Die „Neefischers Madli“ in Kreuth halten zusammen | FLZ.de

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Veröffentlicht am 15.09.2024 07:00

Die „Neefischers Madli“ in Kreuth halten zusammen

Die Familie Neefischer war für die eigene Schäferei lange Zeit bekannt. Das Foto aus dem Jahr 1951 zeigt die vier Geschwister beim traditionellen Schafe scheren. Von links: Erna, Lina, Emma und Maria. (Foto: privat)
Die Familie Neefischer war für die eigene Schäferei lange Zeit bekannt. Das Foto aus dem Jahr 1951 zeigt die vier Geschwister beim traditionellen Schafe scheren. Von links: Erna, Lina, Emma und Maria. (Foto: privat)
Die Familie Neefischer war für die eigene Schäferei lange Zeit bekannt. Das Foto aus dem Jahr 1951 zeigt die vier Geschwister beim traditionellen Schafe scheren. Von links: Erna, Lina, Emma und Maria. (Foto: privat)

Vier Schwestern, alle über 80 Jahre alt, treffen sich regelmäßig im kleinen Dorf Kreuth – und das schon ihr ganzes Leben lang. Trotz Kriegswirren, harter Arbeit und persönlicher Schicksalsschläge sind ihre Familienbande unzertrennlich. Gemeinsam mit ihren Kindern bewahren sie die Erinnerungen an ihre Kindheit und das einfache Leben auf dem heimischen Schafshof.

An einem sonnigen Freitagnachmittag ist der Tisch in Kreuth, einem kleinen Dorf mit weniger als 20 Häusern im Landkreis Ansbach, bereits für Kaffee und Kuchen gedeckt. Käsekuchen, Erdbeerkuchen und ein Nusszopf stehen bereit, die Kaffeekannen dampfen. Nach und nach setzen sich die vier Schwestern Maria Miederer, Erna Popp, Emma Morgenstern und Lina Pfeiffer mit ihren Töchtern an den Tisch. Die Stimmung ist heiter und entspannt, es wird gelacht und geredet – Klatsch und Tratsch aus dem beschaulichen Kreuth.

Ein seltenes Phänomen

Maria Miederer, die älteste der vier Schwestern, wurde im Juli 1932 geboren und ist heute 92 Jahre alt. Es folgen Erna Popp, 89 Jahre alt, geboren im Mai 1935, Emma Morgenstern, 84 Jahre alt, geboren im Juni 1940, und schließlich Lina Pfeiffer, 82 Jahre alt, die im Dezember 1941 zur Welt kam. Die vier Schwestern sind sich bis heute nah, was die Familie als ein seltenes Phänomen ansieht.

Der Ursprung dieser engen Familienbande geht zurück auf die Mutter Karolina Neefischer, die 1932 in einer Wirtschaft in Cadolzhofen ihre erste Tochter Maria zur Welt brachte. „Es war kein Schloss, aber auch keine Hütte“, schreibt Maria in einem Gedicht über ihre Kindheit. Kurz nach der Geburt schuf der Vater, Fritz Neefischer, Platz für die junge Familie im Kreuther Wohnhaus. Drei weitere Kinder wurden in den folgenden Jahren geboren, alle in Kreuth.

Aufgewachsen sind die Schwestern auf der eigenen Schäferei, die für ihre Schafe und Wolle im Umkreis bekannt war. Während sich die Mutter Karolina um den Hof kümmerte, half die Großmutter Margarethe bei der Erziehung der vier Mädchen. Schon früh arbeiteten die Schwestern als Dienstmädchen auf verschiedenen Höfen. Maria Miederer übernahm oft die Verantwortung für ihre jüngeren Geschwister, wie Margit Probst, Tochter von Emma Morgenstern, berichtet.

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Berufsausbildung war damals undenkbar

„Der Krieg ist nicht spurlos an uns vorbeigezogen“, erinnert sich Maria Miederer. Eine Hungersnot blieb den Neefischers jedoch erspart, da viele Bauern auch illegal schlachteten, um sich selbst und die Nachbarn zu versorgen.

Nach dem Krieg heirateten die Schwestern im Alter von 18 bis 21 Jahren und arbeiteten auf den Höfen ihrer Ehemänner. Eine Berufsausbildung war damals undenkbar. Sie verteilten sich auf die umliegenden Orte Morlitzwinden, Windelsbach und Geslau, doch der Kontakt nach Kreuth riss nie ab.

Besonders tragisch war der Verlust von Lina Pfeiffers Sohn Erhard, der 1975 bei einem Mopedunfall im Alter von 16 Jahren ums Leben kam. Maria Miederer hatte Erhard bei sich in Kreuth aufgenommen und ihn dort mit Tochter Sonja groß gezogen. „Nach dem Tod war alles nicht mehr wie davor“, erinnert sich Sonja Weber, Tochter von Maria Miederer, an die Zeit kurz nach dem Verlust. Als dann Sonja Weber fünf Jahre später ein Kind zur Welt brachte, waren für Maria Miederer die Jahre der Trauer überwunden.

Immer ein offenes Haus für alle

Das Leben der Schwestern war einfach, doch erfüllt, wie Gertraud Mai, Tochter von Lina Pfeiffer, rückblickend erzählt. Neid gab es in der Dorfgemeinschaft nicht und heutige gesellschaftliche Probleme kannte man damals nicht.

„Das Familienhaus in Kreuth war schon immer ein offenes Haus“, berichtet Gertraud. Besucher, ob Schäfer, Jäger oder Nachbarn, waren stets in den Räumlichkeiten willkommen. Wenn jemand vorbeikam, hatte Maria Miederer jederzeit eine Kleinigkeit zu essen parat – da waren sich alle einig. „Eigentlich hätten wir ein Wirtshaus aufmachen müssen“, scherzt Sonja Weber. „Da sind wir ein wenig zu spät dran“, entgegnet Maria Miederer lachend.

Familienname ist ausgestorben

Der Name „Neefischer“ ist inzwischen ausgestorben, da keine der Schwestern ihn in die Ehe mitnehmen konnte. Doch in Kreuth und den umliegenden Orten sind sie bis heute als „Neefischer’s Madli“ bekannt. Bis heute sorgt die älteste Schwester Maria dafür, dass die Familie zu jedem Geburtstag zusammenkommt. Unterstützung erhalten die betagten Frauen inzwischen von ihren Töchtern, die sich um Fahrdienste, Kaffee und Kuchen bei den Feierlichkeiten kümmern.

Die vier Schwestern haben insgesamt zwölf Kinder zur Welt gebracht und damit den Grundstein für künftige Generationen und für neue Familien gelegt. Die „Neefischers Madli“ haben aber nicht nur ihren Familienbund über viele Jahrzehnte hinweg gestärkt, sondern darüber hinaus auch die Dorfgemeinschaft nachhaltig geprägt.

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