Ein Aufstand wegen einer Bierpreiserhöhung? Mit Daniel Fiolgas musikalischem Lustspiel brachten Auszubildende der Berufsfachschule für Musik des Bezirks Mittelfranken am Montag dazu eine gelungene Interpretation auf die Bühne im Konzertsaal der Schule.
Frühjahr 1844: Unruhige Zeiten für den jungen Weiland Gotthold Biedermaier (Marisa Kochinke), er ist verliebt in Lieschen Müller (Katharina Riel). Ein zurückhaltender Schwärmer, ein völlig unpolitischer Bürger. Nach zwei missglückten Versuchen, der Angebeteten ein Ständchen zu singen oder sie gar nach dem Gottesdienst anzusprechen, wird vom König zu allem Überfluss auch noch der Bierpreis um einen Pfennig erhöht. Das geht jetzt auch Biedermaier zu weit, mit seinen Freunden plant er einen Aufstand.
Daniel Fiolga, Dozent für Gesang an der Schule, packt in sein überaus spritziges Lustspiel Musik aus der Zeit des Vormärz und des Biedermeiers, schafft dadurch einen passenden Rahmen, den er nicht allzu streng anlegt. Er verbindet alles mit forschen Dialogen, spart nicht an Ironie und Anspielungen.
Das Ensemble sowie auch die Musikerinnen und Musiker (Klavier, Orgel, Klarinetten) machen sich mit großer Spielfreude an diese parodistische Steilvorlage, die aber auch durch eine geschickte Liedauswahl überzeugt.
Arien wechseln mit Trink- und Studentenliedern, Kirchenlied mit Volkslied oder romantischen Vertonungen. Mozart ist neben vielem anderen zu erahnen, aber auch Schubert oder Johannes Brahms. Etwa „Wie komm ich denn zur Tür herein“. Wunderbar von den beiden Liebenden dargeboten.
Durchkreuzt hat die Pläne allerdings der aufmerksam wachende Müller’sche Hund. Ein komödiantisches Highlight, als vierbeinige Nebenrolle gespielt von Sänger Jakob Klaus.
Die Szenenorte variieren zwischen Gottesdienst, der Wirtsstube „Hofbräuhaus“, Biedermaiers Zimmer, dem Haus der Angebeteten oder auch der Amtsstube. Denn dorthin ziehen die aufgebrachten Untertanen des bayerischen Königs, lautstark die Marseillaise angestimmt, um sich gegen die Bierpreiserhöhung zu wehren. Ein Antrag auf Umsturz muss vorher allerdings her. Deutsches Formularwesen eben.
Am Ende lenkt der König ein, die Verteuerung vom 1. März 1844 wird nur wenige Tage danach aufgehoben. Keine erdachte Geschichte allerdings, „Bierrevolten“ dieser Art hatte es gegeben, sie galten als Vorboten der Märzrevolution 1848.
Auch für das Frankenlied, die Bayernhymne sowie die inoffizielle Bierhymne „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ hatte Fiolga einen passenden Platz gefunden.
Die jungen Sängerinnen und Sänger, sie stehen alle erst am Anfang ihres beruflichen Weges, überzeugten durchweg mit Präsenz sowie vokaler Beweglichkeit, vor allem auch in den Sopranlagen.
Das einstündige Kabinettstückchen war ein Riesenvergnügen, spielerisch wie musikalisch. Große Anerkennung verdiente das gesamte Singspiel-Ensemble, spielerisch wie musikalisch, das die, zugegeben spitzzüngig und parodistisch angelegte Vorlage mit großer Begeisterung in lebendiges Musiktheater verwandelte.