Die Situation ist schon etwas paradox: Während viele Gemeinden im ländlich geprägten Raum sich derzeit erfolglos um eine örtliche medizinische Versorgung ihrer Bürgerinnen und Bürger bemühen, hat Burghaslach gleich drei Ärztinnen. Doch weil diese das Gebäude wechseln möchten, entstehen der Gemeinde jetzt Schwierigkeiten.
Obwohl das idyllische Schlossareal optisch eine charmante Kulisse für die Arztpraxis ist, wollen die Medizinerinnen ihre gemeinschaftliche Praxis umsiedeln. Die Gründe erläuterte Bürgermeister Armin Luther in der Sitzung des Gemeinderats. Die jetzigen Räume seien nicht barrierefrei und auch für die organisatorischen Belange nicht ideal. Außerdem seien die energetischen Kosten für die alten Räume hoch. Umbauten des denkmalgeschützten Gebäudes seien jedoch schwierig.
Die passende Ersatzlösung hatte die Gemeinde jedoch schnell ausgemacht: Mit dem früheren BayWa-Areal als neuem Standort und der Projektierung durch die Firma Holzbau Schorr hatte man bereist eine erstklassige Basis für den Bedarf der neuen Arztpraxis geschaffen. Sie wäre als Erdgeschosspraxis barrierefrei. Für das Obergeschoss des neuen Gebäudes waren drei Eigentumswohnungen geplant.
Doch nun durchkreuzte Holzbau Schorr diese Pläne. Denn das Unternehmen, das ursprünglich als Bauträger hatte fungieren wollen, hatte für die Gemeinde die unangenehme Überraschung, dass man den Baustart verzögern müsse. Den Grund des Rückziehers stellt das nötige Budget dar, das man als riskant bewertet. Zwar werde man trotzdem bauen, doch starte man erst dann, wenn die Wohnungen im Obergeschoss verkauft sind.
Der zeitlich ungewisse Baustart sei nun der Grund gewesen, dass man der Gemeinde den Kauf der Räume für die Praxis angeboten hatte, sagte Holzbau-Geschäftsführer Christoph Schorr. „Denn dadurch könnten wir sofort starten“, betont er den zeitlichen Aspekt, der ganz entscheidend für die Gemeinde ist. Warum? Weil das Mietverhältnis der gegenwärtigen Arztpraxis im Jahr 2027 endet.
Jetzt müsse man also unbedingt das „Wir schließen“-Schild und den Wegzug der Praxis vermeiden, waren die Räte sich einig. Bezüglich des Kaufs gab es allerdings durchaus Diskussionen. Schorr veranschlagt als Kaufpreis gemäß der Schätzung des Architekten auf 800.000 Euro – plus/minus zehn Prozent. Diese eher als vage empfundene Aussage sorgte für einige Unruhe.
Für den Bürgermeister Armin Luther war die Situation trotzdem eindeutig und unabhängig vom knappen Gemeindebudget. Obwohl der Ankauf der Immobilie eigentlich keinesfalls die Aufgabe der Kommune sei, müsse man den Bürgerinnen und Bürgern die Versorgung durch die Arztpraxis weiterhin bieten. „Wir müssen kaufen, selbst wenn es 900.000 Euro kostet“, so Armin Luther.
Für den Kauf werden nun die verfügbaren Fördertöpfe anvisiert: – Zuschüsse gemäß der Kommunalrichtlinie sowie die vergünstigen Kredite der KfW-Bank. Für die Ausstattung könnte eine LAG-Förderung über die Praxis selbst passend sein.
Wäre denn die Praxis letztlich sogar ein Prestigeprojekt und eine lohnende Investition für die Gemeinde? Christoph Schorr sagt: „Ja.” Kämmerer Johannes Steinbrecher zögert allerdings etwas, denn schließlich werde es Jahrzehnte dauern, bis sich die Kosten amortisieren. Gemeinderat Christian Hofmann forderte als Konsequenz auf den beschlossenen Kauf, dass man nun aktiv weitere Ärzte ansprechen und gegebenenfalls anwerben solle. Das wappne die Gemeinde gegen eine mögliche Fluktuation. Für junge Ärzte sei eine fertige Praxis nämlich durchaus attraktiv.