Die Wiederherstellung der Nepomukbrücke bei Altmannshausen soll voraussichtlich im Sommer beginnen. Bislang ist das historische, beim Hochwasser 2021 stark beschädigte Bauwerk – eine seltene Drei-Bogen-Brücke – nur provisorisch repariert.
Im Gemeinderat am Montagabend stellte Ingenieur Uwe Reuther die Planung vor. Er warf dabei auch einen Blick zurück, was es bislang alles an Erkenntnissen und Überlegungen gab. Dazu zählt etwa, dass das Hochwasser vom 9. Juli 2021 schier unermesslich war.
Reuther präsentierte Grafiken für verschieden starke Hochwässer. Im Fachjargon spricht man von HQ2 bei einem Hochwasser, wie es alle zwei Jahre auftritt. Mit HQ100 wird ein statistisch alle hundert Jahre vorkommendes Ereignis bezeichnet. Darüber hinaus gibt es noch die Stufe HQ-extrem. Reuthers Grafiken enthielten auch die Werte, welche Wasserstände dabei erreicht werden.
Doch die theoretischen Werte eines HQ-extrem „geben nicht den Stand wieder, der tatsächlich erreicht wurde“, sagte Reuther. So hätte zum Beispiel die Brüstung der Brücke auch bei einem Extremhochwasser nicht überschwemmt sein sollen, was an jenem Juli-Tag aber offenbar der Fall gewesen ist.
Die vom Wasser weggespülte Brüstung ist auch ein Detail beim Wiederaufbau. Die Denkmalbehörde, so erläuterte Reuther, hätte die Brücke gerne so originalgetreu wie möglich. Die ursprünglich niedrige Brüstung werde man nicht ganz hinbekommen, aber man werde die Brüstungshöhe so weit wie möglich reduzieren, erklärte der Ingenieur.
Das ist beileibe nicht die einzige technische Anforderung. Reuther berichtete von umfangreichen Untersuchungen. Dazu gehörten beispielsweise auch ein Laserscanning der Landschaft sowie Bodenerkundungen. Bei den Probebohrungen sei man auch auf eine holzige Schicht gestoßen. Das deute darauf hin, dass die Brücke „in irgendeiner Weise auf Holzpfähle gegründet“ ist.
Darauf kann man heutzutage nicht mehr aufbauen. Sonst müsste die Belastungsgrenze der Brücke wohl auf 3,5 Tonnen gesenkt werden. Geplant sind nun neue Pfähle, und zwar 17 Meter tief in die Erde; erst dann stoße man auf ausreichend tragfähigen Grund. Reuther sprach von „Mikropfahlgründungen“. Diese werden planerisch um etwa 30 Prozent überdimensioniert, um beim Bau gegen Überraschungen gewappnet zu sein.
Eine Herausforderung bei der Planung war, dass sich durch die wiederhergestellte Brücke der rechnerische HQ100-Pegel nicht um mehr als drei Zentimeter verändern soll. Ansonsten drohte ein verschärftes Genehmigungsverfahren, warnte Reuther.
Insgesamt wurden fünf Varianten untersucht, darunter zwei komplette Neubauvarianten, die aber auf den Widerstand der Denkmalschutzbehörde stießen. Wie Bürgermeister Klaus Nölp wiederholt anmerkte, musste man sich mit verschiedenen Behörden einigen, darunter auch mit der Straßenbaubehörde und dem Wasserwirtschaftsamt.
So wurde etwa auch erwogen, ob ein Entlastungskanal die Hochwasserproblematik entschärfen könnte. Das wäre jedoch kaum der Fall, so dass man zu den etwa 200.000 bis 250.000 Euro hohen Kosten keinen Zuschuss des Wasserwirtschaftsamtes erwarten könnte.
Die Baukosten für die Variante, die nun zum Zug kommen soll, bezifferte Reuther auf zirka 790.000 Euro, davon 710.000 Euro für die Brücke und 70.000 Euro für die Straße. Dies läge also noch im Rahmen der zugesagten 800.000 Euro an Bundesförderung. Allerdings sprach Nölp noch von Nebenkosten; dafür werde er ebenfalls eine Förderung beantragen.
Die künftige Brücke wird keinen richtigen Gehsteig mehr haben, sondern nur noch Bordsteine als „Anprallschutz“; der Verkehr werde im Prinzip nur einspurig geführt werden können und auf Tempo 30 begrenzt werden müssen.
Reuther rechnete mit noch zwei, drei Monaten Planungszeit. Unter anderem seien „mehrere Wasserrechtsverfahren“ nötig. Zwischen Mai und Juli könnten die Ausschreibung und die Auftragsvergabe erfolgen. Einen Baubeginn im August hielt er für möglich. Die Bauphase dauere dann voraussichtlich bis zum Sommerende 2026. Die für die Zuschussgeber wichtige Schlussabrechnung muss bis Sommer 2028 vorliegen.
Während der Bauphase greife man auf die Verkehrsführung zurück, die schon nach der zerstörungsbedingten Sperrung der Brücke eine Zeit lang gegolten hatte; also eine Verlegung der Dorfzufahrt nach Nordwesten. Für Fußgänger und Radfahrer gebe es hingegen 150 Meter bachabwärts eine Querungsmöglichkeit.
Markus Bauer (CSU) fragte nach der Haltbarkeit des Bauwerks. Reuther erklärte, man kalkuliere auf eine Nutzungszeit von hundert Jahren. Dies bedeute nicht, dass in dieser Zeit nichts an der Brücke gemacht werden müsste; Unterhaltsarbeiten seien sehr wohl nötig. Aber: „Die nächsten 25 bis 30 Jahre sollte auf jeden Fall Ruhe sein.“
Nölp merkte an: „Das Wasser wird immer noch durchlaufen, und Hochwasser wird es weiterhin geben.“