Mit kräftigen Hammerschlägen bearbeiten vier Männer am Holzmarkt ein Wagenrad. Das Quartett gehört der Wagnertanzgilde 1560 an. Zum 75-jährigen Jubiläum des Spielmanns und Fanfarenzuges Bad Windsheim und des Festspiels „Der Wagnertanz” zeigten die Akteure des Festspiels eine verkürzte Aufführung beim 47. Bad Windsheimer Altstadtfest.
Das 75-jährige Bestehen des Vereins stand beim Empfang im Rathaus der Kurstadt im Mittelpunkt – zu einem Zeitpunkt, als noch schwülwarmes Wetter herrschte. Regenschirm und Jacke, Schauer und kühler Wind herrschten dagegen nachmittags und am frühen Abend vor, nicht eben einladende Bedingungen.
Davon war jedoch noch nichts zu spüren, als Bürgermeister Jürgen Heckel die zahlreichen Ehrengäste im Rathaus begrüßte. Er sei „stolz auf diesen Verein und seine Mitglieder”, so das Stadtoberhaupt. Dass auch innerhalb des Spielmannszuges die Gemeinschaft intakt ist, beweise die 30-jährige Führung des heutigen Ehrenpräsidenten Udo Heubusch und gleichzeitig der zurückliegende nahtlose Übergang auf Maria Karnick. Sie hat als stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes für Spielmannswesen in Bayern den perfekten Draht „nach oben”.
Ein letzter Saukopf und der Umzug: Die Bilder vom Altstadtfest 2024
Für die „hervorragende städtebauliche Sanierung” des Vereinsheims Ochsenhof in den vergangenen Jahrzehnten gab es ebenfalls großes Lob von der Stadtspitze. Zugegen war auch der Patenverein aus Rosenheim, zu dem seit Jahren eine enge freundschaftliche Verbindung mit gegenseitigen Besuchen besteht. Maia Kanick erinnerte an Heinrich Delp, der 1947 das Schauspiel „Der Wagnertanz” geschrieben hatte, das 1949 erstmals aufgeführt wurde. Nach weiteren Grußworten war dann der Treff zum Umzug durch die Stadt vorgesehen. Pünktlich dazu begann es zu regnen.
Die Besucher am Straßenrand und Marktplatz trotzten dem feuchten Nieseln jedoch und wurden von sechs Spielmannszügen im Zug für das Ausharren belohnt. Ein paar Tropfen vergoss im Anschluss auch Bürgermeister Heckel beim Bieranstich, der allerdings immerhin mit zwei Schlägen gelang. Zurück zum Holzmarkt hieß es dann für Spielmannszug und Wagnertänzer. Aus Anlass des Jubiläums zeigten die „Wagnertänzer” eine Kurzfassung des seit dem Jahr 1560 nachgewiesenen Zunfttanzes.
Nach einem neuerlichen Regenguss war dann gegen 19 Uhr endlich Schluss mit der Nässe von oben, und die Plätze füllten sich zusehends. Beste Unterhaltung mit dem mittelalterlichen Treiben am Marktplatz, Rockmusik auf dem Klosterplatz sowie Blasmusik am Kornmarkt sorgte für Zulauf, und die kulinarischen Genüsse waren neben den wechselnden Musikangeboten einer der Höhepunkte des Altstadtfestes.
Dass dieses Fest und seine ganz besondere Stimmung auch gerne für Treffen von Freunden und Bekannten genutzt werden, zeigte sich auf dem Kornmarkt. Kurzfristig von Stadträtin Sabine Detsch organisiert traf sich dort ein Teil des Abiturjahrgangs 1981 des Georg-Wilhelm-Steller-Gymnasiums – zum Teil nach 43 Jahren das erste Mal. Zu nächtlicher Stunde, nach der Feuershow und letzten Musiklängen hieß es dann „Das Volk möge sich trollen”.
Einer der Höhepunkte für die Spielleute war schließlich der ökumenische Gottesdienst am Sonntag auf dem Holzmarkt – inklusive Weihe der neuen Standarte. Der Spielmannszug Rosenheim und Keyboarder Christian Wolf umrahmten musikalisch. Launig gestalteten ihn Pastoralreferent Ludger Mennes und Pfarrer Helmut Spaeth. Beide betonten, dass alle Töne des Lebens wichtig sind, die leisen und die lauten. Ebenso sei es in einer Musikgruppe. „Gott hat gewollt, dass wir nicht perfekt sind. Gemeinsam können wir viel erreichen. Der Spielmannszug ist da ein gutes Beispiel”, so Spaeth.
Wie die Polizeiinspektion Bad Windsheim am Montag meldete, verlief die Veranstaltung „sehr friedlich”. Zwischenfälle oder Polizeieinsätze gab es beim Altstadtfest keine.