Mercedes bekennt sich mal wieder zu Kind und Kegel. Zwar lassen die Schwaben keine Gelegenheit aus, ihre Rolle als führender Luxushersteller zu betonen. Doch wenn sie jetzt nach dem CLA und dem GLC als drittes Modell ihrer zweiten Elektro-Welle den GLB in neuer Generation an den Start bringen, haben sie vor allem die Familien im Sinn.
Allerdings brauchen auch die durchaus einen gewissen finanziellen Spielraum, denn auch wenn Mercedes sich am Vorgänger EQB orientiert, ist die neue Familienkutsche mit Stern kein Schnäppchen: Die Preise starten bei 53.450 Euro.
Es geht allerdings auch ein bisschen billiger. Weil die Schwaben auch Elektro-Zauderer unter den Kunden wähnt, gibt es den handlichen Geländewagen auch als Verbrenner mit elektrischem Hilfsmotor - und die Preise sinken auf bestenfalls 50.397 Euro.
Gemessen am Vorgänger gibt es dafür deutlich mehr Auto - nicht nur beim Antrieb, sondern schon bei den Abmessungen. Aufrecht gezeichnet und deshalb natürlich nicht ganz so windschnittig wie der CLA, streckt sich der GLB im Radstand um sechs und in der Länge um fünf Zentimeter.
Jetzt misst er 4,73 Meter, die Achsen stehen 2,93 Meter auseinander, und drinnen ist es so geräumig, dass der GLB weiterhin einer der seltenen Siebensitzer im Segment ist. Neu: Jetzt kann man die mittlere Sitzreihe noch weiter verschieben und in der dritten entsprechend besser sitzen.
Außerdem sorgt das große Panoramadach für eine lichte Atmosphäre. Auch der Kofferraum ist von stattlichem Format und fasst 540 bis 1.715 Liter - und da ist der Frunk von imposanten 127 Litern noch gar nicht mitgerechnet.
Zur neuen Bewegungsfreiheit und dem bequemeren Zustieg gibt’s auch eine neue digitale Berieselung. Denn genau wie alle andern Elektroneuheiten bei Mercedes bekommt auch der GLB einen Hyperscreen mit voll verglastem Cockpit und Bildschirmen bis vor den Beifahrer.
Darauf läuft das hauseigene Betriebssystem für zahlreiche Apps von der Selfie-Kamera bis zum Telespiel und ist offen für Updates over-the-air - so wird das Auto über die Jahre nicht älter, sondern besser, versprechen die Schwaben.
Beim Fahren geht der Flirt mit der Familie weiter. Denn die Elektroversion ist ein wunderbar entspannter Gleiter, der Straßenschäden locker wegfedert und sich dem Nachwuchs sehr magenfreundlich präsentiert. Klar, wer Fahrspaß haben und energisch um die Ecken flitzen will, der nimmt lieber den CLA. Da sitzt man tiefer, hat eher das Gefühl von Kontrolle und obendrein die sportlichere Abstimmung.
Aber auch im GLB kommt der Puls auf Touren, wenn der Fahrer es darauf anlegt. Schließlich sind E-Motoren Beschleunigungswunder, auf der Autobahn sind bis zu 210 km/h drin und auf der Landstraße lenkt er sauber und präzise, während er in der Stadt wunderbar angenehm ist.
Rangieren wird deshalb auch mit dem großen Format zum Kinderspiel, zumal es an allen Ecken Kameras gibt und einen Assistenten, der einem die Arbeit gleich ganz abnimmt.
Den Antrieb übernehmen ein oder zwei E-Motoren. Die Basisversion GLB 200 fährt mit 165 kW/224 PS und 58 kWh auf dem Prüfstand bis zu 431 Kilometer weit. Der 250+ bekommt eine 200 kW/272 PS starke E-Maschine an der Hinterachse, der GLB350 4Matic hat 260 kW/354 PS und Allradantrieb.
Die Energie liefert in beiden Fällen ein Akku mit 85 kWh, der im besten Fall mit 22 kW/320 kW nachgeladen wird und Normreichweiten von 614 und 631 Kilometern ermöglicht. Da lässt Mercedes genau wie beim Spitzentempo die europäische Konkurrenz hinter sich und schließt zu den führenden Chinesen auf.
Alternativ gibt es eine Hybridversion, die nur wenige hundert Meter elektrisch fahren kann. Sie bietet Mercedes in drei Leistungsstufen an: Zur 22 kW/30 PS starken E-Maschine in der Achtgang-Doppelkupplung kommt ein 1,5 Liter großer Vierzylinder-Benziner, der wahlweise 100 kW/136 PS, 120 kW/ 163 PS oder 140 kW/190 PS leistet. Die beiden stärkeren Modelle bietet Mercedes auch mit Allradantrieb an.
Billiger und geräumiger als ein GLC, die gleich gute elektrische Performance wie der CLA, aber der praktischere Aufbau und als einer der ganz wenigen Kompakten unter Strom mit sieben Sitzen – so wird der GLB zum Traumwagen für die Pampersfraktion mit praller Familienkasse. Und wer von E-Mobilität nichts wissen oder zumindest ein bisschen was sparen will, bekommt ihn auch als Hybrid. So macht es der GLB (fast) jedem recht.Datenblatt: Mercedes GLB 250+
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