Eine amerikanische Wissenschaftlerin reist in Bechhofen in ihre Vergangenheit | FLZ.de

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Veröffentlicht am 01.07.2025 20:05

Eine amerikanische Wissenschaftlerin reist in Bechhofen in ihre Vergangenheit

Zum Auftakt des Rundgangs durch den Wohnort der Vorfahren (von links): Bechhofens zweiter Bürgermeister Martin Günther und Heimatpflegerin Claudia Dommel empfingen Adina und Steven Bechhofer. (Foto: Johannes Flierl)
Zum Auftakt des Rundgangs durch den Wohnort der Vorfahren (von links): Bechhofens zweiter Bürgermeister Martin Günther und Heimatpflegerin Claudia Dommel empfingen Adina und Steven Bechhofer. (Foto: Johannes Flierl)
Zum Auftakt des Rundgangs durch den Wohnort der Vorfahren (von links): Bechhofens zweiter Bürgermeister Martin Günther und Heimatpflegerin Claudia Dommel empfingen Adina und Steven Bechhofer. (Foto: Johannes Flierl)

Adina Bechhofer, eine junge Wissenschaftlerin vom renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) bei Boston, ist auf den Spuren ihrer Vorfahren durch Bechhofen gewandelt. Ihr Besuch war eine tief emotionale Reise in die Vergangenheit ihrer jüdischen Familie, die einst aus Deutschland floh, um dem nationalsozialistischen Terror zu entgehen.

Für die Doktorandin der Elektrotechnik war es der erste Aufenthalt in Deutschland überhaupt. Begleitet wurde sie dabei von Steven Bechhofer, der in München lebt und in Bechhofen wohlbekannt ist, da er schon bei verschiedenen Gedenkveranstaltungen zu Gast war.

Steven Bechhofer ist der Sohn von Fred Bechhofer, dem Bruder von Adinas Großvater Ernst Bechhofer. Letzter wurde 1933 in Bechhofen geboren und floh 1938 mit seinen Eltern Clara und Bernhard Bechhofer sowie vier Geschwistern aus dem Ort.

Flucht nach Amerika

Der Familie gelang es glücklicherweise, in zwei Gruppen bis 1940 in die Vereinigten Staaten von Amerika, nach New York, zu emigrieren. Die ursprüngliche Schreibweise des Familiennamens sei „Bechhöfer“ gewesen, erklärte Steven Bechhofer. Doch die amerikanischen Einwanderungsbehörden hätten kurzerhand die Ö-Striche „kassiert“.

Zwei der Söhne von Clara und Bernhard Bechhofer dienten später in der US-Armee, wobei Jerry Bechhofer nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Besatzungssoldat nach Bechhofen zurückkehrte.

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Anlass für Adina Bechhofers Besuch in Deutschland war ein Vortrag über Photozellentechnik, den sie bei einem internationalen Photonik-Kongress in München hielt. Steven Bechhofer nutzte die Gelegenheit, Adina Bechhofer, deren Vater in New York Rabbiner ist und die selbst bis vor zehn Jahren in Israel lebte, die Stätten der Familiengeschichte zu zeigen.

Bewegt von der Gastfreundschaft

In Bechhofen wurden Adina und Steven Bechhofer von zweitem Bürgermeister Martin Günther und Heimatpflegerin Claudia Dommel empfangen. Im Rathaus konnten sie ein detailgetreues Modell der einstigen Scheunensynagoge bewundern. Diese, einst ein Kleinod mit einzigartigen Ausmalungen, wurde in der Pogromnacht des Jahres 1938 ein Raub der Flammen, wie Steven Bechhofer unterstrich. Auch das ehemalige Wohnhaus der Familie an der Schloßstraße existiert heute nicht mehr.

Der Weg führte die Gruppe weiter zum Shoa-Denkmal, das an die Opfer jüdischen Glaubens aus Bechhofen erinnert, sowie zum Denkmal am Synagogenplatz. Besonders beeindruckt zeigte sich Adina Bechhofer von der Größe und der friedlichen Atmosphäre des jüdischen Friedhofs, wo sie auf die Suche nach den Gräbern ihrer Vorfahren ging.

Die junge Frau bekannte, dass der Besuch für sie ein zutiefst emotionales Ereignis war. Zugleich zeigte sie sich sehr bewegt von der ihr entgegengebrachten Gastfreundschaft und der Tatsache, dass Schilder Auskunft über die jüdische Geschichte des Ortes geben.


Von Johannes Flierl
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