„Albedo“ heißt die neue Ausstellung des Künstlers Gerhard Rießbeck, die er in den Central Lichtspielen, dem ehemaligen Kino, das er zum Atelier umgebaut hat, präsentiert. Der Bad Windsheimer gestaltet sie gemeinsam mit Klaudia Dietewich. Eislandschaften spielen darin eine wesentliche Rolle.
Kennengelernt haben sich beide Kunstschaffenden bei einer gemeinsamen Ausstellung in Stuttgart, die Dietewichs Mann Raimund Menges kuratiert hatte. Dieser wiederum hat Werke von Rießbeck bei einer Ausstellung in Schweinfurt gesehen und behielt den Bad Windsheimer Künstler im Hinterkopf.
Dietewich ist eigentlich gelernte Sozialarbeiterin und widmete sich der Kunst früher eher nebenbei, probierte sich darin aus. Im Jahr 2009 kündigte sie ihren Job beim Jugendamt und gab sich fortan ganz dem Kreativen hin. Mit ihrem Mann unternahm sie damals eine lange Radtour von Lissabon in Portugal bis Warschau in Polen. „Beim Radeln schaut man sehr viel auf die Straße“, erzählt die in Stuttgart lebende Fotografin, die sich selbst als „Spurensucherin“ beschreibt.
Auf zahlreichen ihrer Fotos sind malerische Strukturen von Straßenbelägen rund um die Welt zu sehen – der Beginn ihrer künstlerischen Karriere. Dabei legt die reisefreudige Fotografin Wert auf feine Nuancen, Farben, Lichtverhältnisse und besondere Bildausschnitte. Sie will Stimmungen einfangen, wählt ihre Motive ganz bewusst, will nicht das Offensichtliche fotografieren, sondern lieber das Spezielle.
Die Liebe zu den Spuren blieb über die Jahre. Für die Ausstellung in Bad Windsheim hat Dietewich den Kopf erhoben und präsentiert in Rießbecks Atelier die majestätische Natur der Antarktis. Im Jahr 2020 verschlug es sie mit ihrem Mann dorthin. Beide nahmen an einer Schiffs-Expedition auf der MS Fram, einem für Polarexpeditionen konstruiertem Schiff, mit zwölf Wissenschaftlern teil. Immer dabei: ihre Kamera. Stundenlang stand Dietewich auf dem Deck, um die perfekten Fotos zu knipsen. Teils konnte das Schiff auch verlassen werden.
„Dort ist es, wie auf einem anderen Planeten“, sagt die Fotografin. Es sei schwer zu beschreiben, man müsse es erlebt haben. Auch Gerhard Rießbeck hat die Antarktis schon erlebt. Einmal an Bord der „Polarstern“ im Zuge einer Expedition des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung. Ein anderes Mal als Mal-Lehrer auf einem Kreuzfahrtschiff.
Bei ihrem Antarktis-Besuch hat Dietewich auch die bekannte Fotografin Camille Seaman kennengelernt. Die Frauen haben sich angefreundet. Viel konnte die Stuttgarterin von der Expertin lernen. Festgehalten hat Klaudia Dietewich ihre Antarktis-Bilder auch in einem Buch „Vanishing Universe“, das bei der Ausstellungseröffnung am Samstag, 29. März, aber auch online zu erwerben ist.
Eislandschaften, kombiniert mit Farbflächen, finden sich unter anderem in Rießbecks Teil der Ausstellung – darunter das neue Großformat „Albedo II“. Teils ist die Abstraktion von Schnee als Punkte dargestellt. In manchen Werken kommt aber auch das Eis in Innenräume und es stellt sich die Frage: Ist es eingedrungen oder sucht es Schutz?
Der Name Albedo kommt übrigens nicht von ungefähr: Er bezeichnet die Maßeinheit für das von einer weißen Fläche zurückgeworfene Sonnenlicht. Dadurch schmilzt das Eis. Angesichts des Klimawandels passiert das mittlerweile immer schneller, sagt Rießbeck.
Die Ausstellung mit Klaudia Dietewich ist für den Künstler Gerhard Rießbeck der diesjährige Auftakt. Das restliche Jahresprogramm für 2025 und auch das für 2026 ist bereits gefüllt. Auch für 2027 gibt es schon Ideen. Zudem plant der Künstler, sich bei der Landesgartenschau zu beteiligen.
Eröffnet wird die Ausstellung „Albedo“ am Samstag um 15 Uhr in den Central Lichtspielen. Dann wird auch Klaudia Dietewich zu Gast sein. Weitere Öffnungstage sind am Sonntag, 30. März, sowie an den Samstagen und Sonntagen, 5., 6., 12. und 13. April – jeweils von 15 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung.