Die Dorfgemeinschaft des Leutershäuser Stadtteils Hannenbach macht mobil gegen eine Ausweitung eines Windkraft-Vorranggebietes mit der Bezeichnung WK63. Im weitläufigen Stadtgebiet gebe es andere, wesentlich besser geeignete Standorte für die Stromgewinnung aus Wind, heißt es in einem von 32 Bürgern unterzeichneten Appell an die politischen Mandatsträger.
Die bislang ausgewiesene Vorrangfläche liegt im Landkreis Ansbach etwa mittig zwischen Oberdombach und Rauenbuch auf Herrieder Gebiet. Ziel ist es, das Areal im Drei-Städte-Eck Ansbach-Herrieden-Leutershausen deutlich zu erweitern und so zu ermöglichen, dass Bürger aller drei Kommunen von den dann erlaubten Anlagen profitieren. Windkümmerer Erich Maurer stellte das Konzept kürzlich im Leutershäuser Stadtrat und an einem Bürgerinformationsabend im Herrieder Stadtteil Schernberg vor. Auch dort kamen bereits Einwände von Teilnehmern aus Hannenbach.
Die formulierten sie nun noch einmal ausführlich in einem Schreiben, das unter anderem an die Bürgermeister aller drei Städte ging. Der Tenor: Durch das eben erst erlassene Gesetz „Wind an Land“ gebe es im Stadtgebiet von Leutershausen „deutlich bessere Standorte als die Erweiterung des WK63“. Dies gelte sowohl im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit und die Umweltverträglichkeit als auch die Belastung der Anwohner.
Vier Alternativen hat die Dorfgemeinschaft im Blick. Die Bürger bitten in dem Schreiben darum, diese in Zusammenarbeit mit dem regionalen Planungsverband, vertreten durch Dr. Rainer Fugmann, „unverzüglich zu prüfen“.
Genannt wird zunächst der Höhenzug von Oberramstadt Richtung Steinersdorf, wo nach Ansicht der Hannenbacher zusammen mit Lehrberg und Ansbach ein interkommunales Windkraftgebiet erschlossen werden könnte. Für geeignet hielten sie außerdem den Höhenzug Höllbuck nördlich der Straße in Richtung Schillingsfürst, das Plateau nördlich von Steinberg sowie die Frankenhöhe in Verlängerung der Windräder von Aurach Richtung Eichholz-Eckartsweiler-Brunst.
„Alle genannten Standorte weisen eine deutlich höhere Windhöffigkeit (im Schnitt etwa sieben bis acht Prozent mehr) auf als der Standort WK63“, argumentieren die Bürger; sie rechnen eine deshalb um ein Viertel bessere Rentabilität vor.
Es handle sich zudem teilweise um reine Acker- und Wiesenflächen, um ohnehin vorbelastete Gebiete an der Autobahn A6, um weitgehend durch Stürme und Borkenkäfer kahlgefegte Waldgebiete oder um Forst, der schon gut mit Wegen erschlossen sei. „Je nach Gebiet ist auch keine oder nur geringe Belastung der Bewohner in den nahe gelegenen Ortschaften zu erwarten“, heißt es in dem Schreiben weiter.
Dagegen würde beim WK63 „ein aktuell weitgehend unerschlossenes und damit naturnahes Waldgebiet sehr stark in Mitleidenschaft gezogen“, fürchten die Anlieger. Zudem liege das Areal nahe den Ortschaften Straßenwirtshaus, Hannenbach und Wiedersbach. Schränke man aber den Windradbetrieb ein, um Auswirkungen auf Nachbarn zu reduzieren, „wird es im Zweifel immer zu Unstimmigkeiten und Streit innerhalb der Investoren kommen, selbst wenn es sich um ein Bürgerwindrad handelt“, so die Argumentation.
„Uns ist klar, dass wir als Laien im Thema Windkraft nicht alle in die Bewertung von möglichen Standorten einfließenden Faktoren kennen“, räumen die Bürger ein. Deshalb wünschen sie sich eine fachlich fundierte Bewertung der vier Alternativen. „Entscheidungen mit solcher Tragweite dürfen nicht unter Zeitdruck gefällt werden“, mahnen sie und werfen auch in die Waagschale, dass die Belastungen im Zusammenhang mit einer Energiewende gerecht verteilt werden sollten: „Wir denken, es müssen auch andere Gemeindeteile ihren Beitrag zur Energiewende leisten.“
Thematisiert wird in dem Schreiben zudem die Leitungsproblematik: Regenerativ erzeugter Strom könne aufgrund mangelhafter Netzkapazitäten schon heute oft nicht verwertet werden. „Was sind regional die aktuellen Ansätze, um das Energietransportproblem zu lösen?“, fragen die Hannenbacher, die für eine Antwort auf ihr Schreiben eine Frist bis Mitte März gesetzt haben.