Das Großprojekt „Bürgerwind Steigerwald” kommt voran. Der Scheinfelder Stadtrat stimmte bei seiner Septembersitzung einmütig zehn weiteren Anlagen zu.
Sechs davon werden auf Baudenbacher Gebiet aufgestellt, ging aus den Sitzungsunterlagen hervor. Eines wird auf Obersteinbacher Flur errichtet, also in der Gemeinde Markt Taschendorf; und drei sind im Bereich von Ruthmannsweiler vorgesehen und gehören somit zum Scheinfelder Stadtgebiet.
Im Ratsgremium erläuterte Katrin Held den Stand des Vorhabens. Sie ist Geschäftsführerin der Markt Erlbacher Firma Naturenergie Zeilinger, die diese Windkraftanlagen projektiert. Ziel sei es, alle vorerst 19 Anlagen im Laufe dieses Jahres vollständig genehmigt zu bekommen. Das ist bislang erst bei einem halben Dutzend auf Oberscheinfelder Gebiet der Fall.
Neben dem Bau- beziehungsweise Immissionsschutzrecht müssen solche Anlagen noch eine weitere Hürde nehmen: die Erlaubnis zur Einspeisung des Stroms. Darum muss man sich bei den vierteljährlichen Auktionen der Bundesnetzagentur bewerben. Für die Windradbetreiber sei dies immer eine Gratwanderung, erläuterte Held. Setze man die Einspeisevergütung zu hoch an, so laufe man Gefahr, beim Bieterverfahren durchzufallen. Veranschlagt man sie zu niedrig, so sei dies „unschön in der Wirtschaftlichkeit”.
Für die Oberscheinfelder Anlagen habe man beim jüngsten Verfahren mitgeboten. Derzeit warte man täglich auf den Bescheid, ob man zum Zuge kommt. Erst dann können die Anlagen wirklich gebaut werden. Für die zehn Anlagen im Baudenbacher Raum werde man sich voraussichtlich bei der nächsten der vierteljährlich stattfindenden Bieterrunde beteiligen, also zum 1. November.
In voraussichtlich einem Jahr geht es dann unter anderem um die Möglichkeit der Kapitalbeteiligung der Bürgerinnen und Bürger, kündigte Held an. Der Bau der ersten Anlagen sei dann, je nach Liefermöglichkeit des Herstellers, ab 2027 oder 2028 angestrebt.
Unter anderem merkte Held an, dass der bei Scheinfeld geplante Netzkuppler, gegen den im Vorfeld der Sitzung demonstriert worden war, nicht direkt mit diesen Windanlagen zusammenhängt. Deren Strom werde vielmehr direkt ins 110-Kilovolt-Netz eingespeist. Dafür brauche man lediglich einen „kleinen Trafo mit Portal”. Laut CSU-Fraktionssprecher Theo Schell, hauptberuflich bei der Firma Zeilinger beschäftigt, brauche man dafür nur etwa 2500 Quadratmeter, „also ein Prozent des Netzkupplers”, sagte Schell.
Im Übrigen sei im hiesigen Netz der N-Ergie noch Platz für Windenergie. Ihre Firma müsse zwar „tatsächlich Kröten schlucken”, denn die Anlagen müssen in den ersten Jahren bis 2031 zwischen April und September jeweils von 10 bis 16 Uhr ausgeschaltet werden, doch sei der dadurch entstehende Ertragsverlust von etwas über sieben Prozent noch verkraftbar. Held lobte in diesem Zusammenhang Bayerns die „große Unterstützung” seitens Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger und merkte an, „Bürgerwind Steigerwald” sei ein Leuchtturmprojekt.
Held ging auch auf ein paar allgemeine Aspekte ein. Hintergrund für den Windkraftausbau ist die Bundesgesetzgebung. Diese gibt vor, dass bis zum Jahr 2032 zwei Prozent der Landesfläche für Windkraftanlagen vorbehalten sein soll. Der Regionale Planungsverband für Westmittelfranken sei einer von wenigen in Bayern, denen es gelang, das Flächenziel zu erreichen, lobte Held.