem Analysetool SimilarWeb zwischen Oktober und Dezember gerade einmal knapp 2400 Besuche.

Wer ein Konto bei Black Banx eröffnen will, muss sich entweder die App herunterladen oder eines auf der Webseite eröffnen. In einem Pressestatement gibt das Unternehmen an, innerhalb von drei Monaten acht Millionen Kunden dazugewonnen zu haben.

Black Banx zieht Datenlage in Zweifel

Black Banx argumentiert: Das Geschäftsmodell basiere hauptsächlich auf Apps oder Integration in andere Softwareangebote. Webbasierte Abrufzahlen seien daher nicht aussagekräftig. Zudem zieht ein Unternehmenssprecher die Datenlage von SimilarWeb in Zweifel.

Trotzdem ist Black Banx im Netz recht wenig präsent, findet Dr. Matthias Muck: “Ich hab’ mir mal den Spaß gemacht und angeschaut, wie viel Trustpilot-Bewertungen sie haben. Ohne, dass das jetzt notwendigerweise das Maß der Dinge sein muss: Aber da haben wir bei Black Banx eine Handvoll. Und ich vergleiche sie wieder mit Revolut oder PayPal, denn das ist ja die Größenordnung: Da haben wir Tausende.”

Unter den wenigen Bewertungen, die es bei Trustpilot überhaupt zu Black Banx gibt, finden sich Aussagen von mutmaßlichen Kunden, die etwa vor fehlendem Support und “Scam” warnen. Sie behaupten unter anderem, Geld bei Black Banx eingezahlt, aber nicht mehr zurückbekommen zu haben.

Black Banx teilt auf Anfrage mit, dass die meisten dieser Bewertungen von 2020 oder früher stammen – damals sei das Unternehmen noch in einer anderen Entwicklungsphase gewesen. Neueres Feedback ließe keinen Rückschluss auf systemische Probleme zu. Es gibt eine positive Rezension von 2023 auf Trustpilot. FLZ und BR konnten die Echtheit der Bewertungen und Erfahrungen nicht unabhängig prüfen.

Eine ungewöhnliche Führungsriege

Auch die Führungsriege des Finanzdienstleisters ist bei näherem Hinsehen ungewöhnlich. Denn wenn man einige der Bilder von einem KI-Erkennungstool prüfen lässt, zeigt das an, dass diese mit künstlicher Intelligenz zumindest bearbeitet wurden. Black Banx sagt hierzu: “Die Ergebnisse der automatisierten KI-Erkennung sind keine verlässliche Grundlage für Schlussfolgerungen über die Herkunft von Bildern, insbesondere im Kontext professionell erstellter und bearbeiteter Unternehmensfotografie.”

In einem weiteren Fall konnten FLZ und BR nachweisen, dass der Name Javison Brown eines „Non-Executive Directors” nicht mit dem Mann auf dem zugehörigen Foto übereinstimmte. Das Rechercheteam kontaktierte den abgebildeten Politiker von den Bahamas. Die Antworten auf die Fragen kommen dann aber plötzlich von Black Banx, das zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht hierzu angefragt worden war. Die Firma erklärt die Sache als Versehen: Das Foto zeige eine aus dem Unternehmen ausgeschiedene Person. Das Bild verschwindet von der Webseite und wird durch ein anderes ersetzt. Der Name Javison Brown bleibt.

Zum Schanzenfest im August waren noch rund 4000 Besucherinnen und Besucher gekommen. Obwohl kurzzeitig zum Sturm auf die Schanze aufgerufen wurde, blieb es letztlich ruhig. (Foto: Johannes Zimmermann)
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Zivilverfahren in den USA gegen Gastauer

In der Vergangenheit haben sich bereits Behörden im Ausland mit Michael Gastauers Firmen beschäftigt. Wie das ARD-Politik-Magazin “Kontraste” berichtete, ermittelte die US-Börsenaufsicht gegen einen britischen Finanzbetrüger. Dieser wurde 2023 von einem Gericht wegen eines internationalen Aktienbetrugs verurteilt. In diesem Zusammenhang leitete die Behörde auch ein Zivilverfahren gegen Michael Gastauer ein.

Der Vorwurf damals: dass über Konten seiner früheren Firma WB21 Geld aus dem Aktienbetrug geflossen ist, um die Identität des Betrügers zu verschleiern. Weil Gastauer nicht vor Gericht erschienen war, erließ ein US-Bundesgericht ein Versäumnisurteil. Er wurde zu einer Zahlung von insgesamt 17 Millionen Dollar verurteilt. Black Banx, das frühere WB21, dementierte auf Anfrage, vom Betrug gewusst zu haben.

In Deutschland wird nach Recherchen von “Kontraste” nun strafrechtlich gegen Gastauer ermittelt. Laut Black Banx habe das Unternehmen selbst die Behörden auf “bestimmte rechtliche und regulatorische Fragen” aufmerksam gemacht.

Die Staatsanwaltschaft geht nicht ins Detail

Die zuständige Staatsanwaltschaft Frankfurt geht zu dem Fall nicht ins Detail. Nur so viel: “Dem Beschuldigten wird zur Last gelegt, weltweit Zahlungsdienste angeboten zu haben, ohne die erforderlichen Geschäftslizenzen zu haben. Diese Zahlungsdienste sollen von Dritten auch zur Vornahme von Geldwäschehandlungen genutzt worden sein.”

Black Banx betont, dass aus ihrer Sicht kein Fehlverhalten vorlag. Man nehme die Vorwürfe extrem ernst. Ob es zu einer Anklage kommt, ist noch unklar.

Für Black Banx und Michael Gastauer gilt die Unschuldsvermutung.


Von Henry Lai, Isabel Pogner und Johannes Hirschlach
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