Seit über einem Jahr bieten die Orte Weidenbach, Ornbau, Merkendorf, Mitteleschenbach und Wolframs-Eschenbach Carsharing an. Die Bürgermeister sind zufrieden, auch wenn die Betreiber-Firma keine Zahlen nennen will. Eine Ausweitung der Standorte soll das Angebot noch attraktiver machen.
Bildungshochburg Triesdorf: Über 3300 Schüler und Studenten besuchen die dortigen Bildungseinrichtungen. Bürgermeister Willi Albrecht wollte eine Alternative zur Anreise mit dem Auto schaffen und beschäftigte sich mit der Frage: Wie kommen die jungen Leute vom Bahnhof zu ihren Quartieren?
Doch Albrecht wollte die ganze Bevölkerung erreichen. Mal schnell zum Einkaufen oder zum Arzt – Carsharing sollte das Zweitauto überflüssig machen. Eine einfache Google-Suche ließ ihn auf das Carsharing-Angebot der Firma Deer aus Calw in Baden-Württemberg stoßen. Sie ist eine Enkelgesellschaft der dortigen Stadtwerke.
Dabei überzeugte Albrecht vor allem die simple Nutzung: Nach der Registrierung in einer App kann das Fahrzeug gebucht und an einer Station abgeholt werden. Am Ende der Nutzung stellt der Kunde es einfach wieder an einer der Stationen ab. Die Kosten gehen nach genutzten Stunden, Tagen oder einem ganzen Wochenende unabhängig von den gefahrenen Kilometern. Alle Fahrzeuge von Deer haben Elektromotoren und sind umweltfreundlich.
In der Region Altmühl-Mönchswald fand Albrecht bei den Bürgermeistern Marco Meier aus Ornbau, Stefan Bach aus Merkendorf, Michael Dörr aus Wolframs-Eschenbach und Stefan Bußinger aus Mitteleschenbach Gehör und sie unterstützten die Idee eines gemeinsamen Carsharing-Angebots.
Am 1. Dezember 2023 war es dann soweit: An zunächst fünf Standorten konnten im Gebiet die Elektrofahrzeuge gebucht werden. Das Projekt wird von der Altmühl-Mönchswald-Region unter der Leitung von Umsetzungsbegleiterin Svenja Schäfer gemanagt.
Heute, gut ein Jahr später, sind es schon neun Stationen geworden. Auch eine Gelegenheit für die Bürgermeister und Deer, einmal Bilanz zu ziehen. Bjarne Möller ist Junior Sales Projektmanager von Deer: „Unsere Erwartungen wurden erfüllt und sogar übertroffen.“ Konkreter wird er nicht, genaue Zahlen zu Nutzern oder gebuchten Fahrten möchte er nicht verraten. Zumindest kann er berichten, dass die Semesterferien in der Statistik klar zu bemerken sind.
Die Kooperation mit der Region Altmühl-Mönchswald war für Deer die Erste in Bayern. Mittlerweile gibt es Stationen in München und Donauwörth. Weitere sind geplant. Denn auch das war für Möller eines der Ziele der Kooperation: „Wir wollten eine gewisse Markenbekanntschaft erreichen.“ Soll heißen: Umso mehr Standorte es gibt, desto attraktiver wird die Nutzung des Carsharings.
Für die fünf Bürgermeister besonders wichtig: Die Region um Gunzenhausen und dem fränkischen Seenland ist ein wichtiges Bezugsgebiet. Deer plant dort neun neue Standorte, womöglich noch im ersten Quartal 2025. Auch mit der Stadt Ansbach stehe das Unternehmen in Kontakt. Die Verhandlungen über einen Ausbau gestalten sich aber schwierig. Eine weitere neue Station soll in Rothenburg kommen.
Die Rathauschefs haben ausschließlich positive Rückmeldungen über das Carsharing bekommen, sagen sie. Mittlerweile nutzt eine Gruppe von Club-Fans die Fahrzeuge regelmäßig zu Besuchen im Stadion. Urlauber würden im Sommer ihre Wohnmobile auf den Camping-Plätzen stehenlassen und für Ausflüge die Fahrzeuge nutzen.
Auch Umsetzungsbegleiterin Schäfer schwärmt vom Carsharing. Sie kommt aus dem Raum Fürth und nutzt für ihre Fahrten in die Arbeit ein Angebot. „Allerdings nicht von Deer“, räumt sie ein – bei ihr zu Hause gebe es noch keinen Standort.
Albrecht stellt klar: Das Carsharing Angebot soll ausdrücklich keine Konkurrenz zum öffentlichen Nahverkehr sein. Dabei hat er das Wohlwollen der jeweiligen Unternehmen: „Alle sagen, es ist eine hervorragende Ergänzung zu den bisherigen Transportmitteln.“
Im Idealfall schließen sich noch mehr Gemeinden dem Netzwerk an und ermöglichen so mehr Zielorte. Um die Flexibilität zu erhöhen, will Deer bald auch halbstündige Tarife anbieten. Schäfer sieht das Projekt auf einem guten Weg: „In Kombination mit dem ÖPNV kann es Mobilität für die Zukunft sichern.“