Die Bad Windsheimer Altstadt soll aufblühen. Das wünscht sich der Einzelhandel schon seit Jahren. Zumindest optisch will Bürgermeister Jürgen Heckel das nun mit bunten Blumenbällen in den Straßenzügen schaffen. Erste Spenden dafür konnte er bereits generieren. 27.000 Euro sind bislang insgesamt zusammengekommen.
Bei der Spendenübergabe stellte Heckel die „Flowerballs” (zu Deutsch: Blumenbälle) vor. Dazu ließen sich er und Birgit Grübler, die Leiterin der Kur-, Kongress- und Touristik-GmbH (KKT), bei etlichen Besuchen anderer Landesgartenschauen (LGS) inspirieren. Vieles hätten sie da gesehen, „aber nicht alles, was gut ist, ist auch für uns gut und in Bad Windsheim umsetzbar“, sagte Heckel. Die Blumenbälle seien allerdings ein „richtiger Hingucker. Sie bringen Freude, Spaßfaktor und Lebendigkeit. Das brauchen wir.“
Die farbenfrohen Kugeln werden über Straßenzügen an gespannten Drahtseilen zwischen Häusern aufgehängt. Der Stadt-Chef könnte sich vorstellen, dass die Flowerballs die dann neu gestaltete Johanniterstraße aufwerten und auch in der Kegetstraße und Krämergasse ein Blickfang wären. Sie sollen den Besucherinnen und Besuchern der Landesgartenschau (LGS) 2027 den Weg in die Altstadt weisen.
Dort wird auch die Blumenhalle, „die Attraktion schlechthin“, in der Seekapelle eingerichtet. Das habe es bei einer LGS noch nie gegeben, dass „das Herzstück“ außerhalb des eigentlichen Geländes stehe, so Heckel. Mit den Blumenbällen könne man eine „richtig schöne Verbindung schaffen“. Denn: „Ein verantwortungsvoller Bürgermeister hat auch die Pflicht, die Altstadt mitzunehmen.”
Allerdings gibt es noch ein paar Fragen, die geklärt werden müssten, sagte der Bürgermeister. „Geld, Geld, Geld, wir brauchen noch mehr Geld. Die Flowerballs sind unendlich, das Geld leider nicht.“ Heckel startete einen Aufruf an weitere Sponsoren. Er zeigte sich bereits jetzt „tief beeindruckt“, dass 27.000 Euro für die Installation der Blumenkugeln bereits zusammengekommen sind. Seinen Dank richtete er an die mittelfränkischen Genossenschaftsbanken, die 20.000 Euro dazu beitragen, außerdem an den Zweckverband Fernwärme Illesheim und einen Privatspender, der anonym bleiben möchte. Sie hatten den Restbetrag gegeben.
Die LGS sei „ein Projekt, das unsere gesamte Region prägen wird“, betonte Dr. Gerhard Walther. Er war zum Flowerball-Termin in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender der VR-Bank Mittelfranken-Mitte, aber auch als ehrenamtlicher Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern und Bezirkspräsident für Mittelfranken ins Bad Windsheimer Rathaus gekommen. Mit dieser Großveranstaltung werde ein „starkes Signal für Nachhaltigkeit und Zukunftsorientierung in Bayern“ gesetzt, so Walther.
Auch die Genossenschaftsbanken hätten das Ziel, „unsere Region zu stärken“. Es zähle das „Miteinander“. Deshalb treten die einzelnen regionalen Volks- und Raiffeisenbanken und der Bezirksverband Mittelfranken auch zusammengeschlossen auf, um die LGS als „gemeinsamer Partner“ zu unterstützen, so Walther. Sie sei ein Projekt, das den Gedanken der Genossenschaftsbanken widerspiegele. Das bestätigten auch Markus Graßer, Regionaldirektor des Genossenschaftsverbands Bayern, und Matthias Eigner, Prokurist der Raiffeisenbank Bad Windsheim.
Martin Arnold, Generalsbevollmächtigter und Vertriebsdirektor der VR-Bank Mittelfranken-Mitte, betonte zudem, dass er sich nicht nur über die Großveranstaltung an sich freue, sondern auch über den Aufschwung, den die LGS für Bad Windsheim und die Region bedeute. Das hob auch Heinrich Reisenleiter, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisenbank Bad Windsheim, hervor. Die Flowerballs sehe er als „wichtiges Verbindungsmittel“, um die Altstadt einzubringen. Er würdigte zudem die Hartnäckigkeit Heckels, ohne die ein Projekt wie die LGS nicht zustande komme. Er stehe „mit Nachdruck für Dinge“ ein.
Wie Jennifer Schmidt von der Vertreiberfirma auf Nachfrage unserer Redaktion erklärte, gibt es die Blumenkugeln in drei Größen mit Durchmessern von 50, 80 und 100 Zentimetern und in zwei Flor-Varianten. Bestückt sind die Alugestelle mit Blumen aus recyceltem Kunststoff. Die Stadt habe zwei Optionen: kaufen oder mieten. Im Mietprogramm sind derzeit nur die kleinen Kugeln enthalten. 100 Stück bekäme die Stadt für etwa ein halbes Jahr mit Auf- und Abbau für 9000 Euro. Beim Kauf kämen für die mittlere Kugel zwischen 800 und 1000 Euro pro Exemplar auf die Stadt zu. Wobei Schmidt aufgrund der Optik schon eher zum Kauf riet: „Das dynamischste Bild erreicht man mit einer Durchmischung.“
Und wie sieht es mit der Witterungsbeständigkeit aus? Man habe die Flowerballs erst seit vier Jahren im Sortiment. „Bislang halten sie sehr gut“, sagte Schmidt im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie seien luftdurchlässig, sodass sie auch bei stärkerem Wind nicht zu sehr umherbaumeln. An der Oberseite merke man nach zwei, drei Jahren schon, dass sie „etwas ausbleichen“, aber im Grunde sähen das nur die Hausbesitzer.
Die sind ein Faktor, der das Projekt noch zum Platzen bringen könnte. Denn in die Fassaden müssten Ösen gebohrt werden, an denen die Drahtseile aufgehängt werden. Heckel kündigte an, auch wenn es nicht Sache des Bürgermeisters sei, die Gespräche mit den Anwohnern zu führen. Schlussendlich habe der Stadtrat das letzte Wort, welche Option man sich vorstellen und leisten könne.
Birgit Grübler wies darauf hin, dass es ein Projekt sei, „das mit der Zeit wachsen“ könne. Oliver Späth, der zweite Vorsitzende des Fremdenverkehrsvereins, sagte bei der Veranstaltung eine finanzielle Unterstützung zu. Er gehe auch davon aus, dass sich der Wirtekreis beteiligen werde. Und Heckel kündigte an, ein „weiteres Eisen in der Schmiede“ zu haben. „Auch das hab’ ich von woanders mitgenommen. Wenn das klappt, ist es das Zückerle obendrauf.“ Details verriet er aber noch nicht.