„Ein bisschen heile Welt”: So wichtig ist der Tourismus für Wolframs-Eschenbach | FLZ.de

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Veröffentlicht am 04.10.2025 15:31

„Ein bisschen heile Welt”: So wichtig ist der Tourismus für Wolframs-Eschenbach

Besonders für Radtouristinnen und -touristen ist Wolframs-Eschenbach ein Anziehungspunkt. (Archivbild: Jim Albright)
Besonders für Radtouristinnen und -touristen ist Wolframs-Eschenbach ein Anziehungspunkt. (Archivbild: Jim Albright)
Besonders für Radtouristinnen und -touristen ist Wolframs-Eschenbach ein Anziehungspunkt. (Archivbild: Jim Albright)

Wolframs-Eschenbach kommt an bei Touristinnen und Touristen. Am Wohnmobilstellplatz ist immer etwas los, vor den Toren der historischen Altstadt stehen regelmäßig Busse mit Besuchenden. Die Zahlen sprechen für sich: Über 29.000 Übernachtungen wurden im vergangenen Jahr gebucht.

„Hier passt alles”, sind sich Monika und Peter Richter aus Bad Kissingen sicher. Die beiden sitzen an einem warmen Spätsommerabend auf ihren Klappstühlen vor ihrem Wohnmobil. Seit etwa zehn Jahren kommen sie fast jedes Jahr nach Wolframs-Eschenbach. Am Wohnmobilstellplatz „Münsterblick” finden sie es einfach „wunderschön”.

Rundherum zufrieden

Die Stellplätze sind mit Hecken voneinander getrennt. Es ist sehr ruhig. Zwischen den Blättern der Bäume spitzelt der bunte Turm des Liebfrauen-Münsters hervor. Das Ambiente ist super, beschreiben die Richters. Aber auch drumherum passt einfach alles. Bäcker, Metzger, Gastronomie – alles ist wenige Minuten erreichbar. Ebenfalls wichtig: „Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist top”, so Monika Richter.

Alles ist gepflegt und sauber. „Ein Lob für den Platzwart”, sagt Peter Richter. Der 77-Jährige grinst und schaut zu Olaf Neuendorf, dem Platzwart. Neuendorf sieht täglich nach dem Rechten. Er kennt die Gäste – die, die jedes Jahr kommen, sowieso.

„Der Platz wird sehr gelobt”, erzählt er. Maximal sieben Tage darf man am Stellplatz verbringen. Viele reizen das aus, sagt Neuendorf. Das liegt auch an den Angeboten drumherum. Besonders wichtig für die Gäste ist immer die Gastronomie, weiß Neuendorf.

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Neben Restaurants und Wirtschaften gibt es auch einige Angebote für den schnellen Hunger. Frühstücksangebot, Mittagstisch zum Mitnehmen oder ein Glas Wein und ein Schälchen Oliven am Abend – man kommt in Wolframs-Eschenbach gut durch den Tag.

Weil man nicht den ganzen Tag essen kann, sind auch andere Programmpunkte gefragt. „Die Altstadt ist wunderschön”, schwärmt Monika Richter. Sie und ihr Mann haben schon viele Angebote genutzt. Die 70-Jährige zählt einige auf. Als die „Lauschtour” fällt, steigen die Nachbarn hinter der Hecke gleich mit ein. Ein Paar aus der Schweiz, sie haben die Tour am Vortag gemacht. „Es macht Spaß hier”, sagen die beiden, die eher zufällig auf dem „Münsterblick” gelandet sind.

Neben der Lauschtour gibt es auch den barrierefreien Literaturweg Franken und zahlreiche weitere Wanderwege. Museums- oder Stadtführungen sind ebenso beliebt. Allein im laufenden Jahr gab es schon rund 70 Stadtführungen, sagt Bürgermeister Michael Dörr.

Der Ritterspielplatz zieht nach wie vor viele Familien an, erzählt Dörr. Und: „Es sind extrem viele Fahrradfahrer da.” Die Stadt liegt am Wasserradweg und am Tore-Türme-Schlösser-Radweg, viele machen hier Halt.

Nicht nur bei diesen Zusammenschlüssen macht die Stadt mit. Sie ist auch Mitglied der Burgenstraße und des Tourismusverbandes Fränkisches Seenland. Die FLZ fragt dessen Geschäftsführer Hans-Dieter Niederprüm, was in Wolframs-Eschenbach noch besser werden könnte? „Schwierig”, sagt er. Und dann: „Eigentlich nichts.”

Er hebt besonders die „wunderbare, gut erhaltene Stadtsilhouette” hervor. Die bunten Häuser, Fensterläden, Fachwerk, fränkische Giebel: Die Altstadt ist ein Hingucker. Das ist Bürgermeister Dörr auch wichtig. Er legt viel Wert auf die Baukultur. Niederprüm weiß aber noch etwas, das für viele Besuchende zählt: eine gute Tourist-Info. Und die in Wolframs-Eschenbach ist super, lobt er. Es werde sich gut gekümmert um die Gäste.

Der Wohnmobilstellplatz, hübsche Hotelzimmer oder eine private Ferienwohnung – in Wolframs-Eschenbach gibt es alles. „Die Mischung machts”, betont Niederprüm. Es müsse für jede Zielgruppe etwas dabei sei.

Die Investition der Stadt in die Alte Vogtei sei ein wichtiger Punkt gewesen, analysiert Niederprüm. „Den Mut muss man erst mal haben”, sagt er anerkennend. Die Alte Vogtei, mitten im Herzen der Altstadt, bietet fränkische Küche und ein Hotel. Vier Jahre lang wurde das Gebäude renoviert, 2017 eröffnete es wieder.

21 Hotelzimmer mit insgesamt 40 Betten gibt es hier. Auch ein kleiner Wellnessbereich hat Platz gefunden, erzählt Hotel-Geschäftsleiter Jens Fuchs. „Im Sommer könnten wir unser Hotel dreimal vermieten”, freut er sich. Viele Gäste werden durch Fotos im Internet angezogen. Wenn sie dann da sind, sind sie oft „total begeistert” und kommen wieder.

Vor den Toren der Stadt liegt „Der Gary” – Vier-Sterne-Hotel, Wirtshaus, Metzgerei. 30 Zimmer hat der Betrieb aktuell. In den kommenden Jahren sollen 20 weitere dazu kommen, erzählt Felix Gary. Über 100 Betten sollen dann zur Verfügung stehen. Bisher sind es rund 80, damit bringe man einen Reisebus und einige zusätzliche Gäste unter.

Vor allem Gäste aus Deutschland

Zuerst soll aber die Metzgerei umgebaut werden. Die Familie schafft ständig neue Angebote und hat zum Beispiel mit Blick auf die Urlauber das Mittagsmenü abwechslungsreicher gestaltet. Außerdem bieten die Garys inzwischen auch Frühstück für Leute an, die nicht im Hotel schlafen.

Die Gäste kommen etwa zu 75 Prozent aus Deutschland, schätzt Gary. Viele nutzen Wolframs-Eschenbach gezielt als Ausgangspunkt für Ausflüge und Wanderungen. Häufig bleiben die Gäste wenige Tage, schildern Fuchs und Gary, zur Ferienzeit wird es auch einmal eine Woche.

Wasserradweg und das Seenland bringen viele Leute in die kleine Stadt. Einen Kritikpunkt gibt es trotzdem: „Im Winter ist nichts geboten”, sagt Jens Fuchs. Wenn Radfahren, Wandern und Baden flach fallen, wird es mau mit den Aktivitäten.

Bürgermeister Dörr will weiterhin ein Augenmerk auf den Tourismus legen. Oft geht das auch schon mit ganz kleinen Dingen, verrät er: bunte Girlanden, gepflegte Blumenkübel und saubere Wege. Die Menschen, die kommen, suchen die Idylle. „Und bei uns ist schon noch ein bisschen heile Welt”, sagt Dörr.


Antonia Müller
Antonia Müller
Redakteurin in der Lokalredaktion Ansbach
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