Der Uffenheimer Norbert Hettmer (62) ist ein Handwerker wie aus dem Lehrbuch. Seine Hände sind sein Werkzeug. „Ich komme noch aus einer anderen Epoche“, scherzt er, „aus der Generation Dinosaurier.“ Von seiner Steinmetztätigkeit aus hat er sich mehr und mehr der Kunst verschrieben, der Freiheit. Nun stellt er in der Galerie im Uffenheimer Windstützpunkt aus.
Von der akademischen Kunst kommt er nicht, das betont Norbert Hettmer gleich zu Beginn. Sein Vater hat sich als Autodidakt die Malerei beigebracht, Norbert Hettmer selbst formt als Steinmetz und Bildhauer Skulpturen, beschlägt Steintafeln und bildete – als ganz besonderes Projekt – den Statuenmenhir von Gallmersgarten nach. 46 Berufsjahre zählt der Freiberufler mittlerweile. Und zwischen dem „Brotberuf“ gönnt sich Hettmer seine Freiheiten: die Kunst.
Sein Quell der Inspiration sind Spaziergänge, Wanderungen und Radtouren durch Wald, Feld und Flur. „Das macht mir den Kopf frei – und der größte Künstler ist ohnehin die Natur.“ Seine Werke lässt er bewusst deutungsoffen, sie tragen nur einen kurzen Titel – „ein, zwei, drei Worte“, sagt Hettmer. Der Rest soll die Gedankenwelt der Betrachterinnen und Betrachter in Gang setzen – mal provokativ, mal interessant, mal gefällig und naturschön.
Da wird ein Fundstück aus dem Wald zum „Kleinen Prinz“ oder ein böser Gartenzwerg wird hinter Gitter gesetzt, und ärgert sich jetzt blau. Ein Stiefelknecht wird mit Jesus verglichen oder ein Weinstock zum Kruzifix. „Bei mir passiert das im Kopf“, sagt Norbert Hettmer, „und dann geht es schnell in die Ausführung.“ Der Uffenheimer spricht von einem „Wandelprozess“, beim Werkeln kommt eine neue Idee, eine andere erscheint plötzlich unpassend. Steter Wandel eben. Sein künstlerisches Wesen sei von Neugier geprägt. Er möchte Neues entdecken.
Ein Schlüsselmoment: das Kennenlernen seiner Frau Claudia Kusinski. „Sie hat neue schöpferische Kraft in mir freigesetzt, neue fruchtbare Wege eingeleitet.“ Womöglich ein wenig eingefahren in Bewährtes sei er gewesen, auch berufsbedingt. „Da ist es manchmal gut, wenn man einen Stolperer hat im Leben – einen positiven, einen sehr, sehr positiven Stolperer.“
Hettmer zeigt auf ein Stück Holz, gefunden hat er es in einem Bach. Ein Jahr lang nahm er sich Zeit, das Exponat zu lesen, zu interpretieren und zu einem Kunstwerk zu formen. „Viel war da nicht mehr nötig.“ Mutter Natur hat hervorragende Vorarbeit geleistet. Der Künstler hat eine flehende Figur erkannt, kniend, betend. Darunter hat er eine Europa-Fahne angebracht – ausgebleicht und zerrissen. Ein intaktes Europa, eine intakte Gesellschaft, beides kann Hettmer derzeit nicht so recht erkennen. Ja, auch politische Aussagen scheut er nicht. Allerdings lässt er bewusst Platz für Interpretation.
Ein weiterer Pfeiler bei seinen Arbeiten: der Glaube. Norbert Hettmer war fast 30 Jahre lang in der Friedhofskultur tätig, hat Grabsteine gefertigt, „da lässt sich auch das eine oder andere Künstlerische zum Ausdruck bringen“. Der 62-Jährige ist ein gläubiger Mensch, „aber kein guter Kirchgeher“, betont er und lacht. „Ich bin verwurzelt in einer höheren metaphysischen Instanz.“ Monotheistisch, nur ein Gott.
In seinem Garagen-Atelier liegt ein Stein, eine Platte für ein Haus in Uffenheim. Ein wenig rote Farbe hat er schon gepinselt, die Buchstaben graviert. „Alles Handarbeit“, sagt Hettmer. „Ich komme eben aus einer anderen Epoche“, der Generation Dino.
„Müssen wir uns entscheiden? – Für Gott oder die Welt?“ Diese Frage wirft Norbert Hettmer in seiner Ausstellung „Gott oder die Welt“ in der Galerie Uffenheim im Windstützpunkt auf. Begleitet wird sie mit fotografischen Momentaufnahmen von seiner Ehefrau Claudia Kusinski. Geöffnet ist am 1., 4. und 5. Mai sowie am 9., 11. und 12. Mai jeweils von 14 bis 17 Uhr.