Viele Abgeordnete im Bundestag, aber auch so mancher Stadtrat könnten sich eine Scheibe abschneiden. Am Dienstagvormittag tagte im Sitzungssaal des Stadthauses zum ersten Mal ein neues Gremium: ein Schülerparlament. Es gehört zum Gymnasium Carolinum in Ansbach. Schon bei der Premiere gab es handfeste Beschlüsse.
Alle meldeten sich, wenn sie etwas zu sagen hatten, und warteten, bis sie dran waren. Von der Fünftklässerin bis zum Oberstufenschüler – alle ließen einander ausreden. Die, die sprachen, begründeten ihre Ansicht und äußerten sich denen gegenüber, die anderer Meinung waren, freundlich und verständnisvoll. Bundestagspräsidentin Bärbel Bas und ihre Vizes hätten gewiss an der einen oder anderen Stelle tief geseufzt.
24 Mitglieder gehören dem Schülerparlament derzeit an, wie Schulleiter Stefan Exner erklärte. Es sind die Klassensprecherinnen und -sprecher oder, wenn sie verhindert sind, ihre Stellvertreterinnen und Stellvertreter sowie vier Mitglieder aus der zwölften Klasse (Q12) und zwei Personen von der Schülermitverantwortung (SMV).
Nächstes Schuljahr besteht noch eine Klasse Q13 – mit dann vier weiteren Parlamentsmitgliedern. Zum Auftakt waren die stellvertretenden Klassensprecherinnen und -sprecher regulär dabei. Die Schülersprecherinnen Theresa Deibl, Amelie Roedel und Mathilde Schemm führten souverän durch die Sitzung.
Einstimmig gab sich das Parlament eine Präambel. „Wir glauben daran, dass Wissen am besten in einer starken Gemeinschaft wächst, in der gegenseitiger Respekt, Offenheit und Zusammenarbeit gelebt werden“, heißt es darin etwa. Außerdem votierte das Gremium zum Beispiel für zwei von acht möglichen Motiven aus der Aktion „Verkehrsschilder der Gerechtigkeit“. Hintergrund: Zwei Schilder finden ihren Platz in der Schule.
Hinter der Aktion steht der Künstler Johannes Volkmann. Er hatte die Motive mit Kindern und Jugendlichen konzipiert. Vor dem Votum diskutierte das Gremium über die Motive. Jeweils eine Mehrheit fanden letztlich ein Vorfahrtsschild mit Händedruck und ein Stoppschild kontra Umweltverschmutzung.
Oberbürgermeister Thomas Deffner verfolgte die Sitzung. Er findet ein Schülerparlament wichtig, wie er erklärte, „auch dass man sich früh schon mit demokratischen Abläufen befasst“. Das Blechbläserensemble der Schule, geleitet von Mark Sirok, spielte die Europa-Hymne.
Eingerichtet hatte das Carolinum das Gremium, „um die Demokratisierung der Schule voranzutreiben und das Mitspracherecht der Schüler zu stärken“. So sagte es Schulleiter Exner. Er will politische Teilhabe eingeübt und Verständnis für Parlamentsarbeit geweckt wissen.
„Durch eine freiwillige Selbstverpflichtung der Schulleitung werden eure Beschlüsse nun nicht nur zur Kenntnis genommen, sondern in das Schulforum eingebracht.“ Dieses besteht aus Schülerinnen und Schülern, Eltern, Lehrkräften und ihm. Exner betonte: Bestätigt das Forum einen Beschluss des Schülerparlaments, „ist die Schule verpflichtet, diesen auch umzusetzen“.
Das Gremium ist in der Schulart bislang einzigartig in der Region. Der Ministerialbeauftragten für die Gymnasien in Mittelfranken, Dr. Gabriele Kuen, ist in Ansbach oder den Landkreisen Ansbach und Neustadt/Aisch-Bad Windsheim kein weiteres Gymnasium mit einem Schüler- oder dem ähnlichen Schulparlament bekannt.
Den Unterschied zwischen Schüler- und Schulparlament erkenne man vor allem daran, wie sie zusammengesetzt seien. „Es freut mich, dass das Caro sich nun auch auf den Weg mit einem Schülerparlament macht”, hebt die Pädagogin hervor.
In Mittelfranken sei seinerzeit das Martin-Behaim-Gymnasium Nürnberg von Beginn an mit einem Schulparlament dabei gewesen. Mittlerweile hätten etliche weitere Schulen in Bayern Schüler- oder Schulparlamente gegründet. Gabriele Kuen wertet dies als „ein ermutigendes Zeichen für die Entwicklung einer demokratischen Schulkultur”.