Eine Hommage an Astor Piazzolla im Feuchtwanger Kreuzgang | FLZ.de

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Veröffentlicht am 19.08.2025 13:58

Eine Hommage an Astor Piazzolla im Feuchtwanger Kreuzgang

In einem Geflecht aus Zauber und Hingabe entfalteten die Sopranistin und künstlerische Leiterin von KunstKlang Christiane Karg (rechts) und ihre Gäste so viel Tango-Seligkeit, dass es nur so Funken sprühte. Am Klavier sitzt Ulrike Payer. (Foto: Marion Etienne)
In einem Geflecht aus Zauber und Hingabe entfalteten die Sopranistin und künstlerische Leiterin von KunstKlang Christiane Karg (rechts) und ihre Gäste so viel Tango-Seligkeit, dass es nur so Funken sprühte. Am Klavier sitzt Ulrike Payer. (Foto: Marion Etienne)
In einem Geflecht aus Zauber und Hingabe entfalteten die Sopranistin und künstlerische Leiterin von KunstKlang Christiane Karg (rechts) und ihre Gäste so viel Tango-Seligkeit, dass es nur so Funken sprühte. Am Klavier sitzt Ulrike Payer. (Foto: Marion Etienne)

Ein leiser, aber bestimmt gegriffener Bandoneon-Ton schwillt bis zur Heftigkeit, dehnt sich genussvoll, senkt sich, verklingt. Dann steigen Klavier, Violine und Kontrabass in den Tango-Dialog mit ein: Astor Piazzollas Musik entfaltet ihren Zauber im Kreuzgang in Feuchtwangen und verwandelt ihn in ein argentinisches Straßencafé.

Die Konzertreihen KunstKlang und Fränkischer Sommer hatten gemeinsam zu „Tango Argentino“ geladen. In einem Geflecht aus Zauber und Hingabe entfalteten die Sopranistin und künstlerische Leiterin von KunstKlang Christiane Karg und ihre Gäste so viel Tango-Seligkeit, dass es nur so Funken sprühte.

Zuständig für die zündenden Rhythmen waren Ulrike Payer (Klavier), Bernhard von Gabelentz (Violine), Christian Gerber (Bandoneon) und Winfried Holzenkamp (Kontrabass). Wie immer hatte KunstKlang handverlesene Gäste eingeladen, hochkarätige Musiker, die vom ersten Ton an zu fesseln wussten.

Szenenapplaus und Bravorufe

Zum gelungenen Gesamtbild trug bei auch ein anfangs nur schemenhaft hinter den Arkaden, dann im Spotlight auf der Bühne hervorragend Tango tanzendes Paar: ein tolles Gesamtkonzept und eine Hommage an Astor Piazzolla und seinen Tango Nuevo. Szenenapplaus und Bravorufe waren die Folge im vollbesetzten Kreuzgang.

Christiane Karg hat sich nicht gescheut, neue Wege zu beschreiten und Lieder von Astor Piazzolla und Kompositionen weiterer argentinischer Komponisten wie Alberto Ginastera und Carlos Guastavino zu präsentieren. Subtil auch der biografische Zusammenhang: Piazzolla hat bei Ginastera studiert, und Guastavino ließ sich wie Piazzolla vom heimatmusikalischen Idiom inspirieren. Das musikalische Umfeld Piazzollas fand auch Beachtung mit einem Lied seiner Mentorin und Lehrerin am Konservatorium in Paris, Nadia Boulanger: „Elle a vendu mon coeur” – „Sie verkaufte mein Herz”.

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Mit klarer Aussprache sowohl im französischen als auch im meist spanischen Repertoire und einer abwechslungsreichen Gestaltung gelang Christiane Karg eine vielschichtige, innige und gesangstechnisch souveräne Interpretation der Lieder. Schon immer zeichnet es ihren Gesang aus, dass sie jeden Ton mit Sorgfalt in einen genau geprüften Sinnzusammenhang setzt.

Christian Gerbe brachte Tango-Seele zum Lodern

Dies ließ sie den argentinischen Liedern für Singstimme und Klavier auch angedeihen. So erhob sich der Mond als Symbol der Liebe in Alberto Ginasteras „Canción a la luna lunanca” in ihrem Gesang zärtlich, oder sie weinte im Carlos Guastavinos „La rosa y el sauce” in einem naiv-melancholischen Gefühlsausbruch imaginäre Liebestränen.

Doch die erlesensten Momente gelangen ihr mit Piazzollas Liedern „Oblivion”, „Los pájaros perdidos”, „Chiquilín de Bachin” und „Yo soy Maria” zusammen mit den vier brillant aufspielenden Instrumentalisten. Beeindruckend, wie sie Emotionen und die melancholische Stimmung dieser Lieder herausarbeitete.

„Ich bin ein Tango-Mann. Aber meine Musik gibt zu denken. Denen, die Tango lieben, und denen, die gute Musik mögen”, sagte Piazzolla über sich. Das Bandoneon, das er meisterhaft beherrschte, gehört neben Emotionen, Romantik und Melancholie untrennbar auch zum Tango Nuevo. Der Bandoneon-Spieler Christian Gerbe brachte die Tango-Seele des Publikums zum Lodern und gestaltete seinen Part originell und expressiv. Wunderschön sein Solo in „Muerte del Ángel”.

Milonga auf dem Marktplatz

Mit viel Herz musizierten auch der Violinist Bernhard von Gabelentz und der Kontrabassist Winfried Holzenkamp, letzterer vor allem herausragend in „Contrabajísimo”. Ulrike Payers Klavierspiel erklang effektvoll, jedoch ohne Effekthascherei. Im aufwühlenden „Tangata” entfachte sie ein wahres Feuerwerk an Fingerfertigkeit, das einmal mehr die Zuhörer zum Jubeln brachte.

Dass der Funke übersprang und die Tango-Euphorie auch bei der nachfolgenden Milonga auf dem Marktplatz in Feuchtwangen anhielt, war nach diesem temperamentvollen argentinischen Abend selbstredend.


Von Marion Etienne
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