Der jüdische Friedhof in Bechhofen gilt als einer der bedeutendsten in Süddeutschland. Mitglieder des Kameraden- und Reservistenvereins informierten sich auf der Anlage über die Geschichte des Ortes.
Bechhofens Heimatpflegerin Claudia Dommel engagiert sich für dieses kulturelle Erbe. Sie führt Gruppen über das rund zwei Hektar große Gelände und erzählt von der Geschichte des Ortes. Über 8000 Grabsteine müssen es wohl gewesen sein. Bechhofens jüdischer Friedhof gilt als einer der bedeutendsten in Süddeutschland. An einer ihrer Führungen nahmen rund 30 Mitglieder des Kameraden- und Reservistenvereins Bechhofen teil.
Die Teilnehmer erhielten während der Führung Einblicke in die Geschichte der jüdischen Gemeinden der Region sowie Informationen zu jüdischen Bestattungsriten und der Kultur rund um den Friedhof. Dommel stellte wissenschaftliche Dokumentationsmaßnahmen vor, die die Geschichte des Friedhofs und seiner Grabstätten festhalten. Bereits zwischen 2009 und 2012 war mit großem Aufwand eine erste Dokumentation entstanden.
Zur letzten Ruhe gelegt wurden auf dem größten jüdischen Friedhof des Fürstentums Ansbach Menschen aus der gesamten Region: bis 1820 aus Ansbach, bis 1870 aus Gunzenhausen. Außerdem brachten ihre Toten die Gemeinden aus Altenmuhr, dem heutigen Muhr am See, Leutershausen, Colmberg, Dennenlohe, Wassertrüdingen und Heidenheim.
Weil ein jüdisches Grab für alle Ewigkeit dem Toten gehört, dehnte sich der von einer Mauer umfasste Bechhöfer Friedhof räumlich aus. Die nach Osten ausgerichteten Ruhestätten sind schmucklos, ohne Blumen. Besucher lassen zum Zeichen ihres Besuchs lediglich einen kleinen Stein zurück. Mit der Zeit verwittern die mit hebräischen Schriftzeichen und Worten versehenen Tafeln, versinken, verschwinden. Von den 8000 Grabmalen sind heute noch rund 2200 sichtbar.
Diese noch vorhandenen Zeugnisse werden wissenschaftlich erfasst, wie Claudia Dommel berichtet. Die Geschichte des Friedhofs ist laut Dommel der Ausgangspunkt für die Erforschung der jüdischen Gemeinden in der Region. Seit 2017 gibt es ein Kooperationsprojekt der Lokalen Aktionsgruppen Fürth, Aischgrund, Romantische Straße und Hesselberg. Einbezogen ist auch das Salomon Ludwig Steinheim-Institut für deutsch-jüdische Geschichte in Essen, das für die Epigraphik zuständig. Die Erkenntnisse fließen in die Datenbank zur jüdischen Grabstein-Epigraphik „epidat“ ein, die der Inventarisation, Dokumentation, Edition und Präsentation dient.
Das Institut hat im Auftrag von „Bet Olam“, dem Verein zur Erforschung und Dokumentation des Jüdischen Friedhofs Schopfloch, auch 1200 Inschriften von 1559 bis 1938 erfasst. Sie sind auf der Internetseite des Instituts einsehbar.
Auf diese Weise sollen auch die Bechhöfer Grabsteine bewahrt werden, denen die Verwitterung immer stärker zusetzt. Claudia Dommel, die – lange mit ihrem mittlerweile verstorbenen Vater Herbert Dommel – das jüdische Erbe ihrer Heimatgemeinde pflegt, beobachtet das mit Sorge, weil sich der Prozess immer deutlicher verstärkt.
Der Vorsitzende des Kameraden- und Reservistenvereins, Sven Waidmann, betonte, dass die vielen Teilnehmenden an dem Rundgang das Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der Geschichte ihrer Heimat sowie für die Bedeutung der jüdischen Kultur in Bechhofen dokumentiert hätten.