Ein Uffenheimer wird nicht Bürgermeister der Stadt Röttingen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 15.09.2024 18:45, aktualisiert am 16.09.2024 15:15

Ein Uffenheimer wird nicht Bürgermeister der Stadt Röttingen

Jürgen Boier, Geschäftsleiter der Stadt Bad Windsheim, ist nicht neuer Bürgermeister in Röttingen. (Foto: Gerhard Krämer)
Jürgen Boier, Geschäftsleiter der Stadt Bad Windsheim, ist nicht neuer Bürgermeister in Röttingen. (Foto: Gerhard Krämer)
Jürgen Boier, Geschäftsleiter der Stadt Bad Windsheim, ist nicht neuer Bürgermeister in Röttingen. (Foto: Gerhard Krämer)

Eigentlich sollte es eine klare Sache sein, doch es reichte nicht: Der Uffenheimer und Geschäftsleiter der Stadt Bad Windsheim, Jürgen Boier (45), war zwar offiziell der einzige Bürgermeisterkandidat für die Stadt Röttingen (Landkreis Würzburg), unterlag aber trotzdem.

Kurz vor dem Showdown am gestrigen Sonntag hatte es bereits wilde Gerüchte um einen Kandidaten aus dem Untergrund gegeben. Und tatsächlich... 41,5 Prozent der Stimmen konnte Jürgen Boier für sich verbuchen. 58,5 Prozent gingen an „Vom Wähler benannte Personen“, wie es in der ersten Bekanntgabe um 18.32 Uhr auf der Homepage der Stadt Röttingen hieß. Zu diesem Zeitpunkt war eine Stichwahl noch möglich.

Beim Anruf unserer Redaktion im Röttinger Rathaus herrschte gerade aufgeregtes Treiben. Friederike Schielein, stellvertretende Amtsleiterin, erwartete die Unterlagen, um die aufgeschriebenen Namen auszuwerten. Wie aber ist das überhaupt möglich, bei nur einem Kandidaten? Jeder Wähler und jede Wählerin hat die Möglichkeit, einen anderen Namen auf den Stimmzettel zu schreiben. Bekommt dieser von den Bürgern bestimmte Kandidat mehr als 50 Prozent, ist er tatsächlich als Bürgermeister gewählt und kann dieses Amt annehmen. Und davon machten die Röttingerinnen und Röttinger offenbar eifrig Gebrauch.

Viele Bürger votierten für Steffen Romstöck

Jürgen Boier war der gemeinsame Kandidat von Freien Wählern, Unabhängigen Bürgern und der CSU in Röttingen. Bis zur Frist hatte keine weitere Person ihren Hut in den Ring geworfen. Doch zuletzt hatte es Gerüchte gegeben, dass in der 1700-Einwohner-Stadt Stimmung gegen den Uffenheimer gemacht werde und womöglich einige Bürger einen anderen Namen auf den Zettel schreiben könnten. Zwar erreichte Jürgen Boier 41,5 Prozent der Stimmen, doch der Mister X aus dem Untergrund schnappte ihm den Posten vor der Nase weg.

Denn wie die Stadtverwaltung in Röttingen am Sonntagabend um kurz nach 20 Uhr bestätigte, hat es für besagten Mister X gereicht: Steffen Romstöck erreichte, obwohl er nicht auf dem Stimmzettel stand, aus dem Stegreif 51,9 Prozent der Stimmen – die Wahlbeteiligung lag bei 61,4 Prozent. Die restlichen Prozente fielen auf andere Personen.

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Romstöck ist im unterfränkischen Städtchen kein Unbekannter, war bereits von 2014 bis 2020 dritter Bürgermeister in Röttingen. Direkt nach der Bekanntgabe durch Wahlleiterin Friederike Schielein nahm er am Mikrofon vor dem Rathaus unter Applaus die Wahl an, berichtete ein Röttinger Rathaus-Angestellter auf Nachfrage.

„Man ist natürlich enttäuscht”

Der Bürgermeister-Traum von Jürgen Boier hatte sich also sehr jäh zerschlagen. Der Geschäftsleitende Beamte der Stadt Bad Windsheim war am Sonntag bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme auch nicht mehr erreichbar. Offenbar saß der Schock beim Uffenheimer einfach zu tief.

Am Montag erklärte Boier gegenüber unserer Redaktion dann ohne zu zögern, dass er der Stadt Bad Windsheim als geschäftsleitender Beamter erhalten bleiben will. „Man ist natürlich enttäuscht“, gab Boier zu. Gerne hätte er den Bürgermeister-Posten übernommen, die neue Aufgabe hätte ihn gereizt – sonst hätte er sich nicht beworben. Dennoch habe er stets gesagt: „Ich bin ein Kandidat und wer gewählt ist, weiß man erst am Tag der Wahl.“

Dass in Röttingen Stimmung gegen Boier gemacht werde, wurde vor der Wahl gemunkelt, auch dass womöglich manche Romstöck auf den Zettel schreiben könnten. Boier selbst hatte von Messenger-Gruppen gehört, in denen bebilderte Anleitungen kursiert haben sollen, die erklären, wie der Name auf dem Zettel eingetragen werden muss. Er selbst sei in keiner dieser Gruppen gewesen. Über die „Strömungen im Untergrund“ habe man wohl viele „Protestwähler“ aktiviert. Vertreter der Parteien seien am Wahlabend auf ihn zugekommen und hätten gesagt: „Es ist nicht deine Niederlage, es ist unsere.“

Wer am Sonntag noch ans Telefon ging, war Bad Windsheims Bürgermeister Jürgen Heckel. Mit der Nachricht konfrontiert, wirkte er völlig fassungslos. „Das stimmt doch nicht“, wiederholte er mehrfach vor sich hin. In seinen 28 Jahren Kommunalpolitik habe er so etwas noch nie erlebt. „Ich war felsenfest davon überzeugt, dass er es wird. Eigentlich war das doch so sicher wie das Amen in der Kirche.“

Heckel will mit ihm über seine Zukunft reden

Über Boiers Zukunft in der Bad Windsheimer Stadtverwaltung wollte Bürgermeister Heckel am Sonntag nicht sprechen. „Es gebietet der Respekt und der Anstand, dass ich vorher mit einem Geschäftsleitenden Beamten selbst spreche.“ Entsprechende Gespräche kündigte er für die nächsten Tage an. Obwohl Jürgen Heckel gegenüber unserer Zeitung gesagt hatte, die Wahl abwarten zu wollen, war bereits eine Stellenanzeige auch in unserer Zeitung erschienen. Ob sie nun hinfällig ist?

Für Boier war seine Kandidatur „nie eine Entscheidung gegen die Stadt Bad Windsheim“, sagte er am Montag. Es war schließlich keine Bewerbung auf eine ähnliche Stelle, „sondern ein ganz anderes Aufgabenfeld“. Deshalb sei für ihn klar, dass er Geschäftsleiter bleiben will.

Angesichts der Personalnot im Bad Windsheimer Rathaus und mit Blick auf die Landesgartenschau 2027 dürfte Jürgen Heckel zumindest froh sein, die wichtige Stelle des Geschäftsleitenden Beamten nicht neu besetzen zu müssen und durch eine längere Vakanz Zeit zu verlieren. Der Bürgermeister schloss das Telefonat mit den Worten: „Ich bin völlig platt, das hätte ich niemals erwartet.“ Damit scheint er nicht alleine zu sein.

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