Die „Hells Angels“ und die Spur des schmutzigen Geldes | FLZ.de

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Veröffentlicht am 30.09.2026 06:32, aktualisiert am 30.09.2026 12:29

Die „Hells Angels“ und die Spur des schmutzigen Geldes

Ein Mann aus dem Umfeld der „Hells Angels“ wird in Duisburg abgeführt. (Foto: Christoph Reichwein/dpa)
Ein Mann aus dem Umfeld der „Hells Angels“ wird in Duisburg abgeführt. (Foto: Christoph Reichwein/dpa)
Ein Mann aus dem Umfeld der „Hells Angels“ wird in Duisburg abgeführt. (Foto: Christoph Reichwein/dpa)

„Dies ist eine Maßnahme der Polizei, folgen Sie den Anweisungen der Polizei“, schallt es um 6.00 Uhr morgens durch ein Wohngebiet im Duisburger Norden. Sekunden später sind Knallgeräusche zu hören. Spezialeinsatzkräfte (SEK) sprengen sich den Weg in ein schwer gesichertes Einfamilienhaus frei. Es soll einem einflussreichen Rocker der „Hells Angels“ gehören. Zeitgleich stürmen mehr als 1.000 Einsatzkräfte rund 100 weitere Objekte in Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Bulgarien.

Es ist eine der größten Razzien gegen die „Hells Angels“, die es je gab. Und es ist ein riesiges Verfahren: 71 Beschuldigte gibt es laut Polizei, Vermögenswerte in Höhe von 48,6 Millionen Euro sollen beschlagnahmt werden. Die Ermittler nehmen am Mittwoch 14 Menschen mit Haftbefehlen fest.

Worum geht es im Kern?

Den Verdächtigen wird laut der zuständigen Polizei in Duisburg „die Bildung einer kriminellen Vereinigung, räuberische und gewerbsmäßige Erpressung, banden- und gewerbsmäßiger Betrug und gewerbsmäßige Geldwäsche vorgeworfen“. Außerdem gehe es um Waffendelikte, Körperverletzung und Steuerhinterziehung. Das wird in der Mitteilung der Ermittler wohlgemerkt nur als nachgeordnet notiert - was zeigt, worum es im Kern geht: schmutziges Geld.

„Der Fall verdeutlicht exemplarisch die Verflechtung krimineller Gruppierungen im Bereich der Organisierten Kriminalität und der internationalen Wirtschaftskriminalität“, so die Ermittler: „Durch professionelle Verschleierungshandlungen werden dabei erhebliche Geldbeträge einem künstlichen Wirtschaftskreislauf zugeführt und durch Straftaten erlangtes Vermögen unter anderem in Firmen und Grundbesitz investiert.“

Neues Landesamt für Finanzkriminalität nahm Spur auf

Auf diese Weise wurde aus Sicht der Behörden Geld gewaschen, das aus Drogenhandel, Schutzgelderpressungen oder dem Rotlichtmilieu stammt. Was den „Hells Angels“ dabei auch zum Verhängnis wurde: In NRW gibt es seit 2025 das Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität (LBF), in dem 1.200 Steuerfahnder aus allen Finanzämtern des Landes gebündelt wurden. Bekannt wurde das LBF durch eine Taskforce für Influencer - aber die Experten nahmen im Geheimen auch bei den „Hells Angels“ die Spur des Geldes auf.

„Die Ermittlungen unserer Steuerfahndung sind oftmals der erste Ansatz, um das Dunkelfeld Organisierter Kriminalität zu erhellen und deren Strukturen zu zerschlagen“, sagt NRW-Finanzminister Marcus Optendrenk (CDU). Und sein Kabinettskollege, Innenminister Herbert Reul (CDU) betont: „Wer die Organisierte Kriminalität treffen will, muss ans Geld. Denn Geld ist ihr Antrieb und Geld ihre Achillesferse. Wenn der Staat sich die Beute zurückholt, tut das mehr weh als jede Hausdurchsuchung.“

Razzien in NRW und vier weiteren Bundesländern

Von den Razzien sieht man aber im Gegensatz zu eingefrorenen Konten etwas. Und so sorgten die zeitgleichen Polizei-Einsätze für Aufsehen, die teilweise Stunden liefen. In Duisburg wurde unter anderem ein Restaurant durchsucht, Razzien gab es in NRW auch in Oberhausen, Mülheim an der Ruhr und Moers. Gleichzeitig waren Ermittler in Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und Berlin unterwegs.

In Nordrhein-Westfalen sind die „Hells Angels“ der größte Rockerclub. Laut Zahlen des Landeskriminalamts (LKA) aus dem Frühjahr gab es 29 sogenannte Charter (also lokale Ableger) mit 469 Mitgliedern. Nachdem die verfeindeten „Bandidos“ 2021 verboten worden waren, hatten sich viele der Rocker den „Hells Angels“ angeschlossen. Für die Höllenengel ist die Razzia ein harter Schnitt.

„Das ist der größte Schlag gegen die Organisierte Kriminalität seit mehreren Jahren“, lobt Innenminister Reul. Mit Bezug auf die Rocker sagt der Politiker: „Organisierte Kriminalität ist nicht nur die Kutte auf der Straße. Dahinter steckt ein Firmengeflecht aus Firmen und Immobilien, das schmutziges Geld sauber aussehen lässt. Genau dieses System nehmen wir auseinander.“ Reul, immer für einen knackigen Spruch zu haben, schiebt hinterher: „Und an alle, die sich angesprochen fühlen: Wir sind noch lange nicht fertig. Wir bleiben dran.“

© dpa-infocom, dpa:260930-930-765470/7


Von dpa
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