Knapp die Hälfte der 30.000 Streuobstbäume rund um Burgbernheim sind fränkische Zwetschgen. Die meisten der reifen Früchte landen im September unbeachtet am Boden. Stadtgärtner Ernst Grefig findet das Verschwendung und hat sich etwas überlegt: das „Zwetschgenseidla”. Bürger aus der Region können ihr Steinobst am 6. September anliefern.
„Es ist schon etwas Besonderes. Ein kühles Sommergetränk.” Der 63-Jährige gerät ins Schwärmen. Die Idee, Bier aus den Zwetschgen zu machen, sei ihm irgendwann nachts gekommen. Er habe so viele Zwetschgen am Boden liegen sehen, sie seien einfach nicht geerntet worden, die Früchte hätten sich im Laufe der Zeit zu einem „Nischenprodukt” entwickelt, so Grefig. Den Tieren wolle er freilich nichts wegnehmen, aber es seien auch so noch genug Früchte da. „Mir ist einfach wichtig, dass nicht so viele herunterfallen und am Boden verfaulen.”
Die Umsetzung dauerte eine Weile. Grefig wollte kein Mischgetränk, „sondern schon ein richtiges Bier”. Dafür brauchte er einen Brauer aus der Region und auch eine Mosterei. Denn im Streuobstkompetenzzentrum „Bernatura” ist das Pressen von Steinobst nicht möglich, die Steine müssten vorher entfernt werden. Ein Arbeitsaufwand, der viel zu groß sei und außerdem werde die Presse zeitgleich für Äpfel und Birnen gebraucht, erklärt Grefig. Bier dürfe man das Getränk aufgrund des Reinheitsgebots auch nicht nennen und so entstand passend zu Franken der Name Zwetschgenseidla.
650 Kilogramm Zwetschgen waren im September 2024 zu 360 Litern Saft verarbeitet worden, die die Brauerei Döbler für die Initiative Streuobst Mittelfranken-West zu 1000 Litern Bier gebraut und in 2000 etikettierte Bügelflaschen abgefüllt hatte. Der Bad Windsheimer Brauer Willi Döbler junior erläutert den Prozess: Der Zwetschgensaft werde erst in der Nachgärung zum Biersud hinzugegeben. So vergäre dieser nur zum Teil und es bleibe das gewünschte Fruchtaroma im Bier enthalten.
In seiner Erstauflage fand das Seidla großen Anklang. Nur noch acht Kästen stehen im Lager der Bernatura-Streuobstwelt, erzählt Grefig. Heuer sei das Ziel, 2000 bis 3000 Liter zu produzieren. Dafür sei Grefig auf Mithilfe der Bürgerinnen und Bürger aus Burgberheim, aber auch aus der näheren Umgebung angewiesen, die ihre Zwetschgen am Samstag, 6. September, zwischen 9 und 13 Uhr am Lager des Stadtbauhofs im Pointweg abgeben können. Für zehn Kilogramm Früchte bekommen die Zwetschgenlieferanten sechs Euro.
Ob „gepflückt oder geschüttelt, das ist egal, aber astreine Ware muss es sein”, sagt Grefig und fügt an: „Würmer dürfen drin sein”, faules oder verschimmeltes Obst werde nicht akzeptiert. Am besten sollen die Früchte in Eimern geliefert werden, nicht auf dem Hänger. Sie werden vor Ort gewogen und das Geld ausbezahlt. Etwa sechs Wochen später ist das Zwetschgenseidla 2025 dann im Bernatura, im ausgewählten Handel und in Gaststätten erhältlich.