Voraussichtlich bis zum Sommer bleibt die Straße Zum Taubenbrünnlein vor dem Haus mit der Nummer 5 für den Verkehr gesperrt. Die Sanierung des Einzeldenkmals in Feuchtwangens Altstadt dauert jedoch noch etwas länger: Im September sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.
Eigentlich hätte die Plane über dem Dachstuhl schon dieser Tage weichen sollen, um das Gebäude eindecken zu können. Doch dies habe der neuerliche Wintereinbruch vereitelt, sagten Vorstand Arthur Reim vom Kommunalunternehmen (KU) Stadtentwicklung und Architekt Hermann Keim (Fürth) beim Baustellengespräch. Ebenso werde es wegen des Frosts noch dauern, bis die letzten offenen Gefache zwischen den Fachwerkbalken ausgemauert werden können. Sei all dies erledigt, kämen die Fenster und anschließend der Innenausbau an die Reihe.
Derweil ist das Haus bereits entkernt, so dass Keim und Reim keine bösen Überraschungen mehr erwarten. In diesem Zusammenhang erzählten sie, dass der Befall von Hausschwamm zwar von Anfang an bekannt gewesen sei. Dessen erst später erkennbares Ausmaß habe aber dann doch „extreme Probleme“ bereitet. Diese seien allerdings gelöst.
Mit Blick auf die Fassade des ehemals komplett verputzten Gebäudes steht bereits fest, dass das Fachwerk vom ersten Obergeschoss hinauf bis zum Giebel sichtbar gemacht wird. Indes ist Farbgebung noch unklar. Wie die gesamte Planung werde auch diese mit dem Denkmalschutz abgesprochen. In jedem Fall aber wollen die Verantwortlichen auf den ehemals braunen, unansehnlichen Anstrich verzichten.
Im Innern des Hauses lassen sich die Zuschnitte der fünf geplanten Wohnungen schon erkennen: Auf der Nutzfläche von insgesamt rund 200 Quadratmetern in dem Gebäude entstehen jeweils zwei Appartements im Erd- und im ersten Obergeschoss sowie ein mit bis zu 58 Quadratmetern größeres im zweiten Stock.
Jede dieser Wohnungen erhält ein eigenes Bad sowie eine Küche. Zudem bekommen alle Nutzer des Hauses Zugang zum Hof beziehungsweise zu Balkons auf der Rückseite. Barrierefreiheit lasse sich allerdings nur im Erdgeschoss herstellen, meinte der Architekt, denn den Einbau eines Aufzugs erlaube die Struktur des Baudenkmals nicht.
Geplant ist, die Appartements zu vermieten – etwa an Medizinstudenten, die im Rahmen des Projekts „Ärzte schnuppern Landluft“ zeitweilig in Feuchtwanger Praxen arbeiten, oder an Kreuzgangschauspieler. Ebenso denkt Bürgermeister Patrick Ruh an junge, von auswärts zuziehende Beschäftigte, die von heimischen Betrieben angestellt werden, aber nicht gleich die für sie passenden Unterkünfte finden.
Während die vier kleineren Appartements unten und in der Mitte nur vorübergehend vermietet werden sollen, hofft Arthur Reim, für das „Filetstück“ im zweiten Stock auf einen längerfristigen Vertrag. Der Nutzer dieser Wohnung könnte dann nach dem Rechten im Haus sehen.
Inklusive des Erwerbs der Immobilie sowie der Planung rechnet der KU-Vorstand mit Gesamtkosten in Höhe von 1,3 Millionen Euro für die Sanierung. Zugleich erwartet Reim eine 800.000-Euro-Förderung. Diese vergleichsweise hohe Summe erklärten er und Architekt Keim damit, dass die Zuschüsse in diesem Fall nicht für das Gesamtgebäude, sondern für jede einzelne der voneinander getrennten Wohnungen flössen.
Angesichts des dennoch hohen Eigenaufwands würdigte der Planer, dass das städtische Kommunalunternehmen dieses kaum wirtschaftliche Vorhaben stemmt. Denn für private Investoren seien solche Projekte nicht attraktiv.
Derweil begründete Bürgermeister Ruh die Entscheidung für den Kauf des Gebäudes im Jahr 2021 auch damit, dass die Verantwortlichen so eine „soziale Abwärtsspirale“ in dem Quartier hätten verhindern wollen.
Wie es hieß, handelt es sich bei dem Denkmal um ein „typisches Handwerkerhaus“ aus dem 18. Jahrhundert, das mehrfach umgebaut worden ist. Dem 1992 erschienenen Feuchtwanger Häuserbuch von Willi Hörber zufolge haben unter anderem mehrere Metzger und Schneider, ein Maurer und Steinhauer, ein Knopfmacher sowie ein Nagelschmied, aber auch einige Tagelöhner das Gebäude bewohnt. Vermutlich zeitweise gab es im Erdgeschoss auch einen Laden.