Er ist der Mann mit Hut und der „Bauernrebell“ aus der Region Hohenlohe – Rudolf Bühler. Die Dokumentation „Und es geht doch… Agrarwende jetzt!“ erzählt die Geschichte über seinen Kampf für die Bauern und gegen die Auswirkungen auf diese durch die industrielle Entwicklung.
Mit seinem Vorreiterprojekt der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall (BESH) inspiriert er andere Landwirte und beweist, dass faire Preise für Bauern und hochwertige Lebensmittel keine Zukunftsmusik sind. Einen Großteil dieser Dokumentation mit anschließender Diskussionsrunde auf der Grünen Couch zeigte die ehrenamtliche Initiative Respect in Zusammenarbeit mit der Kreisgruppe Ansbach des Bund Naturschutz und lockte damit zahlreiche Besucher in den Kammersaal.
Glückliche Schweine, die sich entspannt in echtem Schlamm suhlen und die Weiden abgrasen und glückliche Bauern, die für ihre Arbeit gut entlohnt werden und keine Angst vor der Zukunft haben brauchen – das alles ist kein Szenario aus einem Heimatfilm, sondern Realität in der Region Hohenlohe. Bühler selbst ist Bauer in 14. Generation und engagiert sich seit über 30 Jahren für die Landwirte. Auf seinem Sonnenhof in der Nähe von Schwäbisch-Hall baut er nicht nur alte Gewürzsorten, wie den Hohenloher Koriander oder Speisesenf an, sondern er rettete auch die fast ausgestorbene Schweinerasse des schwäbisch-hällischen Landschweins und brachte sie wieder auf die Teller der gehobenen Küche.
2017 gründete er mit acht Bauern die BESH und startete eine Erfolgsgeschichte. Mittlerweile besteht die Gemeinschaft aus 1500 Bauernhöfen in der Region Hohenlohe und garantiert den Landwirten einen guten Preis und die Abnahme ihrer Erzeugnisse. Im Gegenzug müssen sich diese an bestimmte Richtlinien halten, wie den Einsatz von Stroh, artgerechte Haltung mit viel Platz für die Tiere oder das Verbot von Genfutter. Eine Win-win-Situation für beide Seiten und das Erfolgskonzept der Vereinigung, die mit ihrem Fleisch, den Gewürzen und anderen Erzeugnissen Fachmetzger, Gourmetrestaurants und Kantinen großer Unternehmen beliefern.
Das erklärte Ziel von Bühler: die gesamte Wertschöpfungskette in bäuerlicher Hand zu halten, ohne, dass eine andere Hand dazwischen abschöpft. Somit müssten die Bauern nicht auf riesige Betriebe setzen, sondern könnten auch erfolgreich im kleineren Rahmen überleben.
In der anschließenden Diskussionsrunde auf der Grünen Couch begrüßte der Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ansbach, Wolfgang Kerwagen, neben der Initiatorin des Abends, Christina Beckler vom Bund Naturschutz, auch Rudolf Bühler, der seinen Hut dieses Mal zu Hause ließ, aber fränkische Spezialitäten mitnehmen durfte. Dieses Gastgeschenk überreichte ihm ein Landwirt aus dem Landkreis Ansbach, der Bühler als „Ansporn“ für viele Bauern sieht, um dabei zu bleiben.
In der regen Diskussion zwischen anwesenden konventionellen und ökologischen Bauern, die sich im Saal entwickelte, wurden viele Themen angesprochen: von der Masse an Biogasanlagen und deren Auswirkungen auf die Landwirtschaft in der Region, über Fleisch als Klimakiller bis hin zum Trend der jungen Menschen vegan zu leben.
Dass der Anbau von Soja in Tropengebieten der Umwelt einen größeren Schaden zufügt, als die hiesige Tierhaltung, da waren sich alle einig. Jedoch müsse der Fleischkonsum deutlich zurückgefahren und auf die Qualität und nicht Quantität der Produkte geachtet werden.
Ein Besucher vermisste jedoch die Vorbildfunktion in öffentlichen Einrichtungen, wie Mittagsverpflegung in Schulen oder Kantinen in öffentlicher Hand und erntete dafür Applaus. Bühler betonte: die Verbraucher müssten die Nahrung mehr wertschätzen und ökologische Lebensmittel kaufen, dann würden auch die Bauern umsteigen und blieben nicht weiter die Verlierer der Entwicklung.