Die Altstadt von Bad Windsheim soll grüner werden. Deswegen ist ein Plätze- und Durchgrünungskonzept in Auftrag gegeben worden. Damit das später erfolgreich umgesetzt werden kann, sind auch Hauseigentümer dazu aufgefordert, für mehr Grün zu sorgen. Welche Möglichkeiten es dafür gibt, wurde nun im Rahmen eines Stadtspaziergangs erklärt.
Vielleicht hat es an der Kälte gelegen oder aber an der Uhrzeit? Auf jeden Fall waren der Einladung des Stadtbaumeisters Ludwig Knoblach zu einem Spaziergang unter dem Motto „Grün in der Stadt“ gerade mal fünf Interessierte gefolgt. Sie waren am Donnerstag um 17 Uhr in den Klosterchor gekommen, um sich zuerst einmal mit einem Vortrag auf das Thema einstimmen zu lassen.
Dafür hatte der Bad Windsheimer Stadtbaumeister Theresa Zierer von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) aus Veitshöchheim verpflichten können. Die Referendarin der Landschaftsplanung hatte ihren Schwerpunkt auf die verschiedenen Möglichkeiten der Fassadenbegrünung gelegt. Dabei betonte sie eines mehrfach: Dass eine erfolgreiche und zufriedenstellende Fassadenbegrünung eine gute Planung voraussetze.
„Man muss gucken, ob die Fassade intakt ist, ob sie fest, dicht und tragfähig ist“, erklärte Zierer. Denn eine beschädigte Fassade werde weiter in Mitleidenschaft gezogen. Sollten also Risse und Hohlräume vorhanden sein, könne beispielsweise Efeu genau in diese Schadstellen weiter eindringen und werde den Putz letztlich sprengen.
Ein besonderes Anliegen war es Zierer, mit Vorurteilen und falschen Vorstellungen von Fassadenbegrünung aufzuräumen. Sie ermutigte dazu, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen und zu schauen, was im Einzelfall umsetzbar wäre. Dazu müssten vorab wichtige Fragen geklärt sein: Welche Rankhilfen lassen sich wie in der jeweiligen Hauswand befestigen? Welche Pflanze hat welche Kräfte und welches Gewicht?
Ihr Fazit lautete schließlich: „Es gibt mehr positive Effekte bei der Fassadenbegrünung als negative.“ In diesem Zusammenhang verwies Zierer auf die vielen guten Auswirkungen von mehr Grün in der Stadt: Es verbessere das Mikroklima, biete Schatten, reinige die Luft, betreibe Photosynthese, habe eine gute Verdunstungswirkung und insgesamt wirke mehr Grün wie eine Klimaanlage. „Deswegen sollten wir alles in die Städte an Grün reinstellen, was nur irgendwie geht.“
Der sich an den Vortrag anschließende Stadtspaziergang führte zunächst einmal die Husarengasse entlang. Dort gibt es „einen verzweifelten Wein“, wie ihn Dr. Claus Prinz bezeichnete. Prinz lehrt an der Staatlichen Meister- und Technikerschule für Weinbau und Gartenbau an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau Veitshöchheim. Den interessierten Bad Windsheimern erklärte er direkt vor Ort und an sichtbaren Beispielen, wie sich mehr Grün umsetzen lässt.
Was dem Wein an der Husarengasse fehlt, war schnell geklärt. „Er weiß nicht, wohin und sackt dann in sich zusammen“, so Prinz. Mit einer kleinen Rankhilfe könnte man ihm eine Struktur vorgeben und ihm helfen, seinen Weg zu finden.
Weiter ging es zum Hafenmarkt, hinein in die Jaeckelgasse. „Hier haben wir im Sommer im Schatten 30 Grad gemessen und dort drüben in der Sonne, an der Fassade, waren es 52 Grad“, sagte Stadtbaumeister Ludwig Knoblach. Weil sich in einer derartige Hitze niemand zum Verweilen niederlasse, solle hier etwas getan werden. Geplant sei Knoblach zufolge eine dem Haus vorgestellte Grünfassade. Diesbezüglich sei man mit dem Eigentümer im Gespräch.
Prinz wies in diesem Zusammenhang auf ein weiteres Problem hin: „Der Baukörper speichert die Wärme und gibt sie nachts wieder ab, so dass sich die nächtliche Abkühlung reduziert.“ Insgesamt gebe es Prinz zufolge in der Stadt „viele Potenzialflächen“. Man müsse nur mehr aus ihnen machen.
Entlang der Knorrgasse blieb die Gruppe an einer weiteren Pflanze stehen und fragte sich bei deren Anblick: „Was ist das jetzt?“ Prinz identifizierte das Gewächs als „Zufallsprodukt“, das so vermutlich nicht gewollt gewesen sei. Ein Regenfallrohr nutzt die Pflanze als Stütze. „Besser als nichts“, so der Experte. Inspiriert von der über die Kegetstraße gespannten Weihnachtsbeleuchtung, scherzte Prinz schließlich, dass man die eigentlich hängen lassen könnte. „Als Rankhilfe für Kletterpflanzen.“