Vier Jahre hat der Vorlauf gedauert, jetzt ist das geplante Bürgerwindrad im Ansbacher Ortsteil Strüth auf der Zielgeraden. Das größte Problem, die Planung der Kabeltrasse, um den Windstrom ins Netz der Stadtwerke einzuspeisen, scheint gelöst. Im September wird das Windrad geliefert, noch in diesem Jahr soll die Anlage ans Netz gehen.
Die Erleichterung ist dem Strüther CSU-Stadtrat Gerhard Sauerhammer anzumerken. „Wenn wir den Einspeisepunkt nicht gefunden hätten, wäre das ganze Projekt gestorben”, sagte der Initiator des Windrad-Projektes, der gemeinsam mit Julian Christ aus Kühndorf die „Bürgerwind Strüth-Kühndorf GmbH & Co. KG” managt.
Es wird auch so noch kompliziert genug. Kilometerweit muss das Kabel 1,20 Meter tief vergraben werden. Von Strüth geht es übers Krankenhaus am neuen Skateplatz vorbei Richtung Mediamarkt. Von dort muss der Gehweg entlang der Würzburger Straße aufgebuddelt werden. Am ausgebrannten Autohaus Poschner folgt die Trasse einem Gehweg hinunter zum Rezatgrund und unterquert dann die Westtangente. Auf der anderen Straßenseite, wo eine Zehn-Kilovolt-Leitung der Stadtwerke verläuft, wird ein drei mal drei Meter großes Gebäude errichtet: der Einspeisepunkt für den Windstrom.
Weil das Gelände am Rande des Überschwemmungsgebiets der Rezat liegt, musste das Wasserwirtschaftsamt Ansbach grünes Licht geben, was inzwischen geschehen ist. Weiterhin muss die Trasse viele Rohre und Kabel queren, unter anderem auch eine Gasleitung. Laut Sauerhammer gibt es noch „Optimierungsmöglichkeiten”, um den Preis zu drücken.
Ein Vorteil der Trasse: Sie läuft am Klinikum vorbei. „Ziel war eigentlich, das Krankenhaus mit Windstrom zu versorgen”, so Sauerhammer. Das sei immer noch ein „Szenario für die Zukunft”. Übrigens: Die Leitung ist so ausgelegt, dass ein inzwischen projektiertes zweites Bürgerwindrad in Strüth ebenfalls darüber einspeisen kann.
Obwohl die Trasse sehr aufwendig ist, seien die Kosten dafür im Gesamtpaket von rund 8,3 Millionen Euro eingepreist. Aufgebracht wird das Geld von 57 Gesellschaftern aus Strüth und dem benachbarten Kühndorf, einem Ortsteil von Lehrberg. Die Nachfrage, in das Projekt zu investieren, sei groß, man habe aber vorrangig die Bürgerinnen und Bürger aus Strüth und Kühndorf berücksichtigt, so Sauerhammer. „Die Anwohnerinnen und Anwohner haben das Windrad schließlich vor Ort und sollen deshalb vor allem profitieren.”
Stadtwerke-Chefin Dr. Branka Rogulic, die „immer im regen Austausch mit den Windrad-Initiatoren gewesen ist”, erklärte, den erneuerbaren Strom aus Strüth könne man durchaus gebrauchen. Das mögliche Szenario laut Oberbürgermeister Thomas Deffner: Wenn in Krisenzeiten die Preise am Strom-Spotmarkt in die Höhe schnellen und die freien Versorger, die sich dort eindecken, in die Knie gehen, könnten schnell Hunderte Neukunden in der Grundversorgung landen. Dann, so Rogulic, sei eine Option auf erneuerbare Energien vor der Haustür besonders interessant.
Das Strüther Windrad wird laut Oberbürgermeister die fünfte Windkraft-Anlage auf Ansbacher Stadtgebiet sein. Zudem ist ein gemeinsamer Windpark der Kommunen Ansbach, Lichtenau, Weidenbach und Merkendorf an einen Projektierer übergeben. Das gemeinsame Projekt mit den Städten Herrieden und Leutershausen liegt derweil auf Eis. „Militärische Belange”, hat OB Thomas Deffner kürzlich gegenüber der FLZ erklärt.
Das Strüther Windrad mit einer Gesamthöhe von 200 Metern wird von der Firma Vensys Energy AG gebaut. Es wird jährlich neun Millionen Kilowattstunden (kWh) Strom produzieren, was dem Bedarf von 2500 durchschnittlichen Haushalten entspricht.