Man könnte viel Fisch erwarten in einem Bundesland mit der Ostsee vor der Tür – doch die typische Küche Mecklenburg-Vorpommerns geht weit darüber hinaus: „Sie ist geprägt von bäuerlicher Einfachheit, regionalen Zutaten und einer Vorliebe für herzhafte, aber auch süß-saure Geschmackskombinationen“, sagt Koch und Buchautor Torsten Kleinschmidt. Ein Klassiker der Gegend sind Buttermilchkartoffeln, für die er in seinem Buch „Die besten Rezepte aus Mecklenburg“ das passende Rezept vorstellt.
„Buttermilchkartoffeln sind fest in der kulinarischen Tradition Mecklenburg-Vorpommerns verankert. Ihr Ursprung liegt in der bäuerlichen Lebensweise der Region“, sagt der Experte. „Buttermilch war ein günstiges Nebenprodukt der Butterherstellung und wurde in der Landwirtschaft nicht verschwendet, sondern weiterverarbeitet. Kartoffeln etablierten sich ab dem 18. Jahrhundert als Grundnahrungsmittel in Norddeutschland – sie waren robust, sättigend und leicht zu lagern.“
Die Kombination dieser Zutaten ergibt ein einfaches und nahrhaftes Gericht, das noch heute gern serviert wird. „Buttermilchkartoffeln gelten als echtes Regionalgericht und sind in anderen Teilen Deutschlands weniger bekannt“, so Torsten Kleinschmidt. „Typisch sind Verfeinerungen mit Speck, Zwiebeln oder Majoran, die die Verbindung zur traditionellen Hausmannskost unterstreichen.“
Für die klassische Zubereitung der Buttermilchkartoffeln geht man so vor:
Wichtig ist es, festkochende Kartoffeln zu verwenden, die man nicht zu weich kocht. Ein weiterer Tipp von Kleinschmidt: „Die Buttermilch nicht kochen lassen und die Würze abschmecken.“ Ist das Gericht fertig, kann es zu fast jeder Gelegenheit auf den Tisch: „Buttermilchkartoffeln sind sättigend, günstig und relativ schnell zubereitet, daher eignen sie sich sehr gut als Mittag- oder Abendessen für die Familie“, so Kleinschmidt. „Sie eignen sich außerdem gut für ein rustikales Buffet oder Brunch, etwa zusammen mit anderen warmen Beilagen und Salaten.“
Ein weiteres Gericht, das den Charakter des Bundeslandes am Meer verkörpert: Fischsuppe vom Darß, die Stefan Bützow in seinem Buch „Die besten Fischrezepte aus Mecklenburg-Vorpommern“ vorstellt.
„Dieses Rezept ist nur eine von mehreren Varianten“, sagt Stefan Bützow. Auf dem Darß – einem Teil der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst – bekommt man Fischsuppe überall, vom gut geführten Imbiss bis zum gehobenen Restaurant. Und die Zubereitung unterscheidet sich dabei deutlich. „Es kann durchaus sein, dass man auch eine klare Fischsuppe bekommt“, sagt der Experte. „Die sämige Variante mit Speck und Kartoffeln ist eine gut sättigende, bodenständige Suppe. Durch Speck und Meerrettich erhält sie ihre besondere Würze.“
Welcher Ostseefisch verwendet wird, ist vom Rezept und der persönlichen Vorliebe abhängig. „Geeignet ist der festfleischige, zarte Dorsch oder Kabeljau“, rät Stefan Bützow. „Man kann die Suppe auch mit frischem Lachsfilet ohne Haut zubereiten.“ Dann sollte man die Lachswürfel nur in der heißen Suppe ziehen lassen.
Wer in Mecklenburg-Vorpommern eine Fischsuppe im Imbiss oder Restaurant bestellt, darf sich auch mal überraschen lassen: „Oftmals bestimmt der Tagesfang, welcher Fisch in die Suppe beziehungsweise welche Suppe auf den Tisch kommt“, so Bützow.
Eine Zutat, die aus der Küche Mecklenburg-Vorpommerns nicht wegzudenken ist, ist Sanddorn. „Die Beere wächst wild an den Dünen und Stränden der Ostsee, besonders auf Rügen, Usedom und in der Mecklenburgischen Schweiz“, erklärt Torsten Kleinschmidt. „Seit den 1950er Jahren wird sie gezielt angebaut.“ Dabei ist sie vielseitig einsetzbar: von Saft über Marmelade bis hin zur Verwendung in Chutneys herzhaften Saucen.
Kleinschmidt stellt in seinem Buch ein Rezept für Sanddornhähnchen vor, bei dem Hähnchenbrustfilets mit Sanddornnektar, Rapsöl, Pfeffer, Salz und Senf mariniert werden – und so den typischen Geschmack Mecklenburg-Vorpommerns verkörpern.
„Sanddorn ist ein Markenzeichen der Region und wird in vielen Hofläden und Manufakturen als Mitbringsel angeboten“, so Kleinschmidt. Für viele Gerichte wird Sanddornnektar verwendet, den man online bei Mostereien aus der Region oder im gut sortierten Supermarkt findet.
Wichtig ist es Torsten Kleinschmidt zufolge, dabei genau hinzusehen: „Man sollte Sanddornnektar in Bio-Qualität kaufen, der einen hohen Fruchtgehalt von mindestens 25 bis 35 Prozent hat. Entscheidend ist auch eine kurze Zutatenliste, die nur aus Wasser, Sanddorn und Zucker oder Honig besteht.“ Wer fündig geworden ist, kann direkt Rezepte mit Sanddorn testen – und so ein Stück Mecklenburg-Vorpommern auf den eigenen Teller holen.
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