Der Tausendsassa der Stadt: Wie ein Baumeister Dinkelsbühl bahnbrechend schützte | FLZ.de

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Veröffentlicht am 09.10.2025 14:00

Der Tausendsassa der Stadt: Wie ein Baumeister Dinkelsbühl bahnbrechend schützte

Max Neeser war von 1888 bis 1912 Stadtbaumeister in Dinkelsbühl. (Foto: Thomas Neeser)
Max Neeser war von 1888 bis 1912 Stadtbaumeister in Dinkelsbühl. (Foto: Thomas Neeser)
Max Neeser war von 1888 bis 1912 Stadtbaumeister in Dinkelsbühl. (Foto: Thomas Neeser)

Er hat in Dinkelsbühl die Typhusgefahr gebannt und dämmte den Milzbranderreger ein: Max Neeser. Vor 80 Jahren verstarb der ehemalige Stadtbaumeister im Alter von 88 Jahren. Von 1888 bis zum Jahreswechsel 1912/13 veranlasste er zahlreiche, in der damaligen Zeit bahnbrechende Innovationen in der Stadt.

Die Typhusgefahr wurde durch den Bau einer Abwasser-Kanalisation gebannt. Die Einrichtung eines ersten Elektrizitätswerkes ermöglichte eine zentrale Trinkwasserversorgung, unabhängig von den zahlreichen Brunnen der Stadt. Quasi als Abfallprodukt wurde damit auch eine elektrische Straßenbeleuchtung in der Altstadt ermöglicht. Der Gefahr einer Infektion von Beschäftigten der zahlreichen Pinselfabriken in der Stadt mit dem gefährlichen Milzbranderreger wurde durch Errichtung einer Desinfektionsanstalt begegnet. Viele Straßenzüge in der Stadt wurden erstmalig gepflastert. Das sind nur einige Beispiele des Wirkens des Stadtbaumeisters.

Er bemühte sich um den Erhalt der alten Bausubstanz

Max Neeser bemühte sich insbesondere aber auch, die historische Bausubstanz der Stadt zu erforschen und für deren Erhaltung zu sorgen. Darüber hinterließ er nicht nur etliche Veröffentlichungen, sondern auch umfangreiche Manuskripte. Sein Sohn, Ludwig Neeser, verfolgte die Intensionen seines Vaters weiter und fertigte zu einzelnen Themenkreisen Skizzen, Fotos und sonstige Illustrationen an. Der Großteil dieser Dokumentationen blieb bisher unveröffentlicht.

Thomas Neeser, der Urenkel Max Neesers, der bei München lebt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Unterlagen und Manuskripte durchzuarbeiten und für eine Drucklegung aufzubereiten. Ursprünglich war vorgesehen, daraus je einen Sonderdruck des Historischen Vereins Alt-Dinkelsbühl zu erstellen, erzählt er. Die Verhandlungen darüber gestalteten sich jedoch außerordentlich schwierig, sodass das Vorhaben nach über einem Jahr aufgegeben worden sei. Schließlich entstanden ohne Beteiligung weiterer Institutionen und Sponsoren zwei Bände, die ab sofort über den Buchhandel verfügbar sind.

Hygienische Verhältnisse im Mittelalter

Der erste, eine Neubearbeitung, trägt den Titel „Des Bürgermeisters Seitz Berlin Zeit – Bilder aus Dinkelsbühls Vergangenheit (15. Jahrhundert)“. Es erschien ursprünglich 1923 als reiner Textband. Max Neeser beschreibt darin in der Art eines Historienromans anhand belegter Ereignisse und Zeugnisse die politischen, sozialen und hygienischen Verhältnisse in Dinkelsbühl zur Zeit des Mittelalters. Diese Ereignisse sind der Bau des Münsters St. Georg, der Städtekrieg, der Erbfolgekrieg, ein Preisschießen auf dem Schießwasen sowie ein großer Brand in der Stadt.

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Die neue Bearbeitung hat 260 Seiten und entstand aus den Ergänzungen und Notizen, die Max Neeser bereits für eine zweite Auflage gesammelt hatte, berichtet Urenkel Thomas Neeser. Eingearbeitet sind darüber hinaus auch 60 Illustrationen, bestehend aus kleinen Aquarellen, Fotos und Skizzen, die der frühere Stadtbaumeister dazu angefertigt hat.

Ursprünglich acht Teile geplant

Das zweite Buch, das Thomas Neeser herausgegeben hat, heißt „Von der Baugeschichte der Stadt Dinkelsbühl“ und erschien erstmals1912 mit dem Untertitel „Zeit des Erd- und Holzbaues“. Es war der erste von ursprünglich vorgesehenen acht Teilen. Die nun mit Unterstützung durch das Stadtarchiv Dinkelsbühl fertiggestellte Gesamtausgabe beinhaltet alle vorhandenen Manuskripte, die die seinerzeit angekündigten Teile so gut wie vollständig abbilden.

Max Neeser hat darin alle seine fundamentalen Forschungsergebnisse festgehalten sowie weitere, die er einschlägigen Chroniken sowie Dokumenten des Stadtarchivs entnehmen konnte, schildert Thomas Neeser seine Erkenntnisse. Behandelt werden neben der Entwicklung der Stadt ab den ersten Ansiedlungen auch diejenigen der Stadtbefestigungsanlagen, also der Stadtmauer und der Stadttürme, der Häuser in der Altstadt sowie der klösterlichen Anlagen. Den Abschluss bildet ein Blick auf die in Dinkelsbühl ehemals tätigen Steinmetze und ihre Zeichen.

Eingearbeitet hat Thomas Neeser auch einen Abriss über die Rechtseinrichtungen der damaligen Zeit sowie über das Münster St. Georg. Soweit möglich, wurden Fotos ergänzt, die zum überwiegenden Teil von Max Neeser selbst angefertigt wurden. Dieses Werk umfasst 748 Seiten mit 182 Abbildungen und Skizzen.

Die Vorstellung der beiden Bücher wird am Samstag, 11. Oktober, um 18 Uhr im Haus der Geschichte stattfinden. Thomas Neeser gibt im Rahmen einer Präsentation mit Lesungen ausgewählter Passagen Einblicke in beide Werke.

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