Ein riesiges A in Frakturschrift prangt auf dem Pullover. Grün auf schwarzem Stoff. Sieht man etwas genauer hin, entdeckt man innerhalb des As ein Foto des Herrieder Tores. Die Aufnahme und das gesamte Design hat Viktor Prokofjev erstellt.
Kunst, Fotografie und Design – das sind Prokofjevs Hobbys. „Da kann ich entspannen”, beschreibt der 36-Jährige. Kreativität ist sein Ding.
„Ich hab als kleines Kind schon den Stift in der Hand gehabt.” Mit Bleistift oder Kugelschreiber bringt er Porträts von Promis oder Bekannten aufs Papier. Gerne ist er auch mit der Kamera unterwegs, besonders in der Natur. Am Computer entwirft er Designs, die auf Pullover oder T-Shirts gedruckt werden.
Viktor Prokofjev stammt aus Kirgistan und kam als Kind nach Deutschland. Seit 1998 wohnt er in Ansbach. „Ich fühle mich hier daheim, es ist eine schöne Stadt”, sagt er. Viele gute Erinnerungen verbindet er mit Ansbach.
Deshalb hat es die Stadt dann auch in einige seiner Designs geschafft. Anscavallo, den Blick auf die Kirchtürme der St. Gumbertuskirche oder eben das Herrieder Tor – all das hat Prokofjev in seine Gestaltungen eingebaut. Diese Symbole „prägen Ansbach”, steht für den 36-Jährigen fest. „Und sie sehen gut aus.” Unter den großen Symbolen und Bildern findet man auch immer wieder einen Text zur Geschichte der Namensgebung Ansbachs.
Die Kleidung verkauft Prokofjev unter dem Namen VRatt. Das V kommt von seinem Vornamen Viktor, Ratt ist der Nachname seiner Mutter, erzählt er.
Die Ansbach Designs machen aber nur einen Bruchteil seiner Schöpfungen aus. Prokofjev gestaltet auch viele Klamotten mit Motivationssprüchen, auch Ratten finden sich immer wieder auf den Shirts – eine Anspielung auf den Ratt-Teil des Markennamens. Rat ist das englische Wort für Ratte.
Der Verkauf läuft über einen Onlineshop, der von einem US-Unternehmen betrieben wird. Hat sich jemand eines von Prokofjev designten Stücken ausgesucht und klickt auf bestellen, wird das Shirt oder der Pullover bedruckt und anschließend versandt. Um all diese Abläufe kümmert sich das Unternehmen als Dienstleister sozusagen.
Prokofjev bekommt am Ende eine kleine Provision. Das sind nur wenige Euro, erzählt er. Und er verkauft in dem Shop aktuell „kaum etwas”. Aktuell möchte er nicht mehr damit verdienen, es soll ein Hobby sein und hauptsächlich Spaß machen. Eigentlich arbeitet Prokofjev als Gebäudereiniger.
Die Grundlagen fürs Designen hat er sich im Selbststudium in seiner Freizeit beigebracht. Mit Hilfe von Videos im Internet hat er zum Beispiel gelernt, welche Schriften und Farben harmonieren. Natürlich holt er sich auch Inspiration von großen Marken und hält Ausschau nach aktuellen Trends.
Und er hat eine weitere Quelle: Prokofjev putzt auf seiner Arbeit auch in Ansbacher Kleidungsgeschäften. So bekommt er mit, welche Farben und Schnitte aktuell angesagt sind.
Die Ideen kommen oft „blitzartig”, erzählt er. Dann setzt er sich – wenn möglich – sofort an einen groben Entwurf. Das Finetuning nimmt dann häufig sehr viel Zeit in Anspruch. Verschiedene Nuancen bei der Schriftart werden begutachtet oder Abstände zwischen Elementen verrutscht. Prokofjev bezeichnet sich selbst in der Hinsicht als „pingelig” und als „Perfektionist”.
In seinem Kopf entstehen also die Ideen. Der 36-Jährige holt sich aber auch KI-Unterstützung, verrät er. Und zwar bei den Models. Auf seiner Instagramseite präsentieren Männer und Frauen die Kleidung. Diese Menschen wurden von KI erschaffen. Das Geld für echte Models und Fotografen spart Prokofjev damit.
Wenn es auch aktuell ein Hobby ist – Träume hat der 36-Jährige trotzdem. Ein eigenes Studio und eine Presse oder einen Drucker für Textilien sind Wünsche. Prokofjev will versuchen zu sparen und sich Mühe geben, „VRatt” weiter als Marke aufzubauen – auch mit modernen Ansbach-Designs.